Zwei Lücken klaffen auf dem straßenbegleitenden Havel-Radweg entlang der Landesstraße L 96 bei Böhne. Eine Bürgerinitiative setzt sich seit rund fünf Jahren für den Lückenschluss ein. Zuletzt erhielten BI-Mitglieder die Gelegenheit, gegenüber Guido Beermann (CDU), Minister Minister für Infrastruktur und Landesplanung, ihre Forderungen vor Ort zu formulieren.

Termin mit zahlreichen hochrangigen Teilnehmern

Einige engagierte Politiker hat die Bürgerinitiative schon länger auf ihrer Seite. 2020 holte sie auch den havelländischen Landtagsabgeordneten Christian Görke (Die Linke) mit ins Boot. Auf seine Initiative hin gastierte Beermann nun vor Ort. Auch Politiker aus dem Bundestag und solche die im September 2021 ein Direktmandat anstreben, waren nach  Böhne gereist. Ferner waren die Stadt Rathenow und der Landesbetrieb Straßenwesen hochrangig vertreten. Daher weckte der Termin große Hoffnung auf einen Durchbruch beim zähen Ringen um den Lückenschluss.

Lücken von 454 und 2.360 Metern Länge

Im Bereich der Straßenbrücke am Ortsausgang Rathenow sowie im Bereich der Stelle, wo der Havel-Radweg kurz vor dem Ortseingang auf die L96 trifft, besteht bereits jeweils ein kurzes Stück straßenbegleitender Radweg. Auf rund 454 Metern fehlt der Lückenschluss bis zum Kreisverkehr in Rathenow-West, und auf 2.360 Metern fehlt der Radweg zwischen Bölkershof und Böhne. Die Bürgerinitiative fordert die Schließung beider Lücken.

Vom „allgemeinen“ in den „erforderlichen Bedarf“

Die Böhner hoffen, dass dieser Radweg-Abschnitt in der Landesplanung vom sogenannten „allgemeinen Bedarf“ zum „erforderlichen Bedarf“ hochgestuft wird, wie es Görke auf den Punkt brachte, ehe BI-Vertreter Hans-Jürgen Wodtke den Gästen die Situation anhand eines Kartenausschnitts erläuterte. „Der vorhandene touristische Havel-Radweg ist für den Schülerverkehr keine Alternative. Er ist wesentlich länger, und auch nur teilweise ausgebaut“, so Wodtke. Die BI konzentriere sich auf den straßenbegleitenden Radweg-Lückenschluss auf rechter Seite in Richtung Rathenow.

30 Millionen Euro für das Radwegenetz in Brandenburg

„In den letzten Jahren, auch mit E-Bikes, hat sich der Radverkehr, nicht nur aus touristischer Sicht, sondern auch als Teil des privaten Verkehrs in und zwischen Orten entwickelt. Da gibt es einen echten Bedarf. Das Land investiert, mit breiter Unterstützung des Landtags, in dieser Wahlperiode 30 Millionen Euro in das Radwegenetz im Land“, so Infrastrukturminister Beermann.

Realisierung möglich, wenn kein langwieriges Bauplanungsverfahren notwendig

„Die Planungen für den Radwegeplan des Landes liegen vier, fünf Jahre zurück und basieren auch auf den damaligen Zahlen zum Verkehr. Wenn sich die Chance ergibt, dass dieser Radweg-Abschnitt, ohne langwieriges Bauplanungsverfahren realisiert werden kann, werden wir es umsetzten. Sonst dauert es einige Jahre“, so Edgar Gaffry, Vorstandsvorsitzender des Landesbetriebs Straßenwesen.

Grundstückseigentümer als großes Hindernis

Als großes Hindernis entpuppen sich die Interessen der 24 Grundstückseigentümer entlang der Strecke - vom privaten Hausbesitzer bis zu Landwirtschaftsbetrieben. „Die erste Anfrage an die Eigentümer durch die Stadt erbrachte kaum positive Rückmeldungen. Jetzt wird die Stadt noch einmal individueller mit den Eigentümern ins Gespräch kommen und auch pragmatisch auf ihre Interessen eingehen“, kündigte Rathenows Bauamtsleiter Matthias Remus an. Bezüglich der Landwirte sicherte Michael Koch, der neue havelländische Landwirtschafts-Dezernent die Unterstützung des Landkreises zu.

Aussicht auf Finanzierung

„Das Projekt scheint somit pragmatisch realisierbar“, so Görkes Fazit. „Gut ist auch, dass jetzt die Aussicht auf Finanzierung besteht“, so der Stadtverordnetenvorsitzende Corrado Gursch (CDU).