Die Geschäftsführung der kreislichen Havelland-Kliniken-Unternehmensgruppe hat am Freitag kein Zieldatum für die Wiedereröffnung des Kreißsaals am Klinik-Standort Rathenow genannt. Im digitalen Jahrespressegespräch 2022 erläuterte Geschäftsführer Jörg Grigoleit lediglich jene Maßnahme auf Unternehmensseite, die sukzessive zur Beseitigung des Hebammenmangels führen soll.
Am Standort Nauen, der dortige Kreißsaal war von Oktober 2018 bis Dezember 2019 wegen des gleichen akuten Mangels geschlossen, werden aktuell neun Geburtshelfer ausgebildet. Zwei weitere Azubis sollen noch in diesem Jahr hinzukommen, so Grigoleit. Doch nicht allein neue Hebammen führen zur Reaktivierung des Rathenower Kreißsaals. Auch müssen erst die havelländischen Geburtszahlen wieder stimmen.

2021 kamen im Kreißsaal Nauen 465 Babys zur Welt

Der Geschäftsführer sprach vor den teilnehmenden Journalisten von zunächst mindestens 500 notwendigen Geburten in Nauen, sonst drohe der Entzug der Zulassung des dortigen Kreißsaals durch die Kostenträger. Und wieviele Geburten gab es 2021 in den Havelland-Kliniken? 465 waren es in Nauen. 5 Babies wurden auch ohne Kreißsaal in Rathenow auf die Welt geholt. Alternativ zum Kreißsaal wurde ein Familienzentrum geschaffen, in dem Schwangeren alles Nötige geboten werden kann, außer natürliche Geburten.
An beiden Standorten hatte es im Jahr zuvor etwa 630 Geburten gegeben. 2017 waren es rund 750. Im Oktober des Folgejahres kam es zur Nauener Schließung. Für 2018 konnten die Havelland-Kliniken insgesamt noch knapp 670 Geburten bilanzieren. 2019 waren es 444.

Alternativen in Brandenburg an der Havel und Stendal

Die Zahlen belegen, dass nicht etwa Geburtenknicks die Bilanz negativ beeinflusst haben, sondern die Schließungen. Viele Hochschwangere aus dem östlichen Havelland dürften seinerzeit statt nach Rathenow lieber nach Potsdam und Berlin ausgewichen sein. Frauen aus dem westlichen Havelland können alternativ zu Nauen in den Kreißsälen in Stendal und Brandenburg an der Havel gebären.