Freizeit in Angermünde
: Jugendklub „Braue“ schreibt rote Zahlen und fordert mehr Geld

Der einzige Jugendklub in Angermünde ist in finanzieller Not. Die Stadt soll aus der Krise helfen. Was ist die Ursache und was bietet der Klub jungen Menschen?
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Das Jugendkulturzentrum „Alte Brauerei“ in Angermünde soll 2023 ausgebaut werden. Dafür wurde nun Geld bei der Stadt beantragt. Wofür wird dieses genutzt?

Das Jugendkulturzentrum "Alte Brauerei" in Angermünde wird 2023 asugebaut.

Das Jugendkulturzentrum „Alte Brauerei“ in Angermünde ist der einzige Jugendklub in der Stadt. Doch er hat ein erhebliches finanzielles Defizit.

Daniela Windolff
  • Jugendklub „Alte Brauerei“ in Angermünde mit Finanzdefizit; einziger Klub der Stadt.
  • Zuschuss stieg seit 2023: 130.250 Euro auf 147.680 Euro für 2026; reicht nicht.
  • Defizit 2025: 22.882 Euro; 2026 Fehlbetrag rund 30.000 Euro prognostiziert.
  • Betreiber ABW beantragt Zuschusserhöhung 2025/2026 um jeweils 22.900 Euro.
  • Breites Angebot von Musikstudio bis Prävention; AfD kritisiert, Stadtverordnete entscheiden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Sportraum können Jugendliche Billard spielen, im Foyer-Café in den Sofas klönen und quasseln, im modernen Musik- und Tonstudio können Bands proben oder Solosänger eigene Songs aufnehmen oder im neuen Medienraum unter Anleitung eigene Podcasts und Videos produzieren. Das Jugendkulturzentrum „Alte Brauerei“ in Angermünde ist seit vielen Jahren ein Treffpunkt für junge Leute mit verschiedenen Freizeit- und Kulturangeboten. Und er ist der einzige Jugendklub in der Stadt.

Hier finden Theater- und Filmprojekte mit Schülern statt, gibt es offene Tanz- und Musikveranstaltungen, Graffitiworkshops, Podiumsdiskussionen zu verschiedenen Themen, die U16-Wahl, Lesungen, Sportturniere und vieles mehr.

Das lässt sich die Stadt Angermünde etwas kosten. Das Gebäude wurde in den vergangenen Jahren komplett saniert und 2025 das 2. Obergeschoss nutzbar gemacht und neu eröffnet. Außerdem zahlt die Stadt für das Jugendkulturzentrum, in Angermünde kurz „Braue“ genannt, einen jährlichen Zuschuss für den Betrieb. Dieser wurde seit 2023 jährlich erhöht und stieg von 130.250 Euro inzwischen auf 147.680 Euro für das Jahr 2026. Doch das Geld reicht nicht.

Jugendkulturzentrum Angermünde hat Defizit

2025 schloss das Jugendkulturzentrum mit einem Defizit von 22.882 Euro ab. 2026 wird ein Fehlbetrag von rund 30.000 Euro prognostiziert. Deshalb hat der Betreiber, das Angermünder Bildungswerk (ABW), einen Antrag bei der Stadt Angermünde auf Erhöhung des Zuschusses für 2025 und 2026 um jeweils 22.900 Euro gestellt. Das entspricht insgesamt einer Gesamtsumme von 45.800 Euro.

Ursachen der Fehlbeträge sei die deutlich über den bisherigen Prognosen liegende Entwicklung der Personal- und Betriebskosten. „Insbesondere die tariflichen Anpassungen, die deutlich gestiegenen Mindestlöhne sowie die allgemeinen Preissteigerungen bei Energie, Versicherungen, Instandhaltung und Verbrauchsmaterialien führen zu erheblichen Mehrbelastungen im laufenden Betrieb“, begründete ABW-Geschäftsführerin Susann Löscher ihren Antrag.

Das Jugendkulturzentrum „Alte Brauerei" ist die einzige Einrichtung der offenen Jugendarbeit in der Stadt und übernimmt damit eine zentrale Aufgabe im Bereich der Jugendhilfe und Jugendkulturarbeit. Es bietet jungen Menschen einen verlässlichen, niedrigschwelligen und pädagogisch begleiteten Raum zur Begegnung, zur kulturellen Entfaltung, zur Mitbestimmung und zur persönlichen Entwicklung. Überdies leistet es einen wichtigen Beitrag zur Prävention, Integration und sozialen Teilhabe, heißt es in dem Antrag.

Betreiber der „Braue“ ist das Angermünder Bildungswerk

Seit 1994 bietet die „Braue“ vielfältige Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. 2015 vereinbarte die Stadt Angermünde die Zusammenarbeit mit dem Angermünder Bildungswerk als Betreiber, der hier seine fachlichen Kompetenzen und Erfahrungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit einbringt.

Das Jugendkulturzentrum "Alte Brauerei" in Angermünde ist im Februar 2025 als JIM-Standort in Brandenburg ausgezeichnet worden. Florian Kerkau vom Landesfachverband Medienbildung Brandenburg übergibt die Urkunde an Kerstin Ebert vom Träger ABW und Jugendklubleiter Uwe Harnisch-Tornow (v.l.n.r.).

Das Jugendkulturzentrum "Alte Brauerei" in Angermünde ist im Februar 2025 als JIM-Standort in Brandenburg ausgezeichnet worden. Florian Kerkau vom Landesfachverband Medienbildung Brandenburg übergibt die Urkunde an Kerstin Ebert vom Träger ABW und Jugendklubleiter Uwe Harnisch-Tornow (v.l.n.r.).

Daniela Windolff

Sechs qualifizierte Mitarbeiter sind hier in Teilzeit beschäftigt. Sie sind Sozialarbeiter, Medienpädagogen, Handwerker, Eventmanager, Betriebswirtschaftler, vor allem aber Ansprechpartner, Vertrauenspersonen und Begleiter für junge Leute, die ihnen helfen, Orientierung zu geben, Werte zu vermitteln und sinnvolle Betätigung zu ermöglichen. Hohe Ansprüche und für das Team der Braue jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung.

„Wir arbeiten ständig an neuen Ideen und Projekten, um unsere Attraktivität für verschiedene Altersstufen und Zielgruppen zu erhöhen, aber wir werden nie alle erreichen. Es gibt Jugendliche, die wünschen sich einen anderen Treffpunkt ohne Kontrolle“, räumt der Leiter des Jugendkulturzentrums, Uwe Hanisch-Tornow, ein. Kritik gab es deshalb im Bildungs- und Kulturausschuss von der AfD-Fraktion, die die Braue nicht als Jugendklub für alle sieht, weil sie von vielen Jugendlichen abgelehnt werde.

Kritik aus der AfD: Braue ist kein Jugendklub für alle

In der Braue achte man streng auf den Jugendschutz, zum Beispiel beim Rauchen, bei Alkohol, auf Gewaltfreiheit und Wertschätzung, erklärt deren Leiter Uwe Hanisch-Tornow. „Wir bieten jungen Menschen einen geschützten Raum mit professioneller Betreuung. Wer das nicht will, sucht sich andere Orte.“ In Angermünde war das lange der Rewe-Markt und ist es noch immer die Mündeseepromende und der Friedenspark, was in der Vergangenheit zu vielen Problemen mit Ruhestörung, Alkohol und Vandalismus führte.

Ein Problem sei es, Kinder und Jugendliche aus den Ortsteilen zu erreichen. Hindernisse seien unter anderem Mobilität, Busfahrzeiten und Cliquenbildung, so der Braue-Leiter. Einige Schüler überbrücken in der Braue Freistunden oder Wartezeiten, andere kommen regelmäßig, um ganz gezielt Angebote zu nutzen oder ihrem Hobby zu frönen.

Neue Musik-AG und Spieleabende in der Braue Anermünde

Neue Angebote für junge Besucher sind unter anderem die Musik AG, eine Dart AG, Spieleabende, kreative Möglichkeiten im Tonstudio und im Medienraum, Angebote für Schulen und Eltern in Sachen gesunde Ernährung, Medienkompetenz und Suchtprävention und Ferienangebote in Kooperation mit der Puschkin-Grundschule.

Geplant sind auch Projekte für Siebdruck und Mediendesign sowie Theaterpädagogik. Beliebte Veranstaltungen wie die Lesebühne in Zusammenarbeit mit der Uckermärkischen Literaturgesellschaft, das Braue Beach-Festival in Kooperation mit dem Volleyballclub Angermünde, Braue-Quiz, Braue Rave, Poetry Slam, Kinder machen Kurzfilm mit Grundschulen, Konzerte und Disco für verschiedene Altersgruppen.

Weniger offensichtlich ist die Jugendsozialarbeit, von Streetwork bis zum Zuhören und zur Beratung bei Sorgen und Problemen junger Menschen. Dafür sind qualifizierte Mitarbeiter unverzichtbar, betont Uwe Hanisch-Tornow. Die kosten Geld.

Ohne Zuschusserhöhung drohe die Gefahr, befristete Arbeitsverträge zu kündigen und Angebote und Öffnungszeiten zu reduzieren. Über den Antrag des ABW müssen die Stadtverordneten entscheiden.