Wie viele Menschen aus der Ukraine bislang geflohen sind, kann nur grob geschätzt werden. In der Vorwoche erklärte Landrat Roger Lewandowski (CDU), dass allein Deutschland mit etwa 400.000 Flüchtlingen rechnen würde. Davon würde Brandenburg rund 11.000 Menschen aufnehmen, was für den Landkreis Havelland die Aufnahme von etwa 650 Menschen bedeuten würde. Am Mittwoch teilte die Kreisverwaltung mit, dass aktuell 300 Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften in Schönwalde-Glien und Premnitz zur Verfügung stehen. Daneben arbeite der Kreis intensiv an der Einrichtung einer Notunterkunft im MAFZ, sofern Kapazitäten zur Unterbringung erschöpft sein sollten.

Wolfgang Gall leitet Verwaltungsstab, der Maßnahmen zur Unterbringung koordiniert

Ein vom Landrat einberufener Verwaltungsstab koordiniert alle Maßnahmen zur Unterbringung. Als Stabsleiter agiert Wolfgang Gall, der für Asylangelegenheiten zuständige Dezernent und Beigeordnete. Wie er am Mittwoch erläuterte, waren zu dem Zeitpunkt 50 Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften belegt: „Diese Zahl kann sich von heute auf morgen schlagartig ändern. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind auch schon bei uns im Landkreis und entweder bei Verwandten, Bekannten oder in privaten Unterkünften untergekommen. Das zeigen die Zahlen unserer Ausländerbehörde. Hier wurden in den letzten zwei Tagen bereits 100 Ukrainerinnen und Ukrainer vorstellig.“

Landkreis Havelland will über private Hilfsaktionen Bescheid wissen

Um die Ankunft und Verteilung Geflüchteter, die nicht über die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in den Landkreis kommen, sondern über privat organisierte Hilfsaktionen, besser planen und koordinieren zu können, bittet der Landkreis um rechtzeitige Einbindung in Hilfsaktionen. „Natürlich befinden wir uns in einer Ausnahmesituation und müssen uns täglich auf eine große Anzahl Geflüchteter vorbereiten. Die frühzeitige Einbindung in privat organisierte Hilfsaktionen wäre dabei sehr hilfreich. Ein Nachbarkreis stand beispielsweise am letzten Samstag vor der Herausforderung, einige hundert Menschen unterbringen zu müssen. Hier ist eine frühzeitige Kommunikation einfach erforderlich“, so Wolfgang Gall.
Diesbezüglich nützlich ist die vom Kreis eingerichtete E-Mail-Adresse ukrainehilfe@havelland.de. Schon etliche Leute meldeten dem Landkreis private Möglichkeiten zur Unterbringung Geflüchteter. Am Mittwoch bezifferte Gall die Zahl der bislang gemeldeten Plätze mit rund 140. „Alle Angebote wurden von uns aufgenommen und sind in Prüfung“, so Gall. Auch künftig können Möglichkeiten über diese E-Mail-Adresse kundgetan werden, wobei möglichst konkret vermerkt werden sollte, wie lange die Unterkünfte zur Verfügung stehen und wie viele Personen aufgenommen werden können.

Ausländerbehörde ist erste Anlaufstelle zur Erlangung von Sozialleistungen und Arbeitserlaubnis

Seit dieser Woche gilt eine EU-Verordnung auch in Deutschland, nach der den Menschen aus der Ukraine „vorübergehender Schutz“ von zunächst einem Jahr gewährt wird. Dieser kann insgesamt zwei Mal verlängert werden. Ukraine-Flüchtlinge müssen zwar kein Asylverfahren durchlaufen, erhalten dennoch Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Um Zugang zum Arbeitsmarkt  zu erlangen, müssen sie lediglich eine Arbeitserlaubnis in der zuständigen Ausländerbehörde beantragen. Diese ist auch erste Anlaufstelle zur Beantragung von Sozialleistungen aller Art. Mehr Informationen bietet der Landkreis auf seiner Internetseite www.havelland.de/ukrainehilfe dargestellt.
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