Unterstützung aus Stahnsdorf: Am 17. und 20. Dezember 2021 wurden Beamte und Dienstpferde der Bundespolizei nach Rathenow entstandt. In der Stadt der Optik war es zu Protesten gegen die deutsche Corona-Politik gekommen.  Die Brandenburger Polizei hatte die Unterstützung durch die Reiterstaffel angefordert. Uniformierte Reiter hatte es in der Innenstadt jahrzehntelang nicht gegeben.

Militärische Pferde-Geschichte in Rathenow begann um 1720

Mit der 1937 erfolgten Verlegung des Reiter-Regiments 3 der Wehrmacht nach Göttingen endete die militärische Pferde-Geschichte in Rathenow, die um 1720 mit Einheiten des Kürassier-Regiments Nr. 11 beonnen hatte.  Ab 1937 bestand eine Reitschule der NS-Polizei, in der auch Pferde für den Dienst ausgebildet wurden. Die Schule befand sich auf dem Gelände der Zietenkasernen. Das lenkt den Blick auf noch frühere Zeiten.

Zietenhusaren auch in Nauen und Friesack

Die in Rot gekleideten Zieten-Husaren waren berittene Soldaten. Die im Havelland stationierten Männer gehörten dem „3. Husaren-Regiment (Brandenburgisches)“ an. Dieses war in Eskadronen genannte Einheiten unterteilt. Nicht nur in Rathenow gab es solche Eskadronen. Ursprünglich (1851 bis 1860) waren Husaren auch in Nauen stationiert, später in Friesack. Viele Details liefert die Internetseite www.zietenhusar.de. Prominenteste Husaren in Rathenow waren Prinz Ernst August, Sohn des Herzogs von Cumberland und Schwiegersohn von Kaiser Wilhelm II., und Armand Léon von Ardenne, dessen Eheprobleme den märkischen Dichter Theodor Fontane zu seinem Roman „Effi Briest“ inspirierten.

Keine Pferde mehr seit 1945

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Husaren-Regiment im Jahr 1919 aufgelöst. An seine Stelle trat das 3. Reiter-Regiment, damals noch Teil der Reichswehr in der Weimarer Republik. Unter Anteilnahme der Bevölkerung zog das nun der Wehrmacht unterstellte Regiment 1937 aus Rathenow in Richtung Göttingen aus. Die sich anschließende Polizeiepisode endete schlussendlich bei Eroberung der Stadt Rathenow durch die sowjetische Armee im Mai 1945. Die Zietenkasernen wurden bis 1994 militärisch genutzt. Berittene Soldaten gab es dort aber nicht mehr.

Aktuell 35 Polizeireiter und 24 Dienstpferde in Stahnsdorf

Die im Dezember 2021 in Rathenow gerittenenen Polizisten waren zu sechst. Die Reiterstaffel der Bundespolizei verfügt indessen über insgesamt 35 Reiter und 24 Dienstpferde. Ursprünglich handelte es sich um eine dem Land Berlin  unterstehende Polizeieinheit. Wegen Geldnot drohte Anfang des 21. Jahrhunderts die Auflösung. 2002 sprang der Bund ein. 2017 zog die Reiterstaffel der Bundespolizei nach Stahnsdorf (Landkreis Teltow-Fläming) um. Im östlichen Havelland kamen Beamte zu Pferde bereits bei Bahnstreckenüberwachung zum Einsatz.