Es ist die Würdigung seines Lebenswerkes: Jürgen Polzehl, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Schwedt, ist mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet worden. Es ist die höchste Ehre, die die Sozialdemokraten zu vergeben haben. Polzehl nahm die Medaille in Gegenwart seiner Nachfolgerin Annekathrin Hoppe (SPD) und des SPD-Landtagsabgeordneten für Schwedt, Mike Bischoff, entgegen.
Polzehl hatte 2005 die Wahlen gewonnen und war damit Nachfolger von Peter Schauer geworden, der die Industriestadt nach der Wende durch schwere Zeiten mit mutigen Entscheidungen auf Kurs gebracht hat. Unter Schauers Regentschaft startete der Stadtumbau, der Schwedt weltberühmt gemacht hat. Ein ganzes Wohnquartier verschwand seinerzeit, weil die Menschen der Stadt nach der Wende den Rücken gekehrt hatten.

Frank Bretsch hält Laudatio für Polzehl

Die Laudatio hielt der erste Beigeordnete der Kreisverwaltung in der Uckermark, Frank Bretsch: „Als Nachfolger des Volkstribuns Peter Schauer hat Jürgen etwas getan, was sich zunächst kaum jemand vorstellen konnte“, sagte er beim SPD-Frühjahrsempfang im Wein- und Teehaus Klaus Gotzmann in Prenzlau. Polzehl sei in große Fußstapfen getreten, habe sie ausgefüllt – und auch hinterlassen.
Polzehl hat eine für die heutige Zeit typische Schwedter Karriere durchlaufen. Aufgewachsen noch jenseits der Stadtbrücke, begann der „Schwedter Jung“ seine berufliche Laufbahn bei PCK und wechselte schließlich in die Stadtverwaltung. Dort war er unter Peter Schauer zunächst als Wirtschaftsförderer tätig.

Perspektiven für Schwedt

Genau diese Erfahrung und auch diese Kompetenz ließen ihn schon zu Beginn seiner Amtszeit den Weitblick haben, für Schwedt neue Perspektiven zu schaffen, führte Laudator Bretsch aus. So gebe es heute rund 80 Kontraktoren auf dem Werksgelände von PCK. Polzehl habe stets die Weiterentwicklung des Industriestandortes Schwedt im Blick gehabt – auch mit dem Wissen, dass das Geschäft mit dem Öl endlich sei. Damit habe er der Stadt stets eine Perspektive erhalten.
„Jürgen Polzehl ist mit Leib und Seele Schwedter und Uckermärker“, sagte Bretsch. So sei es ihm auch gelungen, den Nationalpark Unteres Odertal näher an die Stadt zu rücken – und meint damit, dass es dem ehemaligen Stadtoberhaupt gelungen sei, die kritischen Stimmen gegenüber dem Naturschutzprojekt mit dem Park zu versöhnen.

„Denkmal im Herzen der Menschen“

Bretsch schloss seine Laudatio mit warmen Worten: „Eine Medaille ist kein Denkmal.“ Ein Denkmal sei beispielsweise die Kultur, die der Bürgermeister hinterlassen habe, die weit über die Grenzen Schwedts bekannten Uckermärkischen Bühnen oder die Kunst- und Musikschule in Schwedt. Beides seien wichtige weiche Standortfaktoren für die Stadt. Das Denkmal eines Menschen wie Jürgen Polzehl sei in den Herzen der Menschen.