2. Weltkrieg in Seelow: 80 Jahre Kriegsende – was von Küstrin bis Berlin geplant ist

Gedenkstätte Seelower Höhen: Die Schlacht um die Seelower Höhen war eine der letzten und größten Schlachten des 2. Weltkrieges auf deutschem Boden. Gleich nach Kriegsende, am 27. November 1945, wurde dieses von Lew Kerbel und Wladimir Zigal geschaffene Ehrenmal eingeweiht.
Ulf GriegerVor 80 Jahren, Ende Januar 1945, erreichte die Rote Armee die Oder. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Nazideutschland in Berlin-Karlshorst. Mit acht Veranstaltungen an acht Erinnerungsstätten, die durch die Liberation Route Europe (europaweiten Route der Befreiung) verbunden werden, wird an die Ereignisse zum Ende des Weltkriegs gedacht.
In Kienitz (Panzer-Denkmal und Brückenkopf-Mahnmal), Slonsk, Küstrin/Kostrzyn, Klessin, Seelow (Museum und Geschichtsstation) sowie in Berlin-Karlshorst werden im Rahmen von Veranstaltungen Vektoren-Zeichen angebracht, die vom Studio des Architekten Daniel Libeskind entworfen wurden. Diese „Vectors of Memory“ markieren bislang den „Liberation Route-Wanderweg“, der dem Weg folgt, den die Westalliierten während der Befreiung des Kontinents nahmen. Nun werden sie auch den Weg der Roten Armee kennzeichnen.

Vector of Memory für den Geschichtspfad Oder-Warthe: Thomas Drewing und Dirk Röder zeigen in der Geschichtsstation Seelow den vom Studio Libeskind entworfenen „Vector of Memory“. Damit ist bislang der Liberation Route-Wanderweg gekennzeichnet, der dem Weg folgt, den die Westalliierten während der Befreiung des Kontinents nahmen.
Ulf GriegerDoppelter Auftakt in Slonsk und Kienitz
Die Veranstaltungen zum 80. Jahrestag des Kriegsendes koordinieren in Märkisch-Oderland Thomas Drewing und Dirk Röder in der Geschichtsstation Bahnhof Seelow. Vorbild des Projektes „Geschichtspfad Oder Warthe 1945“ ist die vor zehn Jahren entwickelte Veranstaltungsreihe „Oderland war abgebrannt“ des Heimat- und Geschichtsvereins Gusow-Platkow. Damals war an die Kriegsereignisse mit zahlreichen Zeitzeugenberichten erinnert worden.
In diesem Jahr ist daraus ein EU-gefördertes Projekt entstanden, mit dem die Erinnerungsorte nachhaltig miteinander verbunden werden. Sie werden zugleich in die „Liberation Route Europe“ integriert, die bislang die Befreiungskämpfe der Westalliierten beschrieben hat.

Zum 75. Jahrestag der Brückenkopfbildung der Roten Armee am Westufer der Oder hatten vor fünf Jahren der Landkreis Märkisch-Oderland und die Gemeinde Letschin der gefallenen sowjetischen Soldaten, der Gefallenen auf deutscher Seite sowie der Opfer unter der Zivilbevölkerung gedacht. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke legte mit dem Botschafter der Russischen Föderation, Sergej J. Netschajew, und dem Vorstandsvorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, Kränze am Panzer-Denkmal und am Denkmal für alle Opfer des Zweiten Weltkrieges nieder.
Ulf Grieger/MOZ-ArchivIn Regie der Gemeinde Letschin beginnt am 31. Januar die traditionelle Veranstaltung zum 80. Jahrestag des ersten Brückenkopfes der Roten Armee am Westufer der Oder. Vor der Kranzniederlegung um 11 Uhr gibt es um 9.30 Uhr eine Veranstaltung im Gasthof „Zum Hafen“, bei der Schüler des Gymnasiums „Auf den Seelower Höhen“ ein Programm vorstellen. Neben lyrischen und musikalischen Beiträgen werden auch Texte von Zeitzeugen aus Briefen und Erinnerungen zu hören sein.
Nahezu zeitgleich beginnt am 31. Januar um 11 Uhr in Slonsk-Sonnenburg die Veranstaltung zum 80. Jahrestag der Ermordung der Häftlinge des Konzentrationslagers Sonnenburg. Gestapo-Beamte aus Frankfurt (Oder) erschossen in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 insgesamt 819 Häftlinge. Am Martyriumsmuseum wie auch in Kienitz am Panzer und an der Brückenkopf-Stele werden die Vektormarken der Liberation Route übergeben.
Gedenken in Klessin und Küstrin-Kostrzyn
Am 22. März wird an die nahezu völlige Zerstörung des Dorfes Klessin und des Rittergutes erinnert. Dort befindet sich heute eine Gedenk- und Erinnerungsstätte, die nun auch Teil der Liberation Route wird. Von Anfang Februar bis zum 24. März 1945 war Klessin von drei Seiten eingekesselt. Insgesamt 62.000 Granaten wurden auf den Raum Klessin abgefeuert. Viele Soldaten auf beiden Seiten der Front starben.
An die Schlacht um Küstrin wird am 30. März im polnischen Festungsmuseum erinnert. Bereits am 31. Januar 1945 hatte die Rote Armee die Festungsstadt erreicht und am 12. März die Neustadt eingenommen. Am 24. März war die Altstadt stark bombardiert. Am 30. März wurde die Festung von der Roten Armee eingenommen, nachdem mit dem Stadtkommandanten Heinz Reinefahrth, dem berüchtigten „Henker von Warschau“, die letzten Verteidiger über eine Schlauchstellung fliehen konnten. Die Altstadt ist heute als „Pompeji an der Oder“ ein Freilichtmuseum der Stadt Kostrzyn-Küstrin.

Umgebaute Gedenkstätte in Seelow: Der Landkreis Märkisch-Oderland hat viel Geld investiert, um das Ensemble barrierefrei zu machen. Eine Einweihungsveranstaltung ist noch nicht geplant. Die Dauerausstellung soll erneuert werden.
Ulf GriegerSchwieriges Gedenken in Seelow
Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist das traditionelle Gedenken an die Opfer der Schlacht um die Seelower Höhen zu einem heiklen Unterfangen geworden. Aber auch 80 Jahre nach dem Beginn der Schlacht am 16. April sollen an der Gendenkstätte Kränze niedergelegt werden.
Wie sensibel der Umgang mit dem Ort ist, das hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei seinem Seelow-Besuch am 29. August 2024 bewiesen. Obwohl es der erste Besuch eines Kanzlers in der Gedenkstätte war, mied Scholz die Öffentlichkeit und schaute sich das Ensemble nur mit einigen Parteifreunden an. Am 16. April wird es zunächst um 10 Uhr eine kleine Konferenz in der Geschichtsstation im Bahnhof Seelow geben. Um 11 Uhr sind dann stille Kranzniederlegungen an der Gedenkstätte geplant.
Am 5. Mai findet die Veranstaltungsreihe im Museum Berlin-Karlshorst ihren Abschluss. Auch dort wird, wie in Seelow, ein „Vector of Memory“ installiert.
Erinnerung an die Zerstörung der Stadt Wriezen
Aber auch neben dieser offiziellen Veranstaltungsreihe zum Jahrestag des Kriegsendes gibt es weitere Veranstaltungen in den Kommunen.
Mitte April will Wriezen dem wohl schwärzesten Tag seiner Geschichte gedenken: der quasi vollständigen Zerstörung der Stadt am 16. April 1945 im Vorfeld der Schlacht um Berlin am Ende des Zweiten Weltkriegs, die sich 2025 zum 80. Mal jährt. Mehr als neunzig Prozent der historischen Bausubstanz wurden unwiederbringlich zerstört. Nur einige historische Landmarken wie die Napoleon-Eiche oder der Altkietz blieben erhalten. Zum Gedenken an das tragische Schicksal Wriezens am Ende des Zweiten Weltkrieg werde eine gemeinsame Aktion der Kirchengemeinde, der Bildungseinrichtungen, der Stadt sowie der Bürgerinnen und Bürger stattfinden, kündigte Bürgermeister Karsten Ilm bereits an.




Zweiter Weltkrieg:'/%3e%3cpath%20fill='%2300a2ca'%20fill-rule='nonzero'%20d='M55.9851361%206.04040555h-5.7611779c-4.4117128%200-8.04488805%203.63317525-8.04488805%208.04488806%200%204.4117128%203.63317525%208.04488805%208.04488805%208.04488805%204.4117128%200%208.04488806-3.63317525%208.04488806-8.04488805V8.3241157c0-1.24566009-1.03805008-2.28371016-2.28371016-2.28371016Zm-2.64702768%209.03103562h-2.12800265v2.12800265c0%20.51902504-.46712253.93424506-.98614757.93424506s-.98614757-.41522002-.98614757-.93424506v-2.12800265H47.109808c-.51902504%200-.93424507-.46712253-.93424507-.98614756%200-.51902504.41522003-.98614757.93424507-.98614757h2.12800264v-2.12800265c0-.51902504.46712253-.93424506.98614757-.93424506s.98614757.41522002.98614757.93424506v2.12800265h2.12800265c.51902503%200%20.93424506.46712253.93424506.98614757%200%20.51902503-.41522003.98614756-.93424506.98614756Z'/%3e%3cpath%20fill-rule='nonzero'%20d='m12.4389356%208.99884825%202.28371015%207.0587405%202.28371016-7.0587405h3.21795522v10.1728907h-2.43941767V16.7842238l.25951252-4.87883534-2.43941767%207.2663505H13.9441082l-2.49132018-7.2663505.25951252%204.87883534v2.38751517H9.22098037V8.99884826h3.21795522Zm17.90636373%205.29405537c0%20.98614757-.15570751%201.86849013-.57092754%202.64702768-.36331753.77853756-.88234256%201.3494651-1.5570751%201.76468512-.67473256.41522003-1.4532701.62283005-2.33561267.62283005-.88234256%200-1.60897761-.20761002-2.28371016-.62283005-.67473254-.41522002-1.19375758-.98614756-1.5570751-1.71278261-.36331753-.72663505-.57092754-1.60897762-.62283005-2.54322268v-.57092754c0-.98614757.15570751-1.86849013.57092754-2.64702768.41522003-.77853756.88234256-1.3494651%201.5570751-1.76468512.67473256-.41522003%201.4532701-.62283005%202.33561267-.62283005.83044006%200%201.60897761.20761002%202.28371016.62283005.67473254.41522002%201.19375758.98614756%201.5570751%201.76468512.36331753.72663505.57092754%201.6089776.57092754%202.59512518l.0519025.46712253Zm-2.49132017-.41522003c0-.98614757-.15570751-1.76468512-.51902504-2.28371016-.36331753-.51902503-.83044006-.77853755-1.4532701-.77853755-1.24566009%200-1.86849013.93424506-1.97229514%202.75083269v.72663505c0%20.98614757.15570751%201.76468512.51902504%202.28371016.31141502.51902503.83044006.77853755%201.4532701.77853755.62283004%200%201.08995257-.25951252%201.4013676-.77853755.31141502-.51902504.51902503-1.2975626.51902503-2.28371016v-.41522003h.0519025Zm6.38400794%203.37366273h4.87883533v1.86849013h-7.99298555v-1.29756259l4.82693284-7.00683798h-4.87883534V8.99884825h7.88918054v1.24566009l-4.72312782%207.00683798Z'/%3e%3c/svg%3e)
Nachtwölfe in Seelow ‒ Gefallene von Nationalisten vereinnahmt
Etwa 30 Mitglieder der russischen Rockergruppe „Nachtwölfe“ haben die Gedenkstätte Seelower Höhen besucht. Es war ein inszenierter Auftritt von Nationalisten, der einiges deutlich macht. Ein Kommentar.