Goldenes Buch in Angermünde
: Wer hat die Ehre, sich neben den Bundespräsidenten einzutragen?

Angermünde ehrt Bürger für besondere Verdienste mit der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt. Da sind bereits sehr prominente Namen verewigt. Wer wird 2024 ausgezeichnet?
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Gruppenbild nach der Festveranstaltung zur Eintragung ins Ehrenbuch der Stadt Angermünde 2024 im Bürgergarten.

Gruppenbild nach der Festveranstaltung zur Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Angermünde im Bürgergarten mit den Geehrten, Gästen und Bürgermeister Frederik Bewer.

Daniela Windolff

Feinstes Büttenpapier, edler Ledereinband und prominente Namen: In diesem Buch wird eine simple Unterschrift zur höchsten Ehrung, die die Stadt Angermünde zu verleihen hat. Mit der Eintragung in das Goldene Buch werden seit 25 Jahren Menschen gewürdigt, die sich in besonderer Weise um die Stadt verdient gemacht haben, sich herausragend im Ehrenamt engagieren oder als prominente Ehrengäste sich in Erinnerung bringen. Der erste Eintrag aus dem Jahr 1999 stammt vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog anlässlich seines Besuches in Angermünde.

Seitdem haben sich Dutzende ganz unterschiedliche Menschen hier verewigen dürfen, die Spuren in der Stadt und der Stadtgesellschaft hinterlassen haben. Darunter sind bekannte Namen wie der Bildhauer und Begründer des Angermünder Hartgestein-Symposiums Joachim Karbe, die langjährige Vorsitzende der Uckermärkischen Literaturgesellschaft Iris Riesebeck, die Leiterin der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Dorothea Janowski, der Gründer und langjährige Vorsitzende des Greiffenberger Mühlenvereins für den Wiederaufbau der historischen Erdholländermühle.

Zwei Bundespräsidenten unterzeichneten im Goldenen Buch

Auch verdiente Kameraden der freiwilligen Feuerwehr, die Jugendmannschaften des Volleyballclubs nach ihrer erfolgreichen Teilnahme an den Deutschen Volleyballmeisterschaften und auch Ex-Bundespräsident Joachim Gnauck sind hier zu finden.

Nun wird das Goldene Buch der Stadt Angermünde erneut um zwei Seiten gefüllt. Bürgermeister Frederik Bewer zeichnete mit Eintragung in das Goldene Buch 2024 zwei Angermünder für ihr Lebenswerk aus, mit dem sie sich in der Stadt verdient und unvergesslich machten: Gerhard Scholze und Lutz Köhler.

Gerhard Scholze ist das Gesicht von Angermünde Land

Um Gerhard Scholzes Leistungen aufzuzählen und zu würdigen, brauchte Petra Müller als Laudatorin trotz Kurzfassung schon einige Minuten.  Scholze war bis zur Gemeindegebietsreform 2003 Amtsdirektor von Angermünde Land, danach viele Jahre Ortsvorsteher in Frauenhagen, Mitbegründer der Ländlichen Bürgergemeinschaft, Abgeordneter und Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Angermünde und engagierte sich außerdem bis 2019 als Vorsitzender des Dorfvereins Frauenhagen um Kultur, Gemeinschaft und Bewahrung der Dorftraditionen und -geschichte in seinem Heimatort.

Aus gesundheitlichen Gründen musste der 85-Jährige kürzertreten. Seine Nachfolgerin im Dorfverein, Petra Müller, bezeichnet Scholze als „leisen Macher“, der viele Spuren hinterlässt, von der geretteten Dorfgaststätte als Vereinshaus, der Heimatstube, Wohngebieten, neuen Straßen bis zum legendären Traktorentreffen.

Angermünde: Ehrung für ein Lebenswerk

Im Goldenen Buch der Stadt Angermünde erinnert nun auch seine Unterschrift an das Lebenswerk eines bodenständigen, loyalen und zupackenden Gestalters und Kümmerers, der sich ganz besonders um die Interessen und die Integration der Ortsteile im ländlichen Raum verdient gemacht hat.

Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Angermünde: Zu den Geehrten gehört Gerhard Scholze. Ihn würdigen Petra Müller, Vorsitzende des Dorfvereins Frauenhagen, als Einreicher, sowie Bürgermeister Frederik Bewer.

Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Angermünde: Zu den Geehrten gehört Gerhard Scholze. Ihn würdigen Petra Müller, Vorsitzende des Dorfvereins Frauenhagen, als Einreicher, sowie Bürgermeister Frederik Bewer.

Daniela Windolff

Lutz Köhlers Spuren sind unübersehbar in der Altstadt von Angermünde zu finden. Der ehemalige Baudezernent, hatte in der wilden Umbruchzeit nach der Wende mit Visionen, Mut und Weitsicht eine der wohl wichtigsten Entscheidungen für die Zukunft der Stadt getroffen.

Er wollte Angermündes historische Altstadt, 1989/90 eine der verfallensten Innenstädte in Ostdeutschland, sanieren und erhalten, für die bereits Pläne des Komplettabrisses der Innenstadt und Neubau durch Plattenhäuser vorlagen.

Ehrung für den Retter der Altstadt Angermünde

Bürgermeister Frederik Bewer erinnerte in seiner Laudatio an die schwierigen und turbulenten ersten Jahre, an die lange Reise an der Seite der neuen Partnerstadt Lügde in Nordrhein-Westfalen, dessen „Reiseleiter“, der ehemalige Lügder Stadtdirektor Dieter Will, nicht nur die Potenziale von Angermünde unter den bröckelnden grauen Fassaden erkannte, sondern auch tatkräftig Unterstützung, Beratung und Lobbyarbeit leistete.

So wurde Angermünde 1922 als erste Stadt und mit dem damaligen Bürgermeister Wolf-Hugo Just als Vorsitzender in die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen in Brandenburg“ und somit in das damals noch üppig ausgestattete Förderprogramm zur Stadtsanierung aufgenommen.

Mit der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Angermünde wird der ehemalige Baudezernent Lutz Köhler ausgezeichnet. Bürgermeister Frederik Bewer (l.) und der Vorsitzende der SVV und Ex-Bürgermeister Wolfgang Krakow hielten Laudatio und Dankesworte.

Mit der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Angermünde wird der ehemalige Baudezernent Lutz Köhler ausgezeichnet. Bürgermeister Frederik Bewer (l.) und der Vorsitzende der SVV und Ex-Bürgermeister Wolfgang Krakow hielten Laudatio und Dankesworte.

Daniela Windolff

Seitdem sind zweistellige Millionen D-Mark und Euro in die historische Altstadt flossen, auf die inzwischen selbst Lügde wohlwollend neidisch ist. Die Partner der ersten Stunde, Stadtdirektor und Bürgermeister, kamen als Überraschungsgäste zur Ehrung nach Angermünde.

Überraschungsgäste aus der Partnerstadt Lügde

Heute setzt der Angermünder Bürgermeister Frederik Bewer die Tradition als Vorsitzender der AG fort und gemeinsam mit der Stadtverwaltung und SVV eines der erfolgreichsten Stadtentwicklungsprogramme in Brandenburg fort. Fast alle öffentlichen Gebäude, Straßen und Plätze sind saniert und Angermünde ist nun eine der schönsten historischen Altstädte des Landes.

„Die Weichen dazu hatte Lutz Köhler gestellt, damit maßgeblich dazu beigetragen, dass unsere Stadt ihr einzigartiges Erbe bewahren konnte, das für mich auch ein wertvolles Kulturgut ist“, würdigt Bewer in seiner Laudatio. Auch Ex-Bürgermeister Wolfgang Krakow und Lügdes Stadtdirektor Dieter Will ergriffen das Wort, um an den langen, aber sehr erfolgreichen Weg der Stadtsanierung zu erinnern, die für immer mit dem Namen Lutz Köhler verbunden ist. Dieser zeigte sich wahrhaftig gerührt von der hohen Ehrung, betonte jedoch, dass daran auch viele andere Menschen ihren Anteil hatten.