Schloss Hohenlandin
: Verlassene Pracht – das verfallene neogotische Bauwerk

Einst ein prachtvolles neogotisches Bauwerk, heute eine verfallene Ruine. Das Schloss Hohenlandin erzählt eine traurige Geschichte über verschuldete Bauherren und eine Zerstörung durch Vernachlässigung.
Von
Oliver Voigt
Landin
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  • Der weitestgehend freie Blick von der Parkseite aauf die Ruine lässt immer noch die einstige Pracht des Landiner Schlosses erahnen.

    Der weitestgehend freie Blick von der Parkseite aauf die Ruine lässt immer noch die einstige Pracht des Landiner Schlosses erahnen.

    Oliver Voigt
  • Der Verfall ist offensichtlich, verrottete Balken in den Gängen zeugen von der Einsturzgefahr.

    Der Verfall ist offensichtlich, verrottete Balken in den Gängen zeugen von der Einsturzgefahr.

    Oliver Voigt
  • Das repräsentativ gestaltet Portal auf der Nordseite.

    Das repräsentativ gestaltet Portal auf der Nordseite.

    Oliver Voigt
  • Auf der einzigen Infotafel rund um das Schloss ist ein Stich von Friedrich Wilhelm Albert Dressler zu sehen.

    Auf der einzigen Infotafel rund um das Schloss ist ein Stich von Friedrich Wilhelm Albert Dressler zu sehen.

    Peter Mertes/Original: Friedrich Wilhelm Albert Dressler
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Es ist das malerische Schloss Hohenlandin, das Besucher der uckermärkischen Ortschaft Landin, Brandenburg, als Kunststich auf einer Tafel sehen. Ein wunderschöner, großer Bau, den Fotografen so lieben und auch die Besucher als Kulisse des jährlichen Schlossfestes. Ein Traum von einem neogotischen Schloss und einer Parkanlage von Lenné, ein sehr verfallener Traum. Die Schlossruine wirkt nur noch als Lost Place. Dabei ist das Gemäuer noch keine 200 Jahre alt.

Bauherr übernimmt sich finanziell

Rittmeister Wilhelm-Georg von Warburg ließ 1860/61 das Herrenhaus vom Wriezener Baumeister Ferdinand Neubart als prachtvolles Schloss im Tudorstil errichten. Doch der Bauherr hatte sich mit diesem Projekt finanziell übernommen. Hoch verschuldet, blieb nur der Verkauf des Anwesens. Bis 1945 war es im Besitz der Familie Müller. Als letzte Gutherrin lebte Dora Müller im Schloss. Allein bewohnte sie fast 30 Räume, ihr Bruder Karl kam nur alle zwei Wochen zu Besuch. Die „Müllerschen Erben“ wurden die Geschwister im Dorf genannt. In den 30er Jahren ernährte das Schloss fasst das ganze Dorf. Das Gut mit den dazugehörigen 1000 Hektar Land bewirtschaftete sich nicht allein. 26 Dorfbewohner waren auf dem Gut beschäftigt, hinzu kamen circa 150 Feldarbeiter. Dreiviertel der Landiner Einwohner lebten damals vom Schloss.

Vom Glanz zur Ruine

Nach Kriegsende mit der einhergehenden Bodenreform flüchtete die bis dahin in Landin lebende Dora Müller. Ihr Spuren verloren sich in Mecklenburg. Letzte Aufzeichnungen verweisen nach Bad Doberan bei Rostock.

Das Schloss hatte den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden, 40 Jahre Sozialismus jedoch nicht. Die kommenden Jahre wurden dem Gebäude zum Verhängnis. Das Schloss Hohenlandin bot nach 1945 den Umsiedlern aus Schlesien Unterkunft, während sich in einer anderen Etage die Schulkinder des Dorfes auf engstem Raum drängten.

Die an Fabelwesen angelehnten geflügelten Löwen finden sich am Balkon über dem Haupteingang zum Schloss.

Oliver Voigt

Anfangs noch gut erhalten, wurde das schöne Gebäude-Ensemble jedoch nach und nach vom Zahn der Zeit zerfressen. Zuvor jedoch wurden, wie in den Nachkriegszeiten in der sowjetischen Besatzungszone üblich, die herrschaftlichen Symbole zerstört. Es heißt, die an Fabelwesen angelehnten geflügelten Löwen unterhalb des Balkons über dem Portal sollten nicht länger Macht und Stärke symbolisieren, ihnen wurden darum die Zähne ausgeschlagen. Den Adlern über ihnen brach man die Krallen ab. Der kleinere Treppenturm dagegen hielt der Zerstörungswut stand.

Verlassene Gemäuer und die Spuren der Vergangenheit

Seit Jahren ist das Schloss verlassen und verfallen. Besucher stehen vor einer Ruine, in der heute nur noch die Umfassungsmauern der einstigen Schlossanlage Zeit und Witterung trotzen.

In den Zeiten der DDR blieb es lediglich bei einer Nutzung, an Erhaltung dagegen wurde nicht gedacht. Regnete es an einer Stelle durch, zog man eben in den nächsten Raum, wird heute noch erzählt. Das Drama nahm seinen Lauf, das Gebäude verfiel infolge mangelnder Reparaturen.

Mit einer Kamera-Drohne wird das Ausmaß des Zerfalls noch deutlicher. Übrig sind nur noch die Umfassungsmauern.

Oliver Voigt

Mangelnde Sicherheit und Statik waren der Grund, dass die Gemeinde 1977 das Schloss aufgab, und dessen Schicksal besiegelte. Das einstige Prachtschloss war dem Verfall preisgegeben. Alles, was als Brennstoff diente oder als Baustoff wiederverwertet werden konnte, wurde herausgerissen. Selbst der Schiefer vom Schlossdach fand eine Zweitverwertung auf einem Einfamilienhaus eines Nachbarortes.

Eine Nutzung überdauert die DDR

Nur das vorgelagerte Wirtschaftsgebäude wurde und wird bis heute weiter genutzt. In ihm ist die Kindertagesstätte untergebracht, Kinder toben auf einem Spielplatz direkt vor dem Schloss. Das Areal gehörte ebenfalls zum Schlosspark.

Heute steht die gesamte Gutsanlage, bestehend aus der Schlossruine, Gutspark, Wirtschaftshof mit Speicher, Brennerei, Pferde- und Ochsenstall sowie Rinderstall unter Denkmalschutz.

Das Schloss Hohenlandin, vielmehr die Ruine, fügt sich malerisch in die Umgebung ein. Oben links im Bild ist der ehemalige Ochsenstall zu sehen.

Oliver Voigt

Die einstigen Wirtschaftsgebäude wurden an einen Privatmann verkauft, der eine Stiftung gegründet hat, um die historischen Gebäude zu erhalten. Das Schloss jedoch blieb in Gemeindebesitz und gehört nach der Auflösung des bisherigen Amtes Oder-Welse der Stadt Schwedt.

Neben der Stiftung gibt es eine zweite Gemeinschaft. Der Freundeskreis des Schlosses und des Speichers, der zum Gebäude-Ensemble gehört, verfolgt das Ziel, den Speicher zu einem Begegnungs- und Kulturzentrum auszubauen. Auch die Schlossruine wollen die Mitglieder bewahren. Ein bislang angespanntes Verhältnis beider Parteien dürfte aber eher hinderlich sein. Vonseiten der Stadt als neuer Eigentümer sei außer der Sicherung des Areals auch noch nichts geplant, heißt es auf Nachfrage aus dem Schwedter Rathaus.

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