Schloss Felchow bei Schwedt: Vergessenes Juwel der Uckermark war mehr als ein Herrschaftssitz
Das uckermärkische Dorf Felchow verbirgt eine faszinierende Geschichte, die bei einem Spaziergang oft übersehen wird. Das Schloss Felchow, einst ein ländlicher Herrschaftssitz, präsentiert sich heute bescheiden und in die Jahre gekommen. Unbewohnt, doch nicht ungenutzt.
Dabei zeigen alte Zeichnungen und Fotos ein ganz anderes Bild des einstigen Herrschaftssitzes. Ursprünglich teilte sich die alte brandenburgische Adelsfamilie von Stotz in Felchow im 16. und 17. Jahrhundert den Besitz unter anderem mit bedeutenden Persönlichkeiten wie der Kurfürstin Dorothea und später dem Markgrafen Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt.
Besitz wechselt zur Familie Winterfeld
Als Valentin von Stotz im frühen 18. Jahrhundert alle anderen Besitzanteile aufkauft, entstand ein erstes Herrenhaus. Genauere Angaben zur Größe und Aussehen ließen sich nicht finden, vermutet wird, dass es dem Neubau weichen musste. Um 1840 kaufte Carl Detlef von Winterfeld auf Kutzerow die Herrschaft Felchow und übergab diese zwei Jahre später seinem Sohn Reinhold, der sich zu einem Neubau entschied, der von August Stüler entworfen wurde. Stüler, ein Schüler Karl Friedrich Schinkels, hatte sich in der Zeit in der Uckermark einen Namen gemacht. Nach seinen Entwürfen entstanden ähnlich repräsentative Herrenhäuser in Arendsee, Blumberg oder auch Boitzenburg.
Turm verkörpert den Schlosscharakter
In Felchow wurde aber ein Schlossbau in Auftrag gegeben. Ein Turm konnte als Akzent den Charakter eines Schlosses unterstützen. Dieser hat die Zeit jedoch nicht überdauert. Nicht der Krieg, dem viele gleichartige Bauten zum Opfer wurden, besiegelte dessen Schicksal, sondern vielmehr die Wertung als Machtsymbol durch die russische Kommandantur führt 1946 zum Abriss des Turms. Zum einen galt er als Zeichen der Gutsherrschaft, die überwunden werden sollte, zum anderen benötigten die Menschen schlichtweg Baumaterial und nutzten ihn als Steinbruch. Längst kein Einzelschicksal auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, wo gerade nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der neuen Staatsgründung einstige Herrenhäuser abgerissen oder zu Funktionsbauten umfunktioniert wurden.

Eine alte Ansicht aus der Sammlung des Ortschronisten Richard Golchert zeigt das Schloss Felchow mit dem Turm, der 1946 abgerissen wurde.
Repro: Oliver VoigtHerrenhaus ist Teil der Gutsanlage
Solange das Herrenhaus von der ehemaligen Gutsherrenfamilie bewohnt war, gehörte das Gebäude, das im Stile einer toskanischen Villa errichtet worden ist, zu einem großen Gut. In Richtung Schwedt zogen sich weitreichende Stallungen, die 1945 einem verheerenden Feuer zum Opfer fielen.
„Das Gut befand sich von 1842 bis 1945 im Besitz der Familie von Winterfeld“, erklärt der Felchower Ortschronist Richard Golchert. Nach 1945 musste die Familie das Schloss verlassen. Verwunden haben sie das nicht. „Auf dem Treck nahmen sie sich das Leben“, so Golchert. Der Felchower weiß auch, dass von 1945 bis 1946 in den Kellerräumen des Schlosses viele Vertriebene aus den Ostgebieten untergebracht waren. Der Keller war damals trocken. „Rings um das Haus geht ein gewölbter Gang, dessen Sohle tiefer liegt als der Kellerfußboden. So wurde die vorhandene Feuchtigkeit abgeleitet Richtung Teich und weiter in den Park. Beim Bau der Umgehungsstraße wurde jedoch zuerst der Teich zugeschüttet, sodass das Wasser nicht mehr ablaufen konnte.“

Der kleine Schlossteich wurde fast vollkommen zugeschüttet, nun muss ich das Gemäuer des erhöhten Grundwasserspiegels erwehren.
Oliver VoigtObere Etage von Familien bewohnt
Zu DDR-Zeiten erfolgte eine vielfältige Nutzung des Felchower Herrensitzes. Im Festsaal gab es eine Kneipe. Gleich nebenan eine Weinstube. In Richtung Park war im Gebäude eine Kinderkrippe untergebracht. Für ganz kurze Zeit dienten einige Räume auch als Kindergarten. Die gesamte obere Etage war durch mehrere Familien bewohnt.
„1967 gab es im November einen schweren Sturm, der das gesamte Dach beschädigte. Dachhaut samt Schornsteinen sind in den Park geflogen“, erinnert sich Richard Golchert. Außerdem wurde der Mittelteil aufgemauert, um weiteren Wohnraum zu schaffen, Wohnungen seien daraus aber nie geworden. Nach der Wende wurde das Haus schrittweise frei gezogen.
Stiftung scheitert an mangelnden Finanzen
1996 pachtete die Berliner Bettina-von-Arnim-Stiftung das Haus. Dort sollte eine internationale Schülerbegegnungsstätte entstehen, in der unter der Mitwirkung der Jugendlichen selbst dem denkmalgeschützten Bau zu neuem Glanz verholfen werden sollte. Im Jahr 2000 scheiterte das Projekt aus Finanzgründen.
2013 entging das Gebäude nur knapp einer Katastrophe, als in Felchow ein Wohnwagen abgebrannt war, der hinter dem Schloss parkte und die Feuerwehr trotz ihres schnellen Einsatzes ein teilweises Übergreifen der Flammen auf das Herrenhaus nicht verhindern konnte. Dabei hatte die Fassade des Schlosses in der Hitze stark gelitten, zwei Fenster waren komplett durchgebrannt, acht insgesamt kaputt.
Umbau zur provisorischen Kindertagesstätte geplant
2019 ging die Gemeindevertretung noch mit dem Gedanken schwanger, das Schloss Felchow zur provisorischen Kindertagesstätte umzubauen, doch hohe Kosten und eine nur vorübergehende Betriebsgenehmigung ließen das Projekt scheitern.
Heute zeigen sich Besucher begeistert vom großen Festsaal mit Parkettboden, der auch eine sehr schöne Kulisse für Musikliebhaber bietet. Kein Wunder, dass sich auch das ganzjährige Festival „Kulturfestspiele Schlösser und Gärten der Mark“, das als private Konzertreihe entstand, bereits diesen besonderen Spielort aussuchte, um vor allem bei jungen Menschen Interesse und Engagement für die kulturellen Schätze auf dem Land zu wecken.

Blick von der Empore in den großen Festsaal im Erdgeschoss
Oliver VoigtHohe Sanierungskosten machen Schloss zum Sorgenkind
So prachtvoll das Herrenhaus einst auch gewesen ist, heute ist es ein Sorgenkind der Stadt Schwedt. Denn mit der Gemeinde Schöneberg kam auch das „Schloss Felchow“ in den Besitz der Kommune. Das Dach ist neu gedeckt, sodass das Herrenhaus noch viele weitere Jahrzehnte überstehen kann. Im Inneren erinnert immerhin das Erdgeschoss noch ein wenig an die einstige Pracht, im Obergeschoss dagegen fehlen zum Teil Decken und Wände, eine Sanierung würde hohe Investitionskosten nach sich ziehen. Da zwischenzeitlich, infolge des zugeschütteten Schlossteichs, der Grundwasserspiegel gestiegen ist, ist der Keller feucht. Dort unten lässt sich das alte Gewölbe noch gut erkennen. Aber auch die Wände sind bereits von der Feuchtigkeit durchzogen. Langfristig müssen Maßnahmen ergriffen werden. Eine Nutzung durch Dorfverein und Gemeindevertretung reicht nicht aus, auch die gelegentliche Vermietung als Eventlocation generiert nicht ansatzweise die Einnahmen, die eine Sanierung benötigt.

Rundbögen kennzeichnen den Keller des Felchower Schlosses, der heute mit der Feuchtigkeit zu kämpfen hat.
Oliver Voigt



