Hochwasser an der Oder
: Erste Hochwasserwarnung – das sagt der Landkreis Oder-Spree

UPDATE (18.10 Uhr) Starke Niederschläge lassen die Wasserpegel der Oder steigen. Nun gibt es eine offizielle Hochwasserwarnung. Das sagen Landkreis und Katastrophenschutz in Oder-Spree.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Oder bei Ratzdorf Ende Juli 2024

Noch ist die Oder bei Ratzdorf friedlich. Am Wochenende soll der Pegel steigen.

Janet Neiser

„Wir sind immer bereit“, versichert Christian Weiß, Kreisbrandmeister in Oder-Spree und Sachgebietsleiter Katastrophenschutz, am 13. September mit Blick auf Hochwasser-Ereignisse in den kommenden Tagen.

Infolge der Niederschlagsmengen im Einzugsgebiet der Oder und anderer Flüsse in Brandenburg steigen die Pegel. Für die Lausitzer Neiße hat das Landesamt für Umwelt (LfU) bereits am 12. September eine Hochwasserwarnung herausgegeben.

Mit Blick auf die Oder liegt seit 13. September, kurz nach 14 Uhr, ebenfalls eine Hochwasserwarnung vor. Das LfU hat derweil Rufbereitschaften angeordnet und beobachtet nach eigenen Angaben täglich die weitere Entwicklung.

Auf dem Pegelportal Brandenburg heißt es: „Im Hochwasserentstehungsgebiet der Oder in Tschechien und Polen wurden in den letzten vier Tagen bis Freitag (13.09.2024) um 11 Uhr Niederschlagssummen zwischen 30 und 100 mm gemessen.“ Bis einschließlich 15.9. werden demnach weitere ausgiebige Niederschläge erwartet (lokal bis 250 mm). Das LfU: „Nach heutigem Kenntnisstand können an den Pegeln im oberen Grenzoderabschnitt Mitte der kommenden Woche die Richtwerte der Alarmstufe 1 erreicht werden. Höchststände bis in den Bereich der Alarmstufe 3 sind zu erwarten und ein Erreichen der Richtwerte der Alarmstufe 4 ist nicht auszuschließen.“ Allerdings seien die Aussagen zu den Höchstständen aktuell mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Und „Aussagen zum Scheiteleintritt an den Pegeln im Grenzoderabschnitt können noch nicht getroffen werden.“

Das sagt der Kreis Oder-Spree

Auf das Landesamt für Umwelt verweist auch die Kreisverwaltung Oder-Spree. Durch das LfU würden an alle betreffenden Landkreise sogenannte Hochwasserinformationen versandt. „Bei ausgerufenen Alarmstufen greift der sogenannte Sonderplan Hochwasser, in diesem sind alle Maßnahmen der Gefahrenabwehr festgelegt und mit allen Beteiligten abgestimmt“, teilte Pressesprecherin Karolin Ring am Nachmittag des 12. September mit. Zu diesem Zeitpunkt lag dem Amt für Brand-, Zivil und Katastrophenschutz als Handlungsgrundlage noch keine Hochwasserinformation vor.

Der Landkreis Märkisch-Oderland geht proaktiver vor und hat bereits am 13. September eine Pressemitteilung mit Blick auf das Hochwasser herausgegeben: Darin heißt es u.a. „Wir nehmen die Situation ernst und entsprechende Vorbereitungen finden statt.“

Ein Blick auf die aktuellen Pegelstände für Brandenburg (Stand 13.9., 18 Uhr, WSV): Pegelhäuschen in Ratzdorf, wo Neiße und Oder zusammenfließen – 1,75 Meter an, Eisenhüttenstadt – 1,79 Meter, Frankfurt (Oder) – 1,19 Meter. Für 15. September sehen die Prognosen in Ratzdorf einen Pegel von 2,05 bis 2,15 Meter, für Eisenhüttenstadt bei 2,10 bis 2,20 Meter und für Frankfurt (Oder) bei 1,45 bis 1,55 Meter.  Zum Vergleich, beim Jahrhundert-Hochwasser zeigte der Pegel bei Eisenhüttenstadt 7,17 Meter an. Die Alarmstufe I wird bei einem Pegelstand von 4,75 Metern ausgerufen.

Erste Vorabinformationen an Feuerwehren

Nach Angaben von Kreisbrandmeister Christian Weiß haben die Wehren erste Vorabinformationen erhalten, in denen es bislang lediglich darum geht, dass die Pegelstände und E-Mails genau zu beobachten sind. Mit der ersten Hochwasserwarnung würde der Sonderplan Hochwasser greifen.

David Schulz, Amtswehrführer in Neuzelle, bestätigt, dass es Vorabinformationen eingegangen seien. Er beobachte die Lage genau – auch in Polen und Tschechien. Und er betont, dass man vorbereitet sei – unter anderem durch Übungen. So würde die Feuerwehr beispielsweise beim Aufstellen der Spundwände in Ratzdorf helfen, falls diese zum Einsatz käme. Hauptverantwortlich diesbezüglich sei der Wasser- und Bodenverband.

Derweil hat auch die Nina-Warn-App über die Hochwasserwarnung informiert – sowohl für die Oder ab Ratzdorf als auch für die Lausitzer Neiße – davon sind Coschen, Breslack und Ratzdorf betroffen. Die Handlungsempfehlung lautet: „Informieren Sie sich regelmäßig über die aktuelle Wetter- und Hochwasserentwicklung. Achten Sie auf die Ausgabe von amtlichen Warnungen.“

Die aktuell prognostizierten Niederschlagshöhen sind nach Angaben des LfU mit denen vom Hochwasser-Ereignis vom Sommer 2010 an der Oder vergleichbar. Der Höchstwert am Pegel Ratzdorf lag bei etwa 6,30 Meter und damit gut einen halben Meter unter dem Höchststand im Sommer 1997.

Doch das Landesamt für Umwelt macht einen wichtigen Unterschied zum Hochwasser vor 14 Jahren aus: Die Ausgangslage heute sei aufgrund einer ausgeprägten Niedrigwasserphase und trockener Böden günstiger. Die Flüsse können einen Teil der Niederschläge aufnehmen. Zudem seien seitdem wirksame Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt worden.