Weihnachten in Angermünde: Darum hört der Schmargendorfer Chor auf

Weihnachtssingen am Heiligabend in der Schmargendorfer Kirche. Der Dorfchor unter Leitung von Marianne Sarow gibt seit 27 Jahren dieses Weihnachtskonzert. Doch 2024 ist es das letzte Mal.
Daniela Windolff- Der Schmargendorfer Chor löst sich nach 45 Jahren auf, letzter Auftritt war am Heiligabend 2024.
- Chorleiterin Marianne Sarow beendet Leitung aus Altersgründen, Nachwuchs fehlt.
- Traditionelles Weihnachtssingen in der Schmargendorfer Kirche endet nach 27 Jahren.
- Kinder und Enkel spielten eine besondere Rolle im letzten Konzert.
- Der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft könnte neue Traditionen begründen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Schmargendorf bei Angermünde gibt es seit Jahrzehnten ein festes Weihnachtsritual. Die Dorfgemeinschaft versammelt sich am Nachmittag des Heiligabends mit Kind und Kegel in der Kirche zum gemeinsamen Weihnachtssingen. Diese Tradition hatte einst der Schmargendorfer Chor begründet.
Im Kerzenschein unter dem Weihnachtsbaum am Altar gibt er alle Jahre wieder ein Konzert mit Liedern und Gedichten zur Weihnachtszeit und die Besucher in der immer vollbesetzten Kirche stimmen gern mit ein, bevor sich alle gegenseitig persönlich ein frohes Weihnachtsfest wünschen und beseelt nach Hause gehen.
So war es auch 2024 wieder. Doch in diesem Jahr war es ein ganz besonderes Konzert, bei dem sehr viele Emotionen und Erinnerungen mitschwangen.
Weihnachts-Tradition am Heiligabend in Schmargendorf
Es war der allerletzte Auftritt des Dorfchors, der am Heiligabend seinen Abschied bekannt gab. Damit endet nicht nur eine jahrzehntelange Gemeinschaft sangesfreudiger Menschen, sondern auch eine beliebte Weihnachts-Tradition in Schmargendorf.

Orgelmusik am Heiligabend: Jonas Schultz (10) aus Schmargendorf musiziert beim traditionellen Konzert des Dorfchores in der Kirche.
Daniela WindolffZum letzten Mal gaben die 15 Chormitglieder aus voller Kehle und tiefstem Herzen alles, sangen bekannte und neue Weihnachtslieder, von„ Stille Nacht“ bis „Alle Jahre wieder“. Unterstützt wurden der Chor von Kindern des Dorfes, die Solo sangen, Gedichte aufsagten und auch an der Orgel musizierten.
Kinder aus dem Dorf spielen die Orgel
Der 10-jährige Jonas Schultz spielte auf der Kirchenorgel und rührte die Zuhörer viel Applaus. Der junge Maximilian Ploetz, der in Angermünde als Stadtpfeifer bekannt ist, interpretierte an der Orgel das bekannte Lied vom kleinen Trommler und spielte nach dem Konzert beim Heimgehen der Besucher vor der Kirche auf seinem Dudelsack.

Der Stadtpfeifer von Angermünde, Maximilian Ploetz, musiziert mit dem Dudelsack vor der Kirche. Er ist Autodidakt und kann auch Orgel spielen.
Daniela WindolffDoch die wunderschöne Weihnachtsstimmung in Gemeinschaft hatte in diesem Jahr neben der Freude an der Musik auch eine kleine Traurigkeit.
Dem Chor Schmargendorf fehlt der Nachwuchs
Chorleiterin Marianne Sarow erklärte schweren Herzens, dass sich der Chor nach 44 Jahren aus Altersgründen auflöst, weil es nicht mehr genug Nachwuchs gibt. Die meisten der 14 Sängerinnen sind weit im Rentenalter, der einzige Mann im Chor, Günter Pannike, ist mit 90 Jahren das älteste Chormitglied. Marianne Sarow ist selbst schon 88 Jahre alt, auch wenn man das der agilen Frau nicht ansieht. Singen hält offensichtlich jung und tut der Seele gut. Dennoch hört sie auf.
Die Chorleitung kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch enorme Kraft. Seit 38 Jahren singt sie im Chor, seit 25 Jahren leitet sie ihn. Unzählige Konzerte in der Region, auch erfolgreiche Teilnahmen an Chortreffen und Wettbewerben, wie das Criewener Chortreffen oder der Goldkehlchen-Wettstreit, hat sie mit ihrem Chor bestritten. Irgendwann ist Schluss. Dieser Zeitpunkt ist jetzt, Weihnachten 2024.
Doch zu der Wehmut kommen auch viele schöne Erinnerungen und Erfahrungen, die die Chormitglieder über die vielen Jahre wie eine große Familie verbanden. Die Schmargendorferin Sigrid Straßburg ist von Anfang an dabei.
„Wir haben 1980 als Singegruppe unter der Leitung von Ursula Krüger begonnen, alles junge Leute aus dem Dorf. Wir haben bei den Rentnern zu Geburtstagen gesungen, bei Veranstaltungen der Betriebe, des VdGB und bei Dorffesten“, erinnert sich Sigrid Straßburg an fröhliche, manchmal auch politisch geprägte Singezeiten in der DDR.
Höhepunkt war ein Auftritt mit Gotthilf Fischer
Für Stimmung sorgte auch Ulla Kühling, die den Chor über viele Jahre mit dem Akkordeon begleitete. Meistens war es jedoch reiner Spaß am Singen, an der Gemeinschaft und daran, anderen Menschen Freude zu bringen. Zu den unvergesslichen Erlebnissen gehören neben Chorfahrten und Konzerten ein Auftritt Gotthilf Fischer, dem Gründer der berühmten Fischer-Chöre, 1986 in Prenzlau.
„Wir hatten uns dafür mit einer Kassetten-Aufnahme beworben und von mehr als 20 Chören aus ganz Brandenburg ausgewählt worden", erzählt Sigrid Straßburg noch immer ganz begeistert.
Nach der Wende sollte es weitergehen. Nun sangen singen nicht nur Schmargendorfer, sondern auch sangesfreudige Menschen aus den Nachbardörfern Herzsprung und Bölkendorf und auch aus Angermünde im Chor mit.
Enkel applaudieren den singenden Omas
Das Konzert am Heiligabend in der Schmargendorfer Kirche war nicht nur für den Chor, sondern auch für das gesamte Dorf seit 27 Jahren ein besonderer Höhepunkt. Oft saßen auch die Familien der Sänger mit in den Besucherreihen, klatschten die kleinen Enkel, wenn Oma vorne im Chor sang, oder sie sangen mit oder sagten aufgeregt Gedichte auf. Weihnachten in einer großen Dorf- und Chorfamilie. So auch in diesem Jahr beim allerletzten Konzert.
Dorf-Tradition am Heiligabend endet nach 27 Jahren
Doch die Sängerinnen sind mit dem Chor gealtert, einige weilen schon nicht mehr unter ihnen. Nur wenige Jüngere kamen hinzu. Nachwuchs fehlt. So verabschiedete sich der Schmargendorfer Chor mit einem berührenden letzten Konzert, von seinem treuen Publikum. Ob es künftig eine andere Tradition am Heiligabend im Dorf geben wird? Der große Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft und vieler ehrenamtlicher Unterstützer auch im Landverein machen Hoffnung. Die Weihnachts-Gesangsbücher jedenfalls vorsichtshalber aufgehoben.


