Jugend in Angermünde
: Bauwagen statt Bushaltestelle, was junge Leute sich wünschen

In den Ortsteilen von Angermünde gibt es keine Jugendklubs. Das will die Stadt ändern und lädt zu Pizza und Talk statt Kiffen im Park. Das steckt dahinter.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Was wünschen sich junge Leute in den Ortsteilen von Angermünde? Bei den neuen Gesprächsrunden "Pizza & Talk" können Kinder und Jugendliche Wünsche und Kritiken anbringen. In Greiffenberg gestalteten sie eine Pinnwand mit Emoji-Symbolen.

Was wünschen sich junge Leute in den Ortsteilen von Angermünde? Bei den neuen Gesprächsrunden „Pizza & Talk“ können Kinder und Jugendliche Wünsche und Kritiken anbringen. In Greiffenberg gestalteten sie eine Pinnwand mit Emoji-Symbolen.

Justine Schmidt
  • Angermünde startet „Pizza & Talk“: Jugendliche 10–18 äußern Wünsche bei Pizza und Drinks.
  • Themen: fehlende Treffpunkte, schlechte Busverbindungen, unbeleuchtete Wege, Sicherheit.
  • Greiffenberg: Wunsch nach Jugendklub, Sitzplätzen, Volleyballnetz, Boxsäcken, Graffiti-Wänden.
  • Dobberzin: Treffpunkt, Partys, Schwimminsel, Bänke, Supermarkt, Sport ohne Verein, Snackautomaten.
  • Vorschläge: Jugendraum in Ex-Sparkasse Greiffenberg, Bauwagen als Treffpunkte; nächste Runde im März/April 2026.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Zeiten von Dorf-Discos, Kulturhäusern und Jugendtreffs auf dem Land sind lange vorbei. In vielen Ortsteilen von Angermünde herrscht „tote Hose“ für junge Leute. Es gibt keine Schulen mehr, keine Dorfkneipen, und bis auf die Jugendfeuerwehr oder den Sportklub sind viele Vereine überaltert. Jugendtreffs und Jugendräume wurden meist wieder geschlossen wegen Personalmangel und Vandalismus.

Der einzige Jugendklub in Angermünde liegt in der Stadt: das Jugendkulturzentrum „Alte Brauerei“, kurz „Braue“. Doch dahin fahren nach Schulschluss, an den Wochenenden oder in den Ferien kaum Busse. Die Dorfjugend fühlt sich abgehängt.

Die Folge: Viele Jugendliche hängen zu Hause vor PC und Playstation ab oder lungern an öffentlichen Plätzen herum. Die Bushaltestelle wird zum Treffpunkt, Langeweile verleitet zu Blödsinn. Vandalismus, Graffiti-Schmierereien an Häuserwänden, Ruhestörungen, Alkohol- und Drogenkonsum sind die schlimmsten Auswüchse, mit denen sich Ortsvorsteher auseinandersetzen müssen.

Gibt es einen Ausweg? Wie kann man junge Menschen in den Dörfern erreichen und sinnvolle Freizeitangebote schaffen, die sie wirklich nutzen? Das ist auch ein wichtiges Thema auf dem Weg zur kinderfreundlichen Kommune, den Angermünde beschreitet.

Angermünde lädt junge Leute zu lockeren Gesprächen und Pizza ein

Die designierte Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Angermünde, Justine Schmidt, stellte im Fachausschuss für Kultur, Bildung und Soziales der Stadtverordnetenversammlung ihr Konzept für ein neues Begegnungs- und Beteiligungsformat für Kinder und Jugendliche in den Ortsteilen vor. Der Titel ist nicht nur eingängig, sondern Programm: „Pizza & Talk“.

Justine Schmidt erklärt, was sich dahinter verbirgt: „Mit dem Format ‚Pizza & Talk‘ möchten wir Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren in den Ortsteilen eine unkomplizierte Möglichkeit geben, ihre Ideen, Wünsche und Anliegen einzubringen. Um das Ganze etwas aufzulockern, gibt es für alle Getränke und natürlich Pizza. Dazu wurden alle Jugendlichen persönlich eingeladen und konnten sich einfach per QR-Code anmelden.“

Miteinander reden und zuhören, das ist das Anliegen des neuen Formates "Pizza & Talk" in Angermünde. Wie hier in Greiffenberg wurden Kinder und Jugendliche in den Ortsteilen eingeladen, um in lockerer Runde ihre Wünsche und Kritiken zu äußern.

Miteinander reden und zuhören, das ist das Anliegen des neuen Formates „Pizza & Talk“ in Angermünde. Wie hier in Greiffenberg wurden Kinder und Jugendliche in den Ortsteilen eingeladen, um in lockerer Runde ihre Wünsche und Kritiken zu äußern.

Justine Schmidt

Es ist ein Angebot für einen freiwilligen, offenen Austausch in lockerer Atmosphäre. Dabei können die jungen Leute über alles reden, was sie in ihrem Heimatort bewegt, was sie sich wünschen, wo sie Probleme sehen, was in ihrem Dorf entwickelt werden müsste, damit sie sich wohlfühlen und eine Perspektive sehen, erklärt die Projektverantwortliche.

Was junge Menschen in Angermünde bewegt

Die Themen reichen von Mobilität über Freizeitangebote, Mitsprache bis zu Ordnung und Sicherheit. „Wir sammeln alle Fragen, Kritiken, Wünsche und Anregungen und werten das mit den Fachbereichen der Stadtverwaltung sowie mit den Ortsbeiräten und dem Kinder- und Jugendbeirat aus“, erklärt Justine Schmidt. Wichtig sei es ihr, den Jugendlichen regelmäßig ein Feedback über die Ergebnisse und weitere Gesprächsangebote zu geben.

Die ersten Pizza & Talk-Treffen fanden in den Ortsteilen Greiffenberg und Dobberzin statt. Viele Kritiken und Wünsche junger Menschen auf dem Land ähneln sich, andere sind sehr individuell.

So beklagen sie sich über fehlende Treffpunkte und Orte zum Chillen auch bei schlechtem Wetter. Sie kritisieren unbeleuchtete Wege und unzureichende Busverbindungen, vor allem in den Ferien. Sie wünschen sich mehr Freizeitmöglichkeiten vor Ort. Dafür haben die Kinder und Jugendlichen sehr konkrete Vorstellungen.

Jugend in Greiffenberg wünscht sich einen Jugendklub

So wünscht sich die Jugend in Greiffenberg einen Jugendklub wie die Angermünder Braue in ihrem Ortsteil. Sie wünschen sich unter anderem mehr Sitzplätze und ein Volleyballnetz am Peetzigsee, Boxsäcke, Basketballfeld und Tischtennisplatten auf dem Sportplatz, einen öffentlichen Bücherschrank und Graffiti-Wände.

Sie fordern eine überdachte Bushaltestelle an der Bruhn-Grundschule Angermünde, die viele Greiffenberger Kinder besuchen, und regen ein Fitnessstudio im Rewe-Markt Angermünde an. Die jungen Greiffenberger loben, dass der Rubus gut funktioniere, das Angebot aber bei vielen Jugendlichen kaum bekannt sei.

Jugend in Dobberzin wünscht sich einen Supermarkt im Dorf

Die Jugend in Dobberzin wünscht sich ebenfalls einen eigenen Treffpunkt und nicht nur Kinderfeste, sondern auch Partys für Jugendliche. Als Vorteil sehen sie die unmittelbare Nähe ihres Ortes zur Stadt Angermünde. So können sie viele Angebote in Angermünde gut nutzen.

Was sie an Dobberzin lieben, ist die Natur, die direkte Lage am Mündesee mit vielen Angel- und Badestellen und der Radweg an der B 2 nach Angermünde. Allerdings wünschen sie sich hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h und Beleuchtung. Im Mündesee müsste es eine Schwimminsel und am Ufer mehr Bänke geben. Zudem wünschen sie sich in Dobberzin einen Supermarkt, Sportangebote ohne Vereinsbindung und an den Schulen Snackautomaten.

Justine Schmidt nimmt alles auf. „Die Jugendlichen wissen, was sie brauchen, man muss ihnen nur zuhören“, betont die Kinder- und Jugendbeauftragte in spe. „Angermünde soll ein Ort werden, wo sich junge Menschen ernstgenommen und wohlfühlen, sodass sie nach Ausbildung oder Studium gern wieder zurückkehren“, betont Justine Schmidt, selbst eine Rückkehrerin aus dem Ortsteil Wilmersdorf.

„Pizza & Talk“ wird in allen Angermünder Ortsteilen angeboten

Perspektivisch sollen alle Jugendlichen in den Ortsteilen in diesem Jahr einmal zu „Pizza & Talk“ eingeladen werden. Dazu sollen auch die Ortsbeiräte eingebunden werden, um den direkten Austausch zu stärken. Die nächste Runde ist im März/April 2026 geplant, der genaue Ort steht noch nicht fest. Gleichzeitig dient das Format dazu, neue Mitglieder für den Jugendbeirat zu gewinnen.

Justine Schmidt hat auch eigene Vorschläge: So könnte in der leer gezogenen ehemaligen Sparkasse Greiffenberg nicht nur ein Begegnungshaus für  Senioren, sondern auch ein Jugendraum eingerichtet werden. Zudem schlägt sie vor, in den Ortsteilen Bauwagen als Treffpunkt für Kinder und Jugendliche aufzustellen.

Interessierte Jugendliche können sich direkt bei der Kinder- und Jugendbeauftragten Justine Schmidt melden oder über den Instagram-Account des Jugendbeirates @jugendbeirat_angermuende.

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