Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat einen Wettbewerb zur Suche eines Standorts für ein zu schaffendes Technologie- und Innovationszentrum Wasserstofftechnologie ausgelobt. Premnitz im Havelland hat sich beworben. Teilnahmeschluss war am Mittwoch, 23.59 Uhr.

Entwicklungsumgebung für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Start-Ups

Die Wasserelektrolyse und die Brennstoffzellentechnologie zählt das BMVI zu den Schlüsseltechnologien zur Decarbonisierung des Verkehrssektors. Das zu schaffende Zentrum soll insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Start-Ups eine Entwicklungsumgebung bieten, um sich für einen internationalen Wettbewerb positionieren zu können. Vergleichbare Einrichtungen gibt es bereits in Japan, China und den USA.

Für Premnitz wohl ein paar Nummern zu groß

Was nach einem deutschen Silcon Valley für Wasserelektrolyse und Brennstoffzellentechnologie klingt, dürfte für Premnitz ein paar Nummern zu groß sein. Obgleich im Industriepark der „Stadt voller Energie“ 13 freie Hektar zur Verfügung gestellt werden könnten. Die Havelkommune wäre bestenfalls Teil eines großen regionalen Ganzen. Denn wie Bürgermeister Ralf Tebling (SPD) in Erfahrung brachte, habe sich aus Berlin und Brandenburg ein Anwendungszentrum für Wasserstofftechnologie in der Hauptstadtregion (AZH2) beworben.

BER und sechs weitere Standorte

„Das Zentrum behandelt alle zukünftigen Mobilitätsanwendungen an einem zentral gelegenen Ort – dem internationalen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) – und umfasst sechs weitere Standorte in der Hauptstadtregion, die sich in ihren Spezialisierungen gegenseitig ergänzen und eng zusammenarbeiten“, wie es in einer Beschreibung heißt. Im Anwendungszentrum werde grüner Strom und grüner Wasserstoff aus Brandenburg mit der Start-up Community Berlins verknüpft und Expertise für die Zukunft nachhaltiger Mobilität in Deutschland gebündelt.

Wettbewerb ermittelt zunächst drei Gewinner

Tebling geht nun davon aus, dass Premnitz Teil einer der sechs Standorte werden könnte, sofern das AZH2 den Zuschlag erhält. Der deutschlandweite Wettbewerb ermittelt zunächst drei Gewinner, bei denen das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Machbarkeitsstudien zur Umsetzbarkeit in Auftrag geben will. Die Verkündung der Gewinner wird voraussichtlich im Februar erfolgen. Die Studien sollen letztlich die Basis  bilden für die finale Standortwahl zum Aufbau des deutschen Wasserstoff-Zentrums.

Wasserstoff aus Premnitz wird Realität

Immerhin werden in Premnitz bereits die Weichen hin zu industrieller Wasserstoff-Produktion gestellt. Die Richter Recycling GmbH, die mit der schwedischen Plagazi A Cleantech Company kooperiert, will neben flüssigem CO2 auch Wasserstoff produzieren und dafür in den nächsten Jahren rund 50 Millionen Euro im Industriepark Premnitz (IPP) investieren.

Plasmavergasung von Sortierresten

Die Investoren wollen zwei Anlagen errichten, die pro Jahr zusammen bis zu 45.000 Tonnen Recycling-Abfälle verarbeiten und verwerten können. Durch sogenannte Plasmavergasung bei etwa 3.000 Grad Celsius sollen Sortierreste verbrannt werden. Dabei würden schadstofffreie Schlacke, flüssiges CO2 und Wasserstoff entstehen. Die Rede ist von jährlich bis zu 6.000 Tonnen hochreinen Wasserstoffs.

Wirtschaftsminister Steinbach bereits informiert

Das Vorhaben hat sich längst bis in höchste Regierungskreise des Landes Brandenburg herum gesprochen. Schon im Oktober 2019 hatte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) der Richter Recycling GmbH einen Besuch abgestattet, als diese noch damit beschäftigt war, ihren Hauptsitz von Potsdam nach Premnitz vorzubereiten. Zum Treffen war es eigentlich nur durch die Affinität Steinbachs zum Wasserstoff als Energieträger gekommen.