Die Kreisstadt Rathenow ist ohne Kreißsaal. Die Havelland-Kliniken haben diesen zum 1. Januar 2021 geschlossen - als vorübergehende Maßnahme, bis der akute Mangel an Hebammen beseitigt ist. Ob und wann das der Fall sein wird, ist aktuell offen. Eine Alternative könnte ein Geburtshaus darstellen, wie von der SPD-Politikerin Katja Poschmann ins Spiel gebracht.
Hinter den politischen Kulissen zeigt sich die Landtagsabgeordnete aus Premnitz engagiert, die laut eigenen Angaben ihre beiden Kinder im Rathenower Kreißsaal zur Welt gebracht hatte. „Hebammen sind wie Goldstaub - wer sie hat, sollte alles daran setzen, sie zu halten. Wer keine mehr hat, wie die Havelland-Kliniken, der muss stark um diese wichtigen Fachkräfte werben, denn der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft. Es braucht attraktive Arbeitsorte, um die Geburtsstation, zu der die kontinuierliche Vor- und Nachsorge oder aber auch die Mütterberatung gehört, wiederaufzubauen“, so Poschmann. Ihrer Ansicht nach könnte ein an den Rathenower Standort der Havelland-Kliniken angebundenes Geburtshaus ein attraktiver Arbeitsort für Hebammen sein.

Idee zum Geburtshaus für Rathenow schon einige Monate alt

Die Idee dazu ist offenbar bereits seit dem Spätsommer in der Welt. Im Herbst kam es zu einem Treffen mit der Vorstandsvorsitzenden der AWO Potsdam, Angela Schweers. Wie die Landespoltikerin darlegt, ging es ursrünglich um das Ziel der AWO, eine Mütterberatung in Rathenow zu eröffnen. „Seither sind wir im permanenten Austausch zur Erörterung von Kosten und Versicherungsfragen, zur Klärung eines Standorts für ein Geburtshaus, oder aber auch, ob vorhandene Strukturen noch genutzt werden können“, so Poschmann. „Uns war wichtig, dass wir das gut vorbereiten und nicht Hoffnungen schüren, die wir dann nicht bedienen können, denn bislang sind viele Fragen noch offen.“

Stadtverordnetenbeschluss am 23. Februar 2022

Zuletzt hatte die AfD einen Antrag in die Stadtverordnetensitzung vom 23. Februar 2022 eingebracht, laut dem der Rathenower Bürgermeister dazu aufgefordert werden sollte, sich für die Wiedereröffnung des Kreißsaals einzusetzen. Diesbezüglich hatten die anderen Fraktionen Änderungen am Beschlusstext beantragt.

Rathenow

Beide Anträge wurden letzlich beschlossen. Nun wird auch der Landrat miteinbezogen. Ferner wird nun geprüft, ob ein Geburtshaus eine Alternative zum Kreißsaal darstellen kann. Katja Poschmann: „Wichtig ist, dass unabhängig von allen Bedenken, die alle vor Ort nicht ohne Grund haben und die Schwierigkeiten, die es zweifellos gibt, eine Lösung gefunden wird. So wie es jetzt ist, kann und darf es nicht bleiben. Das muss oberstes Ziel und Fokus von allen Akteuren sein. Dafür will ich helfen, wo ich kann.“