Immobilie bei Schwedt
: Warum das Herrenhaus in Felchow jetzt so gefragt ist

Wie wird das Herrenhaus in Felchow bei Schwedt zum Vorzeigeprojekt? Sanierter Park, intakte Räume und gute Busanbindung treffen auf knappe Mittel.
Von
Charly Schwarz
Schwedt
Jetzt in der App anhören
Das Herrenhaus Felchow ist bereit für neue Aufgaben

Das Herrenhaus Felchow bei Schwedt verbindet Geschichte, Denkmalschutz und neues Dorfleben. Die traditionsreiche Immobilie ist bereit für neue Aufgaben.

Charly Schwarz
  • Herrenhaus Felchow bei Schwedt: saniertes Erdgeschoss, Park und Zuwegung, Nutzung fürs Dorf.
  • Innenräume denkmalgerecht erneuert, Parkett, Türen und Fenster intakt und verbindbar.
  • Park neu angelegt, alter Baumbestand prägt das Ensemble – Bushaltestelle über Pergola gelöst.
  • Haus dient als Vereins- und Eventort, Museum, Versammlungsraum; Hochzeiten finden statt.
  • Mittel knapp, weitere Sanierung offen; Unterhaltungskosten für 2025 knapp 30.000 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für diejenigen, die diesseits der Mauer geboren wurden, bevor diese endlich fiel, sind Slogans wie „Junkerland in Bauernhand“ keine leeren Worthülsen. Schulkinder, die in der ehemaligen DDR zwischen den Schuljahren eine schöne Zeit in Kinderferienlagern verbrachten, waren auch nicht selten in ehemaligen Schlössern, Rittergütern und Gutshäusern untergebracht.

Was früher protzig für die Reichen, die „Ausbeuter“, geschaffen wurde, sollte nun allen zugutekommen. Mangelwirtschaft und fehlender Respekt der neuen Nutzer ließen in 40 Jahren so manches Kleinod jedoch dermaßen verfallen, dass es den Vorbesitzern die Tränen in die Augen trieb.

Nun ist der Mauerfall längst Geschichte, und neue Besitzer – manchmal auch die alten – verwandelten so manche Fast-Ruine wieder in architektonische Schönheiten.

Gebäude als emotionale Orte der Erinnerung

Alte Gebäude sind Orte der Erinnerung. Sie sind identitätsstiftend. Mit ihnen sind Gefühle verbunden, solche und solche. Der Abriss des Palastes der Republik im Osten Berlins war weitaus mehr als ein bloßer Rückbau. Auch der Abriss eines alten Konsums reißt Erinnerungslöcher, die sich schwer stopfen lassen.

So hat der Denkmalschutz eine zutiefst wichtige Aufgabe, auch bezüglich unseres kollektiven Gedächtnisses. Es geht um weitaus mehr als die Erhaltung architektonischer Kleinode.

Ein Schlösschen aus dem 19. Jahrhundert in Felchow

Umso schöner, wenn all das in einem kleinen Dorf bei Schwedt zusammenkommt. In Felchow befindet sich seit seiner Erbauung in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Herrenhaus, manche sagen auch Schloss dazu. Seiner Größe nach ist es eher ein Schlösschen, und in Ermangelung des dazugehörigen Turmes, der in der unmittelbaren Nachkriegszeit abgetragen wurde und dessen Ziegel den Grundstein für so manches Bauernhaus bildeten, sieht es auch nicht so aus.

Die zwar angedachte, aber noch nicht realisierte Fassadensanierung lässt das große Haus leider auch nicht mehr herrschaftlich erscheinen. Aber der äußere Schein trügt, wie so oft.

Sanierung in Felchow mit viel Liebe zum Detail

Betritt man das Innere, wird die Schönheit des Hauses schnell deutlich. Aus Kostengründen sind bisher lediglich Dach und Erdgeschoss saniert, wobei „lediglich“ hier tiefgestapelt ist im Hinblick auf die damit verbundenen Kosten. Das Parkett strahlt in altem Glanze, Türen und Fenster sind intakt und ebenfalls denkmalgerecht wiederhergestellt.

  • Die Räume wurden aufwendig saniert und können für Veranstaltungen gemietet werden.

    Die Räume wurden aufwendig saniert und können für Veranstaltungen gemietet werden.

    Charly Schwarz
  • Die Zuwegung erinnert an verganegene Zeiten.

    Die Zuwegung erinnert an verganegene Zeiten.

    Charly Schwarz
  • Im Schloss Felchow lässt es sich gediegen tafeln.

    Im Schloss Felchow lässt es sich gediegen tafeln.

    Charly Schwarz
1 / 3

Die Räume sind miteinander verbunden, und bei offenen Türen ist die Location auch für größere Veranstaltungen gewappnet. Der Blick in den Garten lässt erahnen, wie es sein würde, wenn die Terrasse auf der Gartenseite wieder errichtet würde. Die Zuwegung ist erneuert, und der angrenzende Park ist denkmalgerecht neu angelegt. Noch ein paar Tage, dann kann er wieder in allen Grüntönen glänzen. Die von der Stadt beauftragte Firma mäht gerade die großen Rasenflächen.

Schloss in Felchow gut an den ÖPNV angebunden

Corina Müller, Pressesprecherin der Stadt Schwedt, spricht von großem Engagement aller Beteiligten, den historischen Charakter wiederherzustellen, ohne den Klimawandel zu vernachlässigen und neue Erkenntnisse zu berücksichtigen. So haben die vielen Buchsbäume von damals in die Gestaltung nicht wieder Einzug gehalten.

Besonders der alte Baumbestand ist prägend und verleiht dem Haus eine würdevolle Umgebung. Die Anbindung des Dorfes mit weniger als 300 Einwohnern an den ÖPNV ist mit stündlicher Taktung außergewöhnlich gut. Das Bushäuschen vor dem Herrenhaus für die Haltestelle direkt davor bekam aus Gründen des Denkmalschutzes keine Zustimmung. Dafür wurde die neue, „alte“ Pergola teilverglast und somit ein guter Kompromiss für die Wartenden bei schlechtem Wetter gefunden.

Wunderschöne Hochzeitslocation in Felchow

Die Stadt Schwedt, zu der Felchow seit einigen Jahren verwaltungstechnisch gehört, hat zum Glück nicht vor, das mittlerweile sehenswerte Haus zu veräußern. Das Herrenhaus mit seinem Gutsgarten ist für die Felchower Vereinshaus, Treffpunkt, Eventlocation, Dorfmuseum, Versammlungsraum und Erinnerungsstätte. Demnächst wollen sich hier Leute zum Dartspielen treffen. Die Scheiben dazu hängen bereits an der Wand.

Bei immer schönerem Wetter lockt es die Felchower auch wieder zu Spaziergängen in den gepflegten, wunderschönen Garten. Hier waren Flüchtlinge untergebracht, gingen Kinder in den Kindergarten, hatten Familien ihr Zuhause. Die damalige Dorfkneipe im ehemaligen Festsaal weckt Erinnerungen an Familienfeste aller Art. Wohl jede Familie im Dorf, die hier schon seit Generationen zuhause ist, verknüpft mit diesem Haus eigene Erlebnisse.

Geld für weitere Sanierungen in Felchow knapp

Bei im Moment immer knapper werdenden Kassen wird die weitere Sanierung des Hauses wohl auf sich warten lassen müssen. Melanie Trester vom Gebäudemanagement der Stadt Schwedt beziffert allein die Unterhaltungskosten des Hauses für 2025 auf knapp 30.000 Euro inklusive einiger Sanierungsmaßnahmen wie etwa die Aufarbeitung des Parketts. Mieteinnahmen fließen an die Stadt zurück.

Aus dem Dornröschenschlaf ist das Haus jedoch längst erwacht, so Ortsvorsteherin Kerstin Ramin voller Stolz. Heute fungiert das Haus als Mittelpunkt des Dorflebens. Hier wurden bereits wieder große Hochzeiten gefeiert. Die Kirche nebenan beherbergt eine wohlklingende kleine Wagner-Orgel, die sogar schon zum Uckermärkischen Orgelfrühling ertönen durfte.

Da ist es nicht verwunderlich, dass sich mittlerweile auch Hochzeitsgesellschaften aus der weiteren Umgebung angemeldet haben. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall.

Infos zur Vermietung der Location gibt es bei der Ortsteilmitarbeiterin Frau Susanne Stier, Telefon: 03332-446558.