In etwa neun Monaten sind Bundestagswahlen. Manche Politiker kandidieren nicht daheim. Etwa der aus Rathenow stammende Christian Görke will sich in Cottbus und dem  angrenzenden Landkreis Spree-Neiße zur Wahl stellen.
Der Linke-Politiker ist gegenwärtig noch Mitglied des Brandenburger Landtags. Seine politische Heimatbasis ist die Region um Rathenow. Dass der Schritt hin in fremde Gefilde nichts Ungewöhnliches darstellt, belegt Parteifreundin Anke Domscheit-Berg. Sie stammt zwar aus Premnitz, lebt aber in Fürstenberg/Havel (Landkreis Oberhavel).

Tobias Bank folgt auf Anke Domscheit-Berg

Sie kandidierte 2017 im Wahlkreis 60, zu dem Rathenow, Premnitz, die Gemeinde Milower Land sowie Brandenburg an der Havel, weite Teile von Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming gehören. Nun zieht es Domscheit-Berg als Kandidatin in die Heimat. An ihrer Stelle kandidiert im WK 60 nun Tobias Bank aus dem osthavelländischen Wustermark.

Uwe Feiler siegte im Wahlkreis 58

Auch in anderen Parteien wandern Mitglieder politisch in andere Wahlkreise aus, um eine Nominierung zu erhalten. Man denke an den Westhavelländer Uwe Feiler (CDU). Im Amt Rhinow (Wahlkreis 56) wohnhaft, trat Feiler 2017 im WK 58 an, zu dem (außer Nauen) der Osten des Landkreises Havelland und der komplette Landkreis Oberhavel gehören.
Wie Anke Domscheit-Berg hat auch Uwe Feiler ein Bundestagsmandat erhalten. Als Sieger in seinem Wahlkreis holte er das Direktmandat für den Bundestag. Darüber hinaus ist der Westhavelländer nun Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Er kandidiert erneut im WK 58.

Frank-Walter Steinmeier kam aus Berlin

Die prominenteste Geschichte über einen Politiker, der zum Zwecke einer Bundestagswahl sozusagen aus- bzw. einwanderte, spinnt sich um Frank-Walter Steinmeier. Der Sozialdemokrat aus Berlin verschaffte sich 2008 einen Zweitwohnsitz in Brandenburg an der Havel, um satzungsgemäß Mitglied eines SPD-Ortsvereins in der Stadt werden zu können. Im Wahlkreis 60 wollte Steinmeier die Bundestagsabgeordnete Margrit Spielmann beerben, die nicht erneut kandidierte. Der WK 60 galt als sicher für die SPD.

Wahlsieger 2009 und 2013

Im Wahlkampf punktete Steinmeier, immerhin damals Bundesaußenminister, Vizekanzler und Kanzlerkandidat der SPD, etwa mit der Anbahnung einer Megainvestition in Premnitz. Eine Firma aus der Schweiz wollte 400 Millionen Euro in ein Gas-Kombikraftwerk investieren, woraus aber letztlich nichts wurde. Frank-Walter Steinmeier holte 2009 und 2013 die Direktmandate. Zur letzten Wahl trat der Politiker nicht mehr an, weil er im Februar 2017 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.
Die SPD verlor in der Folge ihre Vormachtstellung. Der Wahlsieg ging an die CDU, die in neun von zehn Brandenburger Wahlkreisen die Direktmandate holte.