Veeh-Harfe spielen in Angermünde: Was das Instrument ausmacht ‒ die "Harfenmädels" berichten

Die "Harfenmädels" aus Angermünde sind eine Gruppe von Senioren, die gemeinsam auf der Veeh-Harfe Musik machen.
Daniela WindolffDass Musik nachweislich gegen Demenz und Einsamkeit hilft, ist belegt. Dass sie Freude und Spaß macht, ebenso. In Angermünde beweisen das Senioren, die eine ungewöhnliche Musikgruppe mit weitgehend noch unbekannten Instrumenten gründeten. Sie nennen sich die „Harfenmädels“, denn sie spielen Harfe, genauer gesagt „Veeh-Harfe“.
Dieses Instrument ist relativ unbekannt und sehr besonders. Jetzt feiern die "alten Mädels" Jubiläum und planen fröhlich in die Zukunft. Kein Wunder: Altwerden kann man auch mit Freude im Herzen, und die empfinden die zehn Seniorinnen, die sich jede Woche zum Üben und Musizieren in Angermünde treffen, immer wieder. Und das seit 10 Jahren.
„Die Gemeinschaft ist das Schönste. Und das selber Musizieren hält geistig fit, denn Hände und Kopf, Kommunikation und natürlich Herz, werden gefordert“, erzählt Gerda Klose begeistert. Sie ist mit 88 Jahren die älteste der Gruppe und von Anfang an dabei.
Das war vor genau 10 Jahren im April 2014, als sich in Angermünde die Veeh-Harfen-Gruppe gründete, initiiert von Christine Mansfeld vom Seniorenbeirat der Stadt. Sie hatte von einem ähnlichen Projekt in Eberswalde erfahren und wollte es in Angermünde ausprobieren. Mit Erfolg und Unterstützung des damaligen Bürgermeisters von Angermünde, Wolfgang Krakow.
Vor zehn Jahren kamen die Veeh-Harfen nach Angermünde
Den Aufruf nach Interessenten erhörten viele, unter ihnen auch Inge Pieske. „Es macht einfach so viel Spaß und wir schenken uns nicht nur gegenseitig, sondern auch vielen anderen Menschen Freude.“
Die „Harfenmädels“ sind seit 10 Jahren wie eine Familie zusammengewachsen, machen Musik, halten sich fit mit immer neuen Stücken, die Konzentration, Kommunikation, Fingerfertigkeit, Rhythmusgefühl und soziale Geselligkeit fördern, alles, was nebenbei den geistigen und motorischen Abbau im Alter bremst.
Daran denken die "Harfenmädels" nur ab und zu, wenn sie zum Beispiel in Seniorenheimen oder in der Rehaklinik Wolletz vor alten oder schwerkranken Menschen auftreten und sehen, wie ihr Publikum aufblüht, mitschunkelt, mitsingt. Auch in Dorfkirchen oder bei Festen sind sie zu Gast und reisten schon zwischen Eberswalde und Prenzlau herum.
Allerdings sind seit Corona die Auftritte weniger geworden, bedauern die Harfenspielerinnen und würden gern öfter spielen. "Wir sind selbst Senioren und machen Musik überwiegend für Senioren. Es ist so erfüllend, das zu erleben und wir beziehen die Zuhörer auch aktiv ein, lassen sie Lieder erraten oder bieten Stücke zum Mitsingen", erzählt Inge Pieske.
Pikante Verwechslung mit "leichten" Damen
Mit dem Namen „Harfenmädels“, der sich nach ihrer Ansicht leichter merken lässt, als Veeh-Harfen-Musik-Gruppe, erlebten die Damen auch schon einige pikante Versprecher. „Wir hatten mal den Bürgermeister eingeladen. Der Sohn überhörte dabei das R im Namen und verstand nur ,Hafenmädels“. Darauf erwiderte er etwas irritiert: Sie wissen schon, dass mein Vater verheiratet ist!“, erinnern sich die Frauen schmunzelnd.
Das Repertoire, das sich mit den sanften, manchmal fast meditativen Klängen der Veeh-Harfen spielen lässt, reicht vom Schunkellied, über Volksweisen, Klassik bis zu irischer Folklore. Musikalische Vorkenntnisse braucht man nicht, nur etwas Rhythmusgefühl, Übung und Lust, alles andere lernt man schnell in der Gruppe.
„Veeh-Harfe kann jeder spielen“, ermuntert Angela Heidschmidt, die mit 64 Jahren das jüngste „Harfenmädel“ ist. „Wir sind eine tolle Truppe und unternehmen auch gemeinsame Ausflüge neben den Proben und Konzerten, bei denen auch immer viel erzählt und gelacht wird.“
Veeh-Harfe
- Mit dem großen Orchesterinstrument Harfe hat eine Veeh-Harfe nur den Klang, der sehr viel sanfter ist, und das Zupfen auf den Saiten gemein.
- Der Name rührt vom Erfinder her. Der Landwirt Hermann Veeh (1935–2020) aus Gülchsheim in Mittelfranken entwickelte dieses Instrument nach dem Vorbild einer Kastenzither und konzipierte dazu eine spezielle, vereinfachte Notenschrift für seinen Sohn mit Down-Syndrom.
- Daraus ist eine eigene Fabrikation und Marke entstanden.
- Die originalen Veeh-Harfen werden im fränkischen Hemmersheim, im Ortsteil Gülchsheim hergestellt und gern in der Arbeit mit Senioren und behinderten Menschen verwendet.
„Als wir unser Projekt 2014 in Angermünde starteten, konnten wir mit den bescheidenen Mitteln des Seniorenbeirates von 2.000 Euro im Jahr für die gesamte Seniorenarbeit diese Harfen nicht anschaffen, denn eine kostete schon damals rund 1.400 Euro plus Notenmaterial“, erinnert sich Christine Mansfeld.
Doch die durch Sponsoring und Unterstützung der Stadt konnten Veeh-Harfen auf Leasing-Basis angeschafft werden, die die Harfenmädels für 15 Euro im Monat mieteten. „Wir haben uns aber bald unsere eigenen Instrumente gekauft. Die Familien haben zusammengelegt oder als Weihnachtswunsch was gegeben oder erspart“, erzählt Gerda Klose.
Veeh-Harfen-Gruppe sucht Mitstreiter
Wer bei den Veeh-Harfen einsteigen will, für den steht jedoch auch ein Leihinstrument zur Verfügung, betont Leiterin Jutta Hübner, denn die Gruppe, sucht Nachwuchs.
Einmal in der Woche, immer dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr, üben die „Harfenmädels“ im AWO-Seniorenheim am Stadtwall in der Jägerstraße, wo sie kostenlos Räume nutzen können und sich mit kleinen Konzerten revanchieren. Der nächste große Auftritt der „Harfenmädels“ beim Angermünder Stadtfest am 14. Juni 2024 im Konzert der Angermünder Chöre in der Marienkirche.



