Jobs in Polen
: Wie zwischen Kostrzyn und Słubice Arbeitsplätze entstehen

Die Kostrzyn-Słubicer Sonderwirtschaftszone sorgt für Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum an der Grenze zwischen Polen und Deutschland. Wie Firmen und Fachkräfte angelockt werden.
Von
Marlena Dumin
Kostrzyn
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Das Unternehmen ICT im zur Sonderwirtschaftszone gehörenden Gewerbegebiet in Kostrzyn.

Ulf Grieger

14 Sonderwirtschaftszonen (Specjalna strefa ekonomiczna, SSE) gibt es in Polen. Ziel ist die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen. Die Kostrzyn-Słubicer Sonderwirtschaftszone (K-S SSE S.A.) betreut seit 1997 polnische und ausländische Investoren in mehreren Gewerbegebieten in der Wojewodschaft Lebus, dem nördliche Teil Großpolens und dem westliche Teil Westpommerns.

„Wir sind eine Einrichtung, die Unternehmer in jeder Phase unterstützt“, erklärt Maciej Borowski, Leiter der Marketingabteilung. Zusammen mit den Investoren suche man nach optimalen Standorten für eine Ansiedlung und berate und unterstütze auch bei den notwendigen Investitionen.

Investitionen von mehr als 6 Milliarden Euro in 20 Jahren

Laut Borowski ist die Kostrzyn-Słubicer Sonderwirtschaftszone die finanziell und territorial am schnellsten wachsende in Polen. In den vergangenen 20 Jahren hätten Unternehmen der Zone demnach Investitionen von mehr als 6 Milliarden Euro getätigt. „Im Rekordjahr 2021 erhielten Unternehmen Unterstützung für Investitionen in unserer Region im Wert von über 1,2 Milliarden“, erklärt er. „Im laufenden Jahr sind es etwa 250 Millionen Euro, aber das Jahr ist noch nicht zu Ende.“

Wenn ein Unternehmer in der SSE eine Produktionsstätte errichten will und die von der EU festgelegten Kriterien erfüllt, kann er mit steuerlichen Begünstigungen rechnen, darunter unter anderem die Befreiung von der Körperschafts- bzw. Einkommensteuer. Die Steuerentlastungen sollen Anreize zum Investieren schaffen. Kommunen wie Kostrzyn oder Slubice profitieren – abgesehen von den geschaffenen Arbeitsplätzen – trotzdem finanziell. „Unternehmer zahlen keine Einkommensteuer, aber sie zahlen Grundsteuer. Diese Einnahmen haben eine bedeutende Wirkung auf den Gemeindehaushalt“, so Maciej Borowski.

Wie man in der Zone Nachwuchskräfte gewinnen will

In den vergangenen 20 Jahren seien dank der Sonderwirtschaftszone Kostrzyn-Słubicer mehr als 50.000 Arbeitsplätze in der Region geschaffen worden, betont der Marketingleiter. Darüber hinaus profitieren von den vielfältigen Ansiedlungen und Unternehmungen auch lokalen Lieferanten, Bauunternehmer, Transportbetriebe und so weiter. „Jede Form der Wirtschaftstätigkeit wirkt sich positiv auf die lokale Entwicklung aus“, so Maciej Borowski.

Und er ergänzt: „Unsere Aufgabe besteht nicht nur darin, direkte staatliche Hilfe zu gewähren. Wir bringen auch Partner zusammen.“ So seien die Unternehmen aus der SSE beispielsweise eng mit den Berufsschulen in der Region verbunden. „Unternehmen nehmen Praktikanten und Auszubildende auf. Sie bilden dual aus, ähnlich wie in Deutschland. Einige Betriebe gründen sogar ihre eigenen Schulen, um künftige Mitarbeiter auszubilden“, erklärt er. Wenn ein Unternehmer keine Fachkräfte finde, „geben wir Ratschläge, wie man sie am effektivsten am Markt gewinnen kann, wir bieten beispielsweise Zusammenarbeit mit Vermittlungsagenturen an.“

Wie auch Deutschland von polnischen Sonderwirtschaftszonen profitiert

Es gibt auch viele Firmen, die eng mit deutschen Lieferanten zusammenarbeiten. „Polnische Unternehmer kooperieren mit deutschen Firmen in Bereichen wie Schulungen oder dem Kauf von Maschinen, die später hier installiert und genutzt werden“, erklärt der Marketing-Chef. Darüber hinaus werden deutsche Umschlaghäfen und Terminals genutzt, um Waren einzuführen oder zu exportieren. Von den Sonderwirtschaftszonen wie der in Kostrzyn-Słubice profitiere also auch die deutsche Wirtschaft, ist Maciej Borowski überzeugt.

Das größte ebenfalls noch zur SSE Kostrzyn-Slubice gehörende Unternehmen ist ein deutsches: Volkswagen. In den Produktionsstätten in Poznan lässt VW vor allem Lieferwagen bauen.

Das Automobilwerk in Poznan (Archivbild)

Jakub Kaczmarczyk/dpa

Von Toilettenpapier bis Stahlkonstruktionen – Was in Kostrzyn unter anderem alles produziert wird

In Kostrzyn selbst ist unter anderem das italienische Unternehmen ICT Poland, das Toiletten-, Küchenpapier und Taschentücher herstellt, ansässig. In Deutschland verkaufen sie ihre Produkte unter der Marke Foxy. Ein weiteres Beispiel ist das belgisch-deutsch-polnische Unternehmen Teleskop, das sich mit der Herstellung von Stahlkonstruktionen beschäftigt, die für den Bau von Kränen verwendet werden. „In Kostrzyn werden Stahlteile hergestellt und geschweißt, die später weltweit beim Kranbau eingesetzt werden“, erklärt Borowski.

Die Firma Olsa Poland stellt in Kostrzyn Scheinwerferkomponenten für Autos her. Auch Offsetpapier, das zum Druck von Zeitungen und Büchern verwendet wird, entsteht in der polnischen Stadt, genauso wie Bettdecken und Kissen. Es sind Produkte, die in ganz Europa Abnehmer finden.

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