Obdachlos in Berlin-Spandau: Wie Mario die Rückkehr in die Eigenständigkeit schaffte

Mario hat viel erlebt: Schicksalsschläge, Alkohol, Obdachlosigkeit. Doch der Mann aus Berlin-Spandau hat nicht aufgegeben und lebt nun in einer eigenen Wohnung.
Pamela Kaethner- Mario Z. aus Berlin-Spandau kämpfte sich aus der Obdachlosigkeit zurück ins eigene Leben.
- Er verlor alles durch eine Betrugsgeschichte mit seinem besten Freund und verfiel dem Alkohol.
- Ein Sozialprojekt in Spandau half ihm, eine neue Beschäftigung zu finden und wieder Fuß zu fassen.
- Dank Unterstützung vom Bezirksamt Spandau lebt er seit sechs Jahren in einer eigenen Wohnung.
- Mario hilft nun anderen und freut sich auf seine Rückkehr zur Arbeit bei Spax.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mario Z. aus Berlin-Spandau hat viel erlebt. Zunächst auf den Straßen von Europa, dann als Obdachloser. Er hat sich zurückgekämpft – in eine Beschäftigung, einen neuen Kiez, eine eigene Wohnung.
Im achten Stock bewohnt er heute eine 30-Quadratmeter-Wohnung mit Balkon – und einem Kater. In der Vitrine von Marios Wohnung steht ein kleiner gelber Modell-Lkw. „Ein 40-Tonner. Das war meiner“, sagt der schlanke Mann stolz.
Mario Z. aus Berlin-Spandau: als Umzugshelfer durch Europa
Mario Z., ist herumgekommen, war in Marbella, Moskau und Monaco. Jetzt blickt der 56-Jährige durch seine schmale Brille von seinem Balkon auf das Märkische Viertel in Reinickendorf. Die Wohnung hat nur 30 Quadratmeter – aber es sind seine.
Als Mitarbeiter einer Spedition war Mario 23 Jahre lang auf Europas Fernstraßen unterwegs. Er hat Möbel geschleppt. „Treppen-Terrier“ haben sie ihn genannt, weil er immer schon so drahtig war. Viel hat er in den letzten Jahrzehnten geschultert. Das jahrelange Möbelschleppen war für ihn beinahe eine Leichtigkeit.
Aufgewachsen ist Mario in der Westerwaldstraße in Spandau. Als Aushilfsjob nach der Schule begann er als Möbelträger bei der Firma Hertling. Er blieb, machte den Führerschein, bekam den Siebeneinhalb-Tonner, später den 40-Tonner. Immer mit einem zweiten Fahrer ging es meist nach Südeuropa.
Als 20-Jähriger lernte er seine Frau kennen. Zwei Jahre später kam seine Tochter zur Welt. Von Montag bis Sonnabend war er unterwegs, während Frau und Kind zu Hause waren. Als sein bester Freund Hilfe brauchte, nahm Mario ihn auf.
Warum sich das Leben von Mario veränderte
Als er eines Tages von einer langen Fahrt zurückkam, standen Blumen auf dem Tisch. Seine Frau und sein Freund waren jetzt zusammen. „Und ich bin rausgeflogen“, sagt Mario. Zwei Wochen kam er bei seinem Bruder unter, dann ging es nicht mehr. Mario fing an zu trinken.

Mario Z. ist froh in seiner Wohnung. An Fenstern und Balkon hängt Weihnachtsschmuck.
Pamela KatehnerEr schlief im Fahrerhaus seines Lastwagens, war eigentlich nie nüchtern. Am nächsten Tag stand jedoch die nächste Tour. Mario flog auf, verlor den Führerschein und seine Arbeit. Innerhalb von zwei Monaten war alles weg. Das Leben, wie er es kannte, war vorbei.
Mario lernte eine neue Frau kennen und zog zu ihr in die Spandauer Neustadt. Irgendwann habe sie ihn aus der Wohnung geworfen, erzählt er. Sie blieben zwar ein Paar, aber ihm blieb nur die Obdachlosenunterkunft.
Leben im Obdachlosenwohnheim: Alkohol und Drogen
Elf Quadratmeter mit Bett, Kühlschrank und Fernseher, Gemeinschaftsküche und -bad. „Zum Duschen bin ich immer ins Schwimmbad gegangen.“ Zum Glück musste er nicht auf der Straße schlafen. Ein, zwei Nächte vielleicht, sagt er.
Die „Herberge zur Heimat“ hätten alle die Ruhestätte genannt. Sie liegt noch in Spandau, in der Falkenseer Chaussee, 300 Meter sind es bis zur Landesgrenze Brandenburg. Von den Menschen dort erzählt er mit gesenktem Kopf: „Viele Verrückte, Alkohol, Drogen, einfach alles.“ Dann schaut er aus dem Fenster: „Ich habe jede Woche drei, vier Leute gesehen, die sie rausgetragen haben.“
Er wollte unbedingt weg von dort. Seine Freundin hat ihm von Spax erzählt. Ein Projekt für Alkohol- und Drogenabhängige in Spandau. Gleich in ihrer Nähe eröffnete der Verein Fixpunkt einen Standort. Mario sträubte sich zunächst. „Wenn ich schon in so einem Heim wohne, dann will ich nicht irgendwo arbeiten, wo auch alle Drogen nehmen.“
Sozialprojekt in Berlin-Spandau gibt Mario Beschäftigung
Aber er probierte es und verstand sich gut mit den Sozialarbeitern. „Ich war einer der ersten Arbeiter bei Spax, habe den Laden renoviert. Die Theke ist von mir.“ Etwas selbst zu bauen, das ist Mario wichtig. Jahrelang hat er Möbel für andere aufgebaut. Auf die Frage, was er gelernt hat, antwortet er: Möbeltischler.
Mario pendelte zwischen Wohnheim und der Spandauer Neustadt. Seine Freundin holte ihn abends nach der Arbeit ab, mittwochs wurde öffentlich gekocht, dann aßen sie zusammen. Die Beziehung hielt nicht, aber Mario fuhr weiter jeden Tag zu seinem Ein-Euro-Job bei Spax. Er hatte etwas zu tun, das machte ihn froh.

Mario Z. und sein Kater. Damit sich Cäsar wohlfühlt, hat ihm Mario etwas zum Klettern und Verstecken gebaut.
Pamela KaethnerAls Spax ihn eine Zeit lang wegen fehlender Gelder nicht beschäftigen konnte, fand er ein anderes Projekt am Leopoldplatz. Er sammelte ehrenamtlich weggeworfene Spritzen und erzählt, wie gut er sich mit den Süchtigen, die dort arbeiteten, verstand. Sozialarbeiter Markus von Spax sagt über Mario: „Er nimmt die Dinge, wie sie sind und versucht das Beste daraus zu machen.“
Spax wuchs, Sozialarbeiter kamen und gingen. Mario fühlt sich dennoch als Teil des Projekts. Er ist einer der ersten Stunde. Zehn Jahre vergingen. Eines Tages sagt die Chefin von Spax zu ihm: „Du siehst fertig aus, aber du kommst immer pünktlich zur Arbeit. Morgen früh kommst du mit ins Bezirksamt.“
Hilfe vom Bezirksamt Spandau
Marios Ticket raus aus dem Wohnheim heißt: geschütztes Marktsegment. Die Fachstellen der Bezirksämter haben Kooperationen mit Wohnungsunternehmen, über die sie wohnungslosen Menschen eine Wohnung vermitteln können.
Mario wird befragt: „Glauben Sie, dass Sie nach zehn Jahren im Wohnheim eine Wohnung sauber halten können?“ „Wollen Sie vielleicht erst einmal betreut wohnen?“ Er antwortet, er sei ein Eigenbrötler, er brauche etwas Eigenes.

Mario Z. (von links), Sozialarbeiter Jörg Ciomber und Manne bei der Weihnachtsfeier von Spax in der Spandauer Neustadt. Bürgermeister Frank Bewig und Stadtrat Gregor Kempert waren auch dort.
Pamela KaethnerDas Bezirksamt übernahm die Bürgschaft für ihn, er konnte zwei Jahre auf Probe in einer eigenen Wohnung leben. Im Wohnheim sagten sie ihm, er könne noch zehn Tage bleiben, bis die Erstausstattung kommt – ein Bett, eine Waschmaschine, ein paar Möbel. Mario schlief auf dem nackten Boden, sobald er den Schlüssel für die Wohnung hatte. „Ich wollte hier nicht mehr raus“, sagt er und lacht wie ein Junge.
Das ist jetzt über sechs Jahre her. Er hat sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Das Jobcenter zahlt die Wohnung, er den Strom. Immer pünktlich. Die Nachbarn kommen zu ihm, wenn sie Hilfe beim Möbelbau oder bei der Elektrik brauchen.
Am Wochenende geht er zu seinem Freund Manne, keine 10 Minuten zu Fuß. „Ein Kollege von Spax“, sagt er. Mario hat geholfen, ihn und zwei andere Freunde von Spax im Quartier unterzubringen. Manne hat früher auf der Straße geschlafen, vor einiger Zeit hatte er einen Schlaganfall. Mario kocht für die beiden Rouladen oder gefüllte Paprika. Wenn er bei Manne ankommt, ist das Essen noch warm.
Bevor Mario die Tür zu seiner kleinen Wohnung schließt, sagt er: „Es hat sich gelohnt zu kämpfen. Vor ein paar Jahren dachte ich, ich komme nie mehr aus dem Heim raus.“ Für das kommende Jahr hat er keine besonderen Wünsche. Er freut sich darauf, nach monatelanger Krankheit wieder bei Spax zu arbeiten.


