Friedensaktion in Seelow
: Tausende Kraniche erinnern an Atombomben-Abwurf

Mit einem großen Aktion erinnern die Seelower an den Atombomben-Abwurf zum Kriegsende vor 80 Jahren auf Hiroshima in Japan. So kann man mitmachen.
Von
Ulf Grieger
Seelow
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Kraniche für Seelow: Marion Hahn, Leiterin der Stadtbibliothek Seelow, unterstützt mit ihrem Team die große Aktion der Seeloser. Sie liest vor Kindern aus Büchern, die von der Begründerin der Kranich-aktion handeln.

Kraniche für Seelow: Marion Hahn, Leiterin der Stadtbibliothek Seelow, unterstützt mit ihrem Team die große Aktion der Seelower. Sie liest vor Kindern aus Büchern, die von der Begründerin der Kranich-Aktion handeln.

Ulf Grieger
  • Seelow erinnert an Hiroshima mit 1000 Papierkranichen für Friedenstag am 8. Juli 2025.
  • Kinder der AWO-Kita „Max&Moritz“ und Stadtbibliothek beteiligt.
  • Aktion inspiriert von Sadako Sasaki, die 1955 an Leukämie starb.
  • Mayors for Peace: Bürgermeister setzen Zeichen gegen Atomwaffen.
  • Hiroshima 1945: 70.000 sofortige Tote, 140.000 bis Ende 1945.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im August 1945 wurden in der Endphase des Zweiten Weltkrieges zum ersten und einzigen Mal Atomwaffen in einem militärischen Konflikt eingesetzt. Die erste von zwei amerikanischen Atombomben wurde am 6. August über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen. Der zweite Bombenangriff auf die Stadt Nagasaki erfolgte drei Tage später.

Noch immer werden Atomwaffen produziert und eingelagert. Zuletzt hatte Russland im Ukraine-Krieg indirekt mit dem Atomwaffen-Einsatz gedroht. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte im November 2024 damit auf den möglichen Einsatz von Raketen mit größerer Reichweite von der Ukraine aus in Richtung russisches Territorium reagiert. In Seelow wurde jetzt eine große Friedensinitiative gegen Atomwaffen gestartet.

Fruiednsaktuion mit Kita-Kindern: Diese Bastelarbeit haben in Seelow die Kinder der AWO-Kita „Max&Moritz“ 2024 zum Flaggentag der „Bürgermeister für den Frieden“ (Mayors for Peace) an Bürgermeister Robert Nitz (parteilos) überreicht.

Friedensaktion mit Kita-Kindern: Diese Bastelarbeit haben in Seelow die Kinder der AWO-Kita „Max&Moritz“ 2024 zum Flaggentag der „Bürgermeister für den Frieden“ (Mayors for Peace) an Bürgermeister Robert Nitz (parteilos) überreicht.

Ulf Grieger

Bürgermeister übernehmen Verantwortung

Aus der Überlegung heraus, dass Bürgermeister für die Sicherheit und das Leben ihrer Bürger verantwortlich sind, versuchen die „Mayors for Peace“ Einfluss auf die weltweite Verbreitung von Atomwaffen zu nehmen und diese zu verhindern. Bereits seit sechs Jahren gehört Seelow dazu. Der weltweite Verband hieß früher „Programm zur Förderung der Solidarität der Städte mit dem Ziel der vollständigen Abschaffung von Atomwaffen (Partnerschafts-Programm der Städte Hiroshima und Nagasaki zur Ächtung aller Atomwaffen in Ost und West)“. Die Organisation wurde 1982 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters von Hiroshima, Takeshi Araki, gegründet.

Jedes Jahr setzen am 8. Juli bundesweit Bürgermeister vor ihren Rathäusern mit dem Hissen der „Mayors for Peace-Flagge“ ein sichtbares Zeichen für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen. Robert Nitz machte bei dieser Aktion im vorigen Jahr deutlich, dass es gerade für Seelow mit seiner Geschichte wichtig sei, Teil dieser Friedensbewegung zu sein, der allein in Deutschland schon 600 Städte angehören. Deren Bürgermeister machen dabei auf den Umstand aufmerksam, dass sie für die Sicherheit der Menschen in ihren Kommunen verantwortlich sind. Aktuell gebe es 12121 Atomwaffen weltweit, so Nitz.

Friedenswunsch zum Ausdruck bringen

Von der Seelowerin Monika Fischer kam in diesem Jahr die Anregung, bis zum 8. Juli 2025 aus Anlass des 80. Jahrestages des Kriegsendes und des Atombombenabwurfes, mehr als 1000 Papierkraniche zu falten. Diese Aktion geht auf den alten japanischen Brauch zurück, dass derjenige, der 1000 Papierkraniche faltet, sich etwas wünschen darf. Das Mädchen Sadako Sasaki war zweieinhalb Jahre alt, als in Hiroshima die Atombombe fiel.

Sie befand sich zwei Kilometer vom Abwurfort entfernt. In der siebten Klasse erkrankte sie aufgrund der Strahlenbelastung an Leukämie. Sadakos Wunsch war, geheilt zu werden. 1955, nach 644 gefalteten Kranichen, starb sie. Ihre Freunde setzten die Mission fort. Das wurde ein weltweites Symbol für den Frieden.

Kranich-Falten in der Alten Dampfbäckerei Seelow: Unter Anleitung von Monika Fischer (rechts) sind bereits mehr als 1000 Friedensboten entstanden.

Kranich-Falten in der Alten Dampfbäckerei Seelow: Unter Anleitung von Monika Fischer (rechts) sind bereits mehr als 1000 Friedensboten entstanden.

Ulf Grieger

Die Idee von Monika Fischer wurde in Seelow zu einer stadtweiten Aktion. Am 15. Februar wurden in der  „Alten Dampfbäckerei“ Seelow unter Anleitung von Monika Fischer Kraniche gefaltet. Die ersten 1000 wurden bereits kreiert. „Alle, die sich daran beteiligen, können ein Zeichen für den Frieden setzen und in ihren Einrichtungen Kraniche fliegen lassen“, erklärt dazu Petra Stadler, Vorsitzende des Vereins Alte Dampfbäckerei. Auch in Kindereinrichtungen, wie dem Hort und in der Bibliothek, wird schon fleißig gefaltet. Am 8. Juli, wenn am Rathaus Seelow wieder die Flagge der „Mayors for Peace“ gehisst wird, werden sie zu sehen sein.

Kraniche in der Alten Dampfbäckerei: Dort und in vielen Einrichtungen der Kreisstadt werden aktuell Kraniche gefaltet.

Kraniche in der Alten Dampfbäckerei: Dort und in vielen Einrichtungen der Kreisstadt Seelow werden aktuell Kraniche gefaltet.

Petra Stadler

Seelows Bibliotheksleiterin Marion Hahn kann ebenfalls schon auf mehr als 1000 Kraniche in der Bücherei verweisen. Sie liest zudem vor Schülern altersgerecht aus Büchern vor, die von dem japanischen Mädchen Sadako Sasaki und ihrem Schicksal berichten. Wer sich noch an der Aktion beteiligen will, kann sich an die Bibliothek oder die Alte Dampfbäckerei wenden.

Hiroshima nahezu völlig zerstört

Als Ziel für den Abwurf am 6. August 1945 wurde Hiroshima gewählt. Es war Sitz des Hauptquartiers der 2. Hauptarmee Japans und diente gleichzeitig zur Lagerung kriegswichtiger Güter. Die Explosion in ca. 600 Meter Höhe zerstörte um 8.16 Uhr Ortszeit ungefähr 90 % der bis dahin unbeschädigten Stadt.

Insgesamt wurden 70.000 der 76.000 Häuser zerstört oder schwer beschädigt. Bei diesem ersten Einsatz einer Kernwaffe in einem Krieg wurden etwa 70.000 Personen sofort getötet. Insgesamt starben bis Ende 1945 schätzungsweise 140.000 Menschen.

Die noch lebenden Opfer des Angriffs werden in Japan als „Hibakusha“ bezeichnet und leiden an den Folgen der Verstrahlung bis heute.