Wenn sich Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) am 31. Mai 2022 aus dem Rathaus verabschiedet, steht die Nachfolge längst fest. Erster Wahlgang ist an diesem Sonntag, 6. März 2022. Sollte eine Stichwahl notwendig werden, so findet diese drei Wochen später statt. Die Rathenower Liste der Stadtoberhäupter wird um einen Namen länger.
Rathenow wurde 1295 das Stadtrecht verliehen. 1288 soll es aber schon einen Bürgermeister gegeben haben, damals Schultheiss genannt. Der Name des Mannes ist unbekannt. Die städtische Liste setzt 1347 an, wobei sich aus den sechs genannten Namen von Ratsmännern nicht erschließt, wer denn hier Stadtoberhaupt war. Diesbezügliche Unklarheiten bestehen weiter bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ab 1585 ist eindeutig, wer in der Stadt jeweils den Ton angab. Freilich beschränkte sich Rathenow bis in die 1730er Jahre auf das eingemauerte Gebiet der Altstadtinsel mit der Sankt-Marien-Andreas-Kirche.

Johann Friedrich Schaum ist Rekordhalter als Bürgermeister

1756, jetzt gab es auch eine Neustadt, übernahm mit Johann Friedrich Schaum der bisherige Rekordhalter den Bürgermeisterposten. Da in der Liste erst für 1790 ein Nachfolger aufgeführt wird, ist bei Schaum von einer 34-jährigen Amtszeit auszugehen. Die kürzeste Amszeit von nur drei Monaten hatte Friedrich Ackermann im Jahr 1907. Er war im Anschluss 23 Jahre lang der Oberbürgermeister von Stettin.
Zu einer Zäsur war es am 1. März 1849 gekommen: Bürgermeister Johann Heinrich Gustav Fischer, ein glühender Demokrat, wurde von antidemokratischen Kräften abgesetzt. Derartiges wiederholte sich nach Etablierung des Nationalsozialismus. 1933 wurde Ernst Lindner abgesetzt. Die Demokratie kehrte erst 1990 nach Rathenow zurück. Zu der Zeit war Ronald Seeger bereits Angestellter der Stadtverwaltung.

Amtszeit würde regulär bis 2026 dauern

Der scheidende Bürgermeister hatte 2002 seinen Vorgänger, Hans-Jürgen Lünser, beerbt und wurde 2010 wiedergewählt. Am 11. März 2018 wurde Seeger erneut in der achtjährigen Amtszeit bestätigt, die regulär bis 2026 dauern würde.
Ende Mai 2021 hatte der Bürgermeister seinen Rückzug angekündigt und mit anhaltend schlechtem Gesundheitszustand begründet. Dass er sein 20. Amtsjahr vollenden wollte, statt umgehend zurückzutreten, hatte für Kritik in der Stadtverordnetenversammlung gesorgt. Die SVV befasste sich Ende August 2021 mit Seegers Antrag zur Versetzung in den Ruhestand und stimmte dem mehrheitlich zu.