Immobilien in Spandau
: 400 neue Wohnungen in Kladow – warum Anwohner protestieren

In Kladow stehen umfangreiche Bauarbeiten an. Anwohner im Ortsteil von Spandau kritisieren die geplanten Wohnungen. Was sie an der Bebauung stört.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Parkviertel Kladow vor der ersten Bauphase mit einem hohen Baumbestandt. Inzwischen sind hunderte von Bäumen gefällt worden.

Seit 2020 wird das Parkviertel in Berlin-Kladow Stück für Stück bebaut. Hunderte von Bäumen wurden dafür im Ortsteil von Spandau schon gefällt.

Susanne Di Modica
  • In Kladow sollen bis 2029 400 neue Wohnungen entstehen; Anwohner protestieren.
  • 600 Bäume wurden bereits gefällt, 200 weitere sollen folgen; Ersatzpflanzungen sind geplant.
  • Degewo plant 24 neue Miethäuser; insgesamt 1100 Wohneinheiten im Viertel geplant.
  • Anwohner kritisieren Naturzerstörung und mangelnde Infrastruktur.
  • Petition mit 2000 Unterschriften fordert bessere Planung und Naturschutz.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit dem Einbiegen in die Parkviertelallee im Spandauer Ortsteil Kladow eröffnet sich ein idyllischer Anblick: niedrige Häuser, weite Wiesen, viel Grün – und bald auch viele Baustellen. Die Tage der grünen Wiesen scheinen gezählt, viele der schattenspendenden Bäume wurden schon gefällt. Rund 400 weitere Wohnungen sollen bis 2029 dort entstehen, wo bisher Schwalbe, Igel und Fledermaus wohnen. Dagegen protestieren nun die Anwohner.

Grünflächen werden bebaut, Lebensräume für Wildtiere genommen. Lebensqualität wird eingestampft. So zumindest empfinden es viele Anwohnerinnen und Anwohner des einst kleinen Parkviertels in Kladow. Ursprünglich gab es dort nur 317 Wohneinheiten und viel Natur. Dann kamen private Investoren und die Flächen wurden verdichtet.

Bauplanung in Kladow schreitet trotz Protest voran

2026 sollen nun auch die letzten freien Flächen bebaut werden. Das landeseigene Wohnungsunternehmen Degewo will seinen zwei Grundstücken im Parkviertel 24 weitere Miethäuser zu den 38 schon vorhandenen Gebäuden hinzufügen. Insgesamt soll es letztendlich 1100 Wohneinheiten im Viertel geben.

Parkviertel in Kladow, die degewo will zwischen den Bestandbauten weitere Häuser bauen. Die Grünfläche muss der geplanten Verdichtung weichen.

Im Parkviertel in Kladow soll zukünftig weiter gebaut werden. Auf den Freiflächen zwischen den Bestandsgebäuden der Degewo werden 24 weitere Gebäude gebaut. Das Schwalbenhaus muss ebenfalls weichen.

Susanne Di Modica

„Wir sind nicht gegen die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“, betont Susanne Di Modica von der Interessengemeinschaft Parkviertel Kladow. Die Notwendigkeit von Wohnungen sei allen bekannt und nicht Gegenstand der Petition, die Ende September 2024 von ihr gestartet wurde. Inzwischen haben über 2000 Personen unterschrieben (Stand 14. November).

„Uns ist es wichtig, dass mit der Natur gut umgegangen wird“, spielt Di Modica darauf an, dass das bisherige Bebauungskonzept aus Sicht vieler Anwohnerinnen und Anwohner nicht gut durchdacht sei.

Anwohner in Kladow kritisieren Umgang mit der Natur

„600 Bäume sind schon abgeholzt worden. 200 weitere kämen noch dazu“, zählt Di Modica auf. Das könne jeder nachrechnen, der sich die künftigen Baupläne anschaut. „Man kann nicht Bäume fällen und sagen, dass das mit einer Dachbegrünung aufgewogen ist“, spielt die Spandauerin auf mögliche Ausgleichsmaßnahmen an.

Parkviertel in Kladow, Parkgaragen die einer zukünftigen Bebauung von weiteren Gebäuden der degewo im Viertel weichen müssen.

Neun Parkflächen werden im Parkviertel in Kladow bald wegfallen. Dort, wo derzeit noch Garagen stehen, sollen Miethäuser beziehungsweise ein Parkhaus gebaut werden.

Susanne Di Modica

Geplant seien 400 Ersatzpflanzungen, bestätigt Stefan Weidelich, Sprecher der Degewo. Die bisher gefällten Bäume fallen laut Weidelich in die Verantwortung anderer Unternehmen. „Wie viele Bäume für die geplanten Neubauten der Degewo gefällt werden müssen, ist noch nicht genau bezifferbar, da finale Abstimmungen noch laufen.“ Der Bestand soll so weit es geht erhalten bleiben.

Di Modica sieht die Baumaßnahmen kritisch: „Die Schwalbenwohnungen sind dann weg. Die Garagen, wo die Fledermäuse nisten, werden abgerissen.“ Ob Ersatzkästen angenommen werden, sei fraglich, fasst die Kladowerin die Bedenken der Gemeinschaft zusammen.

„Schaut man sich gerade die vielen Unwetter und Waldbrände in Europa an, wird einem bewusst, wie kritisch die Situation ist.“ Es sei nun wichtig, die Natur zu bewahren.

Weidelich bestätigt die Planung von Ersatz- und Ausweichlebensräumen. „Hierzu sind die genauen Erfassungen der betroffenen Arten gerade abgeschlossen worden und werden nun mit dem Naturschutzamt abgestimmt.“

Zudem sei geplant, mit der Umgestaltung des Wohnquartiers die derzeit wenig „biodiversen Freiflächen“ mit mehr Blütenpflanzen und Blühwiesen auszustatten. „Damit soll der Lebensraum für Insekten und für Vögel, Fledermäuse und für andere Kleinsäuger verbessert werden“, so Weidelich.

Parkviertel in Kladow, enge Straße in der Siedlung der Degewo.

Über die Straße im Parkviertel in Kladow sind sich die Interessengemeinschaft Parkviertel und die Degewo uneinig. Laut Interessengemeinschaft ist die Straße zu schmal und ein Sicherheitsrisiko, beispielsweise im Fall eines Brandes.

Susanne Di Modica

Auch in anderer Hinsicht seien die Baupläne laut Di Modica nicht ausgereift. „Wir haben nur eine Zufahrtsstraße.“ Als Relation nennt sie die mit 1200 Wohneinheiten ähnlich große Siedlung „Landstadt Gatow“ auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow. „Die haben fünf Zufahrtsstraßen“.

Verkehrsprobleme und fehlende Infrastruktur

Auch darauf, dass die Siedlungsstraße sehr schmal ist und gerade für den hinteren Teil des Viertels die Fluchtwege möglicherweise nicht gegeben sein könnten, weist die Kladowerin hin. „Zudem wird der Verkehr auch außerhalb der Siedlung kollabieren.“ Schon jetzt sei der Kladower Damm stark strapaziert. „Wir haben nur Busse, keine U-Bahn, kein nichts.“

Teilweise seien nicht einmal die Fahrradwege so ausgebaut, dass eine sichere Fahrt aus Kladow raus möglich ist. Hinzu komme: „Wenn jetzt die ersten Bewohner in das neue Stadtquartier in Krampnitz einziehen, werden noch mehr Menschen über die Potsdamer Chaussee und den Kladower Damm pendeln.“

Straße An den Parkbäumen im Parkviertel in Kladow. Zukünftig sollen hier auf den vorhandenen Grünflächen weiter Gebäude gebaut werden. Wo zukünftig Spielflächen und Aufenthaltsorte hinkommen, klärt die Degewo im Dialog mit den Anwohnenden.

Zukünftig soll die Degen-Siedlung an der Straße „An den Parkbäumen“ enger bebaut werden. Wo zukünftig Spielflächen und Aufenthaltsorte hinkommen, klärt die Degewo im Dialog mit den Anwohnenden.

Susanne Di Modica

Bezüglich der künftigen Verkehrsbelastung für 1100 Wohnungen bezieht sich Weidelich von Degewo auf die Bewertung eines Gutachters. „Demnach wird der Verkehr nicht kollabieren, die Sicherheit des Quartiers ist gewährleistet.“ Unabhängig davon werde jedoch versucht, eine zweite Zufahrt genehmigt zu bekommen, um die Verkehrssituation zu verbessern.

Auf eine weitere Herausforderung macht die Interessengemeinschaft ebenso aufmerksam: Sowohl die schon angespannte Verkehrssituation als auch die unzureichende Infrastruktur von Kladow und Gatow sind nicht mehr auf eine weitere Verdichtung ausgelegt, heißt es in der Petition. „Ärzte, Kitas und Schulen sind schon jetzt an ihre Grenzen gelangt“, so Di Modica.

„Die Verkehrssituation und die Infrastruktur betrifft ganz Kladow“, weist die Spandauerin auf die Dimension der Auswirkungen des Baus hin. Mit der Petition möchte die Interessengemeinschaft unter den Bewohnerinnen und Bewohnern Unterstützung finden. „Wir wollen die Kladower aufmerksam machen.“

Di Modica betont, dass die Gemeinschaft Parkviertel an einer positiven Kommunikation interessiert ist. „Wir wollen Bürgermeister, Bauamt und das Naturschutzamt an einen Tisch bekommen, um das zu besprechen.“ Es sei wichtig, dass alle sehen, was auf Gatow, Kladow und Sakrow zukommt.