Die Aufregung ist ihm anzumerken. „Ich traue ihr zu, dass sie etwas verändern wird“, sagt der Kreistagsabgeordnete Jan Sommer über die frisch gekürte Kanzlerkandidatin seiner Partei – Annalena Baerbock. Sommers Name steht nur drei Plätze unter Baerbock auf der Landesliste in Brandenburg, auch das ist seit dieser Woche sicher. Der Bio-Bauer aus Müncheberg ist noch hörbar ergriffen von den jüngsten Ereignissen in seiner Partei, für die er im Kreistag von Märkisch-Oderland sitzt.

Realistische Chance auf Kanzleramt für Annalena Baerbock?

Auf die Frage, ob er Annalena Baerbock oder Robert Habeck favorisierte, antwortet er lieber indirekt: „Was gestern war, war gestern. Mich interessiert, was morgen sein wird.“ Und er räumt der Spitzenkandidatin realistische Chancen auf den Wahlsieg ein. Die Grünen belegen derzeit in Wahlumfragen den zweiten Platz hinter der Union: „Ich bin aufgeregt. Es kann gelingen, die Dinge doch noch umzudrehen.“ Sommer hatte Baerbock persönlich vor ein paar Jahren getroffen. Er ist sowohl politisch als auch menschlich von ihr überzeugt: „Sie ist eine ehrliche Haut und ein scharfer Kopf.“
Die 40-Jährige gehe auf Menschen zu, habe Empathie und könne Vertrauen erzeugen. Außerdem spreche für Baerbock, dass Umweltschutz und Klimafragen von Anfang an ihre Themen gewesen seien.

Der Bio-Bauer aus Brandenburg will in den Bundestag

Was seine eigenen Chancen auf ein Bundestagsmandat betrifft, bleibt Jan Sommer realistisch. „Bei den aktuellen Umfragewerten wäre ich auf Platz vier noch nicht dabei – aber ich kämpfe darum, dass ich in den Bundestag komme.“ Denn dort fehle aktuell noch der „Bio-Bauer aus Brandenburg“, wie Sommer sich selbst bezeichnet. Er betreibt mit seiner Lebensgefährtin den Waldpferde-Hof in Dahmsdorf bei Müncheberg. Sie erzeugen Gemüse und Getreide für den Bio-Lebensmittel- und Naturkosthandel.
Betreiber eines Bio-Bauernhofs: Jan Sommer ist Kreistagsabgeordnete für die Grünen in Märkisch-Oderland.
Betreiber eines Bio-Bauernhofs: Jan Sommer ist Kreistagsabgeordnete für die Grünen in Märkisch-Oderland.
© Foto: Gerd Markert
Laut Sommer habe die Landwirtschaft in der Mark mit dem sandigen Boden und den geringen Niederschlägen besondere Herausforderungen. Außerdem seien Investoren in Brandenburg sehr aktiv, es müsse mehr gegen die Spekulation mit dem Boden vorgegangen werden.

Jan Sommer: „Wir passen nicht mehr in eine Schublade“

Mit der finalen Kür der ersten Kanzlerkandidatin ist für Sommers Partei endgültig eine neue Ära angebrochen. Das mache sich für den 50-Jährigen auch in der inhaltlichen Ausrichtung bemerkbar. „Wir passen nicht mehr in eine Schublade“. Mittlerweile würden die Grünen auch von Handwerkern und Sozialarbeitern gewählt werden, „Wir sind viel breiter aufgestellt.“ Es gehe für ihn und seine Partei nicht mehr nur um die Klimakrise und Klimagerechtigkeit, sondern beispielsweise auch die Frage wie Dörfer wieder lebendiger werden, damit die Menschen nicht mehr pendeln müssen.
Wünsche, mit wem die Grünen unter Annalena Baerbock ab Herbst koalieren könnten, möchte Jan Sommer noch nicht konkretisieren. Die CDU steht allerdings nicht sehr weit oben auf seiner Wunschliste. Denn sie hätte beim Thema Agrarpolitik zu lange auf der Bremse gestanden, etwa beim Thema Bodenspekulationsschutz. „Sie sind noch nicht soweit“, befindet Sommer, weshalb er sich einen anderen Partner für eine eventuelle Regierungskoalition wünscht.

Strausbergs CDU hat sich auf Favoriten festgelegt

Apropos CDU. Deren Parteivorstand möchte noch am Montagabend beraten, wen sie nun als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken werden. Eine Frage, die sich die Strausberger CDU nicht mehr stellen müsste. Ihr Favorit heißt Markus Söder. Warum sie nicht hinter dem Chef ihrer eigenen Partei stehen, möchte der Strausberger CDU-Vorsitzende Dieter Theodor Beckers auf Nachfrage nicht im Detail beantworten: „Armin Laschet hat Vorzüge und er ist ein guter Parteivorsitzender, aber Markus Söder bringt mehr Stärken für die Kanzlerschaft mit.“ In dem Vorsitzenden der Bayerischen Schwesternpartei sehen sie „mehr Chancen, die Modernisierung und Erneuerung Deutschlands voranzubringen“, erläutert Beckers. Die Beliebtheit bei Umfragen spielten indirekt eine Rolle. Jene Umfragen sind „letztlich Ausdruck der Zufriedenheit der Menschen mit Söders Politik, und dies schon seit geraumer Zeit: Markus Söder liegt schon seit eineinhalb Jahren in den Umfragen vorn.“
Beckers moniert allerdings, dass die Basis bisher nicht bei der K-Frage involviert wurde. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Basis frühzeitig in den Auswahlprozess mit einbezogen worden wäre und die Entscheidung nicht nur im Vorstand und im Präsidium getroffen wird. So hätte es schneller einen Spitzenkandidaten gegeben.“
Im Falle einer Regierungsbildung, wollte Beckers noch keinen favorisierten Partner nennen: „Eine Zusammenarbeit ist mit allen demokratischen Parteien denkbar – dazu zählen wir nicht die AfD.“