Auch im Sternenpark Westhavelland dürften sich die Blicke einiger Bewohner sorgenvoll gen Nachthimmel richten. Denn immer wieder war in manchen Boulevardmedien davon zu hören, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit in einigen Jahren ein Asteroid auf der Erde einschlagen könnte. Dabei handelt es sich um den etwa 325 Meter durchmessenden Asteroiden Apophis.

Am 13. April 2029 der Erde sehr nah

Dieser Asteroid wird am 13. April 2029 der Erde tatsächlich sehr nahe kommen. Voraussichtlich wird er etwa 32.000 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche vorbeifliegen, also innerhalb der Umlaufbahnen geostationärer Satelliten. Auch im Jahre 2036 wird es noch einmal sehr eng, aber die Erde treffen wird er in den nächsten hundert Jahren definitiv nicht. Warum dann also die anders klingenden Medienberichte?

Genaue Beobachtungen über möglichst lange Zeiträume notwendig

Wenn solch ein erdnaher Asteroid entdeckt wird, ist dessen Bahn zuerst nur vage bekannt, und ein Einschlagrisiko kann bei einigen Objekten nicht ausgeschlossen werden. Nun ist es die Aufgabe der Astronomen, die Bahn des Asteroiden exakt zu bestimmen. Dafür sind genaue Beobachtungen über möglichst lange Zeiträume notwendig. Solange wollen aber viele Medien nicht warten und vermelden dann die sensationsgeschwängerte Nachricht eines sehr wahrscheinlichen Einschlagszenarios.
Wochen oder Monate später folgt dann meist die Entwarnung der Wissenschaftler, was dann aber meist kein großes mediales Echo mehr auslöst. So auch bei Apophis.

Objekte bis zu etwa 20 Meter Durchmesser kann die Erdatmosphäre noch abwehren

Wie groß ist aber die Gefahr wirklich, die von erdnahen Asteroiden ausgeht? Filme wie Armageddon (USA/1998) sind unrealistisch. Alle Objekte mit Durchmessern von mehr als einem Kilometer, die globale Verwüstungen anrichten können, sind bereits entdeckt und stellen in absehbarer Zukunft keine Gefahr dar.
Ganz kleine Objekte bis zu etwa 20 Meter Durchmesser kann die Erdatmosphäre noch abwehren, ohne dass größere Schäden entstehen. Im Bereich dazwischen werden aber immer wieder neue Objekte entdeckt, die auch die Erdbahn kreuzen. Dazu kommen noch die Kometen aus der das Sonnensystem umschließenden Oortschen Wolke, die von der Erde aus nicht beobachtet werden können. Das ist eine Gefahr ganz anderer Art.

Asteroidenabwehr durch Nuklearexplosionen?

Die Wissenschaftler arbeiten an diversen Szenarien der Asteroidenabwehr. Dabei kommt es auf mehrere Faktoren an: Masse, Material, relative Geschwindigkeit zur Erde beim Einschlag und Zeit bis zum Einschlag. Je nach Dringlichkeit kommen derzeit vier Methoden in Betracht: langsame Ablenkung über Jahre hinweg durch Reflektoren oder Schwerkraft, die impulsartige Ablenkung durch einen Impaktor oder die stärkere Ablenkung durch eine nahe Nuklearexplosion. Letztere hat zwar die größte Wirkung, diese ist aber sehr ungenau vorherzusagen. Daher wäre das die letzte Option.
Eines bleibt festzuhalten: Je weiter der mögliche Einschlag in der Zukunft liegt, desto größer ist die Chance diesen abzuwenden. Daher ist eine ständige und professionelle Überwachung des Himmels dringend anzuraten.

Schnelle Bewegung am Himmel beobachten

Für gut ausgerüstete Amateurastronomen bietet sich immer wieder die Möglichkeit, die Passage eines solchen kosmischen Geschosses direkt zu beobachten oder zu fotografieren. Dabei liegt der Reiz nicht in der Schönheit des Objekts, es ist immer nur ein sehr lichtschwaches Lichtpünktchen zu erkennen, sondern in der schnellen Bewegung am Himmel, die manchmal direkt zu sehen ist.
Solche schnellen Bewegungen kommen am Himmel sonst nicht vor  - von Satelliten und Sternschnuppen einmal abgesehen.  Wer die Position neu entdeckter Asteroiden genau bestimmt, kann einen Beitrag dazu leisten die Bahn des Objekts genauer zu berechnen und so die Wissenschaft zu unterstützen.

Bis 9. November 2021 naht Asteroid 2019 XS

Am 9. November 2021 zieht der Asteroid 2019 XS mit 70 bis 90 Metern Durchmesser in nur eineinhalbfacher Mondentfernung vorbei, rund 574.000 Kilometer. Ein komfortabler Abstand im Gegensatz zu Apophis im Jahre 2029. Dieser wird dann leicht mit bloßem Auge zu sehen sein und innerhalb weniger Stunden über den Himmel ziehen.