Wahl 2024 in Angermünde
: Von Feuerwehr bis Dorfverein ‒ wer macht Politik auf dem Land?

Die Kommunalwahl in Angermünde wird ein Marathon.  Es werden neben Bürgermeister und SVV auch 23 Ortsbeiräte gewählt. Gibt es genug Bewerber? Wer bestimmt die Zukunft im Dorf?
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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In einigen Ortsteilen von Angermünde, wie hier in Greiffenberg, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die ehrenamtlichen Ortsbeiräte haben nur begrenzte Entscheidungs- und Handlungskompetenzen, zum Beispiel bei Finanzausstattung und Investitionen.

In einigen Ortsteilen von Angermünde, wie hier in Greiffenberg, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die ehrenamtlichen Ortsbeiräte haben nur begrenzte Entscheidungs- und Handlungskompetenzen, zum Beispiel bei Finanzausstattung und Investitionen.

Daniela Windolff

Es ist ein undankbares Ehrenamt. Ortsbeiräte und Ortsvorsteher in Ortsteilen dürfen in der Stadtverordnetenversammlung Angermünde nur beraten, nichts entscheiden. Ortsbeiräte sind nur Anhörungsgremien, auch wenn es um ihre eigenen Belange geht. Das ist ein Problem. Denn so Menschen zu motivieren, die sich ehrenamtlich für ihren Ortsteil, aber auch für die Gesamtentwicklung der Stadt engagieren, wird immer schwerer.

Mit der Gemeindegebietsreform 2003 sind alle 23 einst eigenständigen Gemeinden des aufgelösten Amtes Angermünde Land per Landesgesetz der Stadt Angermünde als Ortsteile zugeschlagen worden und aus Gemeindevertretungen und Ortsbürgermeistern wurden Ortsbeiräte und Ortsvorsteher. Ihre nunmehr beschränkten Befugnisse regelt die Kommunalverfassung Brandenburg.

Immer wieder haben in der Vergangenheit Mitglieder von Ortsbeiräten aus unterschiedlichen Gründen das Handtuch geworfen, bis zur Konsequenz, dass diese mangels Mitgliedern aufgelöst und die Ortsteile von der Stadt zwangsverwaltet wurden. 2024 stehen wieder Kommunalwahlen und damit auch die Neuwahl von Ortsbeiräten in Angermünde an. Gibt es noch genügend Bewerber, die sich ehrenamtlich für die Geschicke ihrer Dörfer engagieren wollen?

Ein Ortsteil findet keine Bewerber

Laut Satzung muss jeder der 23 Ortsbeiräte in Angermünde mit drei Mitgliedern besetzt werden. Für die Wahl 2024 wurden insgesamt 85 Wahlvorschläge vom Wahlausschuss der Stadt zugelassen und beschlossen. Für jeden Ortsteil gibt es damit ausreichend Kandidaten. Nur in Frauenhagen findet sich kein Bewerber für die neue Wahlperiode. Der Ortsbeirat wurde hier 2023 aufgelöst. Wer tritt in den anderen Ortsteilen an?

Parteien spielen auf dem Land rund um Angermünde keine Rolle. Politik machen hier Menschen mit ganz unterschiedlichem gesellschaftlichem Hintergrund. In den Ortsteilen von A wie Altkünkendorf bis Z wie Zuchenberg dominieren lokale Wählergruppen, Vereine und Einzelbewerber. Da gibt es bei der Wahl 2024 durchaus Überraschungen. So hat sich in Altkünkendorf das Bündnis „Gemeinsam für Altkünkendorf“ gebildet, das konkurrenzlos mit vier Bewerbern antritt.

Auch in Steinhöfel, Wolletz, Kerkow und Bruchhagen stellen neue Wählergruppen die Kandidaten für die künftigen Ortsbeiräte, wie „Zukunft Bölkendorf“,„ Bruchhagen bewegt“, „Aktiv für Kerkow“, die „Wählergruppe Gellmersdorf“ oder die „Wolletzer Wählergruppe“. In Steinhöfel und Herzsprung schicken die Ortsvereine ihre Bewerber ins Rennen, in Wilmersdorf die freiwillige Feuerwehr und in Mürow der Dartclub.

Parteien sind in der Minderheit

Dagegen bewerben sich in Biesenbrow, Crussow, Dobberzin, Görlsdorf, Greiffenberg, Günterberg, Neukünkendorf, Schmiedeberg, Stolpe und Zuchenberg nur Einzelkandidaten. Als Parteien treten zu den Ortsbeiratswahlen 2024 die CDU mit insgesamt 6 Kandidaten in Dobberzin, Greiffenberg und Mürow an, die Linke mit einem Kandidaten in Crussow, die SPD mit einem in Schmargendorf sowie die AfD mit zwei Bewerbern in Bölkendorf und Bruchhagen.

Die Wählerlisten in den Ortsteilen sind sehr überschaubar. Nur in Bölkendorf, Greiffenberg und Mürow haben die Wähler eine echte Wahl unter je sechs Kandidaten. In Zuchenberg, Wolletz, Welsow, Stolpe, Steinhöfel, Schmiedeberg, Schmargendorf, Neukünkendorf, Crussow und Biesenbrow kam gerade die erforderliche Mindestzahl von drei Bewerbern zusammen. Die Reihenfolge der Wahlvorschläge auf dem Stimmzettel legt übrigens der Kreiswahlleiter der Uckermark fest.

Bekannte und neue Gesichter

Haben die Wähler am 9. Juni 2024 schließlich ihre Kreuzchen gemacht und ihre Kandidaten für die Ortsbeiräte gewählt, bestimmen diese später in konstituierenden Sitzungen die jeweiligen Ortsvorsteher. Da könnte es durchaus wieder bewährte Gesichter an der Spitze der Dörfer geben.

So stellen sich bisher amtierende Ortsvorsteher erneut zur Wahl in die Ortsbeiräte: Monika Stürmann in Altkünkendorf, Dieter Grenz in Crussow, Wilfried Belde in Dobberzin, Kerstin Hoffmann in Greiffenberg, übrigens die einzige Stadt unter den Ortsteilen, Marcel Laggies in Günterberg, Bernd Winkler in Kerkow, Jens Wittstock in Mürow, Frank Scholz in Neukünkendorf, Thomas Bernstein in Schmargendorf, Adrian Wenzel in Schmiedeberg, Harald Mehl in Stolpe, Sven Bettac in Welsow, Martin Boenke in Wilmersdorf, Kristina Wendt in Wolletz und Uta Hufe in Zuchenberg.

Dennoch sind unter den insgesamt 85 Bewerbern immerhin 50 neue Kandidaten, die sich ehrenamtlich in ihren Heimatorten engagieren möchten. Die kompletten Wählerlisten veröffentlicht die Stadt Angermünde als Wahlbekanntmachung im Amtsblatt sowie auf der Homepage der Stadt unter https://www.angermuende.de/buergerservice/wahlen/.

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Von Schwedt bis Templin, von Angermünde bis nach Prenzlau: Wir zeigen Ihnen was die Region in dieser Woche bewegt hat und geben Ausblick.