Die Linke im Havelland ist politische Heimatbasis des Bundestagsabgeordneten Christian Görke. Er ist Vorsitzender des Kreisverbands seiner Partei. Ein Thema, das ihm schon seit Zeiten als brandenburgischer Landtagsabgeordneter unter den Nägeln brennt, ist der Ausbau der Lehrter Stammbahn zwischen Buschow und Groß Behnitz. Der Bereich gilt als ein bahntechnisches Nadelöhr.

Kleine Anfrage an das jetzt FDP-geführte Bundesverkehrsministerium gerichtet

Görke wandte sich im Dezember 2021 mit einer Kleinen Anfrage an das Bundesverkehrsministerium, das vormals CSU-geführt war. Neuer Chef ist Volker Wissing (FDP). Parteifreund Oliver Luksic, Parlamentarischer Staatssekretär, unterschrieb die Antwort. Görke gab sich am Donnerstag sehr ernüchtert. Denn wie er jetzt weiß, plane die Deutsche Bahn keine vier Gleise zwischen Buschow und Groß Behnitz, sondern nur ein drittes. Was das für den Regionalverkehr zwischen Rathenow und Berlin bedeuten würde, erläuterte der Bundestagsabgeordnete vor Journalisten.
Laut Görke soll die Lehrter Stammbahn (Hannover - Wolfsburg - Stendal - Rathenow - Berlin) zur Schnellbahntrasse werden, auf der Geschwindigkeiten bis zu 300 Kilometer pro Stunde gefahren werden können. Wenn die Vision des sogenannten „Deutschlandtakts“ auch auf der Stammbahn Realität würde, sieht Görke deutliche Nachteile für den Regionalbahnverkehr, der bei nur einem dritten Gleis zwischen Buschow und Groß Behnitz wohl ein Verkehrshindernis wäre. Eine Verdichtung des Bahntakts beim Regionalexpress RE4, wie von den Kommunen im Westhavelland gemeinschaftlich seit längerem gefordert, scheint unter diesen Umständen eher unrealistisch.

Intercity verkehrt mehrfach am Tag zwischen Wolfsburg und Berlin

Eine Option stellt für Christian Görke der Halt von Zügen dar, die bislang nur durch Rathenow hindurch fahren. Hier würde sich der Intercity von und nach Wolfsburg anbieten, der zu täglichen Spitzenzeiten zwischen Rathenow und Wustermark ein Regionalexpress sein könnte. Freilich soll die Nutzung dann zum Tarif des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg erfolgen. Darauf will Görke, wie er sagte, gegenüber dem Bund nun drängen.

Ausbaustufe 1 bei Stendal befindet sich in Leistungsphase 3 und 4

Was den Ausbau der Lehrter Stammbahn betrifft, kann Görke nur mit dem Kopf schütteln. Seit Jahren ist das Projekt schon ein Thema. Wie der Politiker berichtete, bestehen nun zwischen Wolfsburg und Berlin zwei Ausbaustufen. Stufe 1 ist ein relativ kurzer Abschnitt von rund 30 Kilometern - mit Stendal in der Mitte. Dieser soll zuerst an der Reihe sein und befindet sich in der dritten und vierten Leistungsphase, also in Entwurfs- und Genehmigungsplanung.
Insgesamt gibt es acht Phasen - Ausführung und Abnahme bilden den Abschluss. Die Inbetriebnahme werde für das Jahr 2026 angestrebt, wie es in der Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium heißt, die BRAWO vorliegt.

Ausbaustufe 2 noch in der Startphase - Fertigstellung erst in den späten 2030er Jahren?

Ausbaustufe 2 befindet sich noch in den beiden Startphasen. Hier ist demnach noch nicht allzuviel passiert. Görke befürchtet daher, dass in Anbetracht des Tempos beim Rathenow betreffenden Ausbau erst in den späten 2030er Jahren mit der Inbetriebnahme zu rechnen ist. Er hat zwei Forderungen: Das Nadelöhr zwischen Buschow und Groß Behnitz vorziehen, wobei dort ein viertes Gleis verlegt werden möge. Ferner plädiert er für eine zusätzliche und gemeinsame Planungsgesellschaft der Länder Brandenburg und Berlin mit der Deutschen Bahn. Denn laut Görke reichen die DB-Planungskapazitäten einfach nicht aus. Wie er meint, dürfte eine solche Gesellschaft geeignet sein, die hiesigen Planungen zu beschleunigen.