Tafel in Berlin-Spandau
: Schulden, Angst, Demenz – Schicksale von Bedürftigen

Viele Menschen, auch in Berlin-Spandau, können sich Lebensmittel nicht mehr leisten. Sie brauchen Unterstützung. Eine ist die Tafel. Welche Schicksale dort geteilt werden.
Von
Tanja Römischer
Spandau
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Christine Fleischer ist Kundin der Berliner Tafel. Sie ist froh über die Lebensmittel, die sie von der Laib-und-Seele-Ausgabestelle in Spandau bekommt.

Christine Fleischer ist Kundin der Berliner Tafel. Sie ist froh über die Lebensmittel, die sie von der Ausgabestelle in Spandau bekommt.

Tanja Römischer
  • Berliner Tafel hilft Bedürftigen mit Lebensmittelausgaben; 450 Personen in Spandau betroffen.
  • Christine Fleischer bezieht Grundsicherung, hat Mietschulden und nutzt die Tafel in Spandau.
  • Ehrenamtliche wie Christine Hoppmann unterstützen Bedürftige; emotional bewegende Geschichten.
  • 49 Ausgabestellen in Berlin, vier in Spandau; Bedarf an Spenden, vor allem Konserven.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Inmitten der hektischen Großstadt wächst die Zahl der Menschen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Aus den unterschiedlichsten Gründen benötigen sie staatliche Unterstützung. Und doch reicht das Geld meist nicht aus, um die einfachsten Dinge, wie Lebensmittel einzukaufen.

Die Berliner Tafel und die Berliner Kirchengemeinden versuchen, zu helfen. An ihren Ausgabestellen, „Laib und Seele“ genannt, kommen die verschiedensten Menschen zusammen, um einmal pro Woche gespendete Lebensmittel in Empfang zu nehmen. Bis zu 450 sind es allein in der Ausgabestelle in der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde in Ortsteil Falkenhagener Feld.

Tafel-Kundin in Spandau: Angst, die Wohnung zu verlieren

Christine Fleischer ist 55 Jahre alt und wohnt in Spandau. Sie kommt regelmäßig in der Ausgabestelle vorbei. Jeden Freitag holt sie sich Lebensmittel ab, „weil das Geld vorne und hinten nicht reicht“, sagt sie. Christine Fleischer ist auf Grundsicherung angewiesen – 450 Euro seien das im Monat. Sie hat Mietschulden und jeden Tag Angst, ihre Wohnung zu verlieren.

Sie hat in ihrem Leben schon einige Schicksalsschläge erlitten und ist froh darüber, dass es die Tafel gibt. Natürlich kaufe sie auch selbst ein, die Lebensmittel von „Laib und Seele“ seien zur Überbrückung, erklärt die Spandauerin. Das Essen sei gut und die Ehrenamtlichen seien auch immer hilfsbereit.

Einzig die Einstellung einiger Bedürftiger kritisiert sie. Demnach denken einige – es seien nur wenige, betont sie – eher an sich selbst. So wurde sie beispielsweise nach eigenen Angaben schon geschubst und geschlagen, als sie an ein Regal herantreten wollte, an dem sich die Bedürftigen verschiedenen Dinge aussuchen können.

Christine Fleischer sagt dazu in einer Art Appell: „Wir sind alle bedürftig und man muss mit den Mitmenschen umgehen können. Man kann seine Aggressionen nicht immer an den Menschen auslassen.“

Ehrenamtliche in Spandau teilt bewegendes Schicksal

Auch die Ehrenamtlichen nehmen Anteil an den verschiedenen Schicksalen. Eine von ihnen ist Christine Hoppmann. Sie ist die Organisatorin der Laib-und-Seele-Ausgabestelle im Haus der Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde und gleichzeitig im Gemeindekirchenrat. Oftmals ist sie für die Registrierung der Kundinnen und Kunden verantwortlich. Sie kommt mit ihnen ins Gespräch, erlebt Dinge mit, die sie nicht loslassen.

Als besonders bewegend beschreibt Hoppmann die Geschichte zweier Rentner, die zu „Laib und Seele“ kamen. Die Ehefrau sei sehr nett gewesen, der Ehemann habe kurz vor der Demenz gestanden. Die Frau sei inzwischen verstorben, ihr Ehemann komme noch immer vorbei, sei aber schon ziemlich hilflos. Die Ungewissheit, wie sie am besten helfen könne, gehe ihr sehr nah, sagt Christine Hoppmann.

Die Berliner Tafel unterstützt seit 1993 zahlreiche soziale Einrichtungen mit gespendeten Lebensmitteln. Mit steigendem Bedarf wurden die Aktivitäten ausgeweitet: Seit 2004 können sich Bedürftige Lebensmittel gegen einen kleinen Betrag direkt an den Laib-und-Seele-Ausgabestellen der Tafel abholen. Einmal die Woche sind diese geöffnet.

Christine Hoppmann ist Organisatorin der Laib-und-Seele-Ausgabestelle in Spandau.

Christine Hoppmann ist Organisatorin der Laib-und-Seele-Ausgabestelle in Spandau. Die Schicksale der Bedürftigen bewegen auch sie.

Tanja Römischer

Insgesamt gibt es in Berlin 49 Ausgabestellen, vier davon in Spandau. Die Arbeit vor Ort ist hart. Organisatorin Christine Hoppmann ist zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen an Ausgabetagen schon früh auf den Beinen. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit beginnt jeden Freitag um 8 Uhr und endet meist um 18 Uhr.

Bereits am Donnerstag werden einen halben Tag lang erste Vorbereitungen getroffen. Christine Hoppmann räumt im Gespräch ein, dass die Beteiligten den Arbeitsaufwand zu Beginn unterschätzt hätten.

Die Ehrenamtlichen von Laib und Seele in Spandau bereiten die Kisten vor, die an die Bedürftigen ausgegeben werden.

Die Ehrenamtlichen von „Laib und Seele“ in Spandau bereiten die Kisten vor, die an die Bedürftigen ausgegeben werden.

Tanja Römischer

Christine Hoppmann ist dennoch gerne Ehrenamtliche. Ihre Tätigkeit hat sie aufgenommen, um unter Menschen zu sein, mit anderen zu reden, sich auszutauschen und etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun.

Für das Jahr 2025 sind die Wünsche auf beiden Seiten bescheiden. Während Christine Fleischers größter Traum ist, endlich wieder einen Hund halten zu dürfen, äußert Christine Hoppmann von „Laib und Seele“ keine größeren Wünsche. Dennoch ist jeder dazu eingeladen, zu spenden. Was immer gebraucht werde, seien Konserven, erklärt Hoppmann. Wenn vor Ort kein Gemüse vorrätig sei, packe das Team stattdessen Konserven in die Lebensmittelkisten.