Stadtverordnete: Straße in Rathenow wird wohl nach Lindner benannt

Blick in die Straße in Rathenows Mitte, die nach dem von 1907 bis 1933 als Oberbürgermeister tätigen Ernst Lindner benannt werden soll.
WeberDen Namen hatte der Stadtverordnete Wolfram Bleis (CDU) vorgeschlagen, ein heimatgeschichtlich sehr bewanderter Mann. Er ist Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr. Er hatte vor der Abstimmung aus der Niederschrift eines Zeitzeugen des Jahres 1927 gelesen sowie aus einem 1951 verfassten Antrag Lindners zur Wiedergutmachung.
Der nationalliberale Ernst Lindner, der später der Deutschen Volkspartei (DVP) angehörte, war Friedrich Ackermann im Mai 1907 ins Amt des Rathenower Bürgermeisters nachgefolgt. Damals war die Stadt noch Teil des Landkreis Westhavelland. Nach Erlangung der Kreisfreiheit (1925) wurde Lindner Oberbürgermeister. Eine Amtszeit dauerte seinerzeit 12 Jahre. Sowohl 1919 als auch 1931 wurde Linder wiedergewählt, doch 1933 durch die Nationalsozialisten abgesetzt und in den Ruhestand zwangsversetzt.
„Der Namensvorschlag ist eine gute Empfehlung“, waren sich die Bauausschussmitglieder Jörg Rakow (CDU) und Jürgen Vogeler (SPD) einig. Und Karl–Reinhold Granzow (Die Linke) ergänzte, dass man, beginnend bei neun benannten Straßen, unter dem Straßenschild ein kleines Zusatzschild mit den Lebensdaten und der Funktion des Namensgebers anbringen möge. „Ein toller Vorschlag“, so Karsten Ziehm (FDP). „Ich kannte Lindner nicht, und viele Rathenower wissen wohl auch nicht, welch geradlinigen Oberbürgermeister Rathenow zu dieser Zeit hatte.“
Die endgültige Benennung der Straße durch die Stadtverordnetenversammlung am 30. Oktober dürfte nur noch Formsache sein. Durch Neubau von Straßen zur Erschließung von Wohngebieten und im Rahmen der Benennung von Plätzen in der Stadt hatten zuletzt der Georg–Penning–Platz (2011), der Edwin–Rolf–Platz (2012) sowie die Hans–Joachim–v.-Zieten–Straße (2016) ihre Namen erhalten.
Anfang 2017 wurde mit dem Namen Paul Szillat eine Straße nach jenem Mann benannt, der von 1945 bis 1950 Oberbürgermeister Rathenows war. Szillat hatte der SPD angehört, bis die Partei 1946 mit den Kommunisten zur SED fusionierte. Ganz auf Linie war der Ex–Sozialdemokrat offenbar nicht. 1950 wurde er aus der SED ausgeschlossen, wegen diverser Vergehen angeklagt und dank des Meineides des Hauptbelastungszeugen zu Zuchthaus verurteilt.