Corona-Krise: Autokino ab Juni auf dem Schlossgut Altlandsberg

Blick aus dem Auto: Am Brauhaus Altlandsberg könnte ab Juni eine Leinwand aufgebaut sein. Schlossgut-Geschäftsführer Stephen Ruebsam testet gerade, wo es sich auf dem Domänenhof am besten Filme im Autokino schauen lässt. Das Gutshaus ist auch im Gespräch.
SchlossgutDer Corona-Eindämmungsverordnung zum Trotz hat die Schlossgut GmbH die Frequenz 97,0 MHz für Autokino reservieren lassen.
Geschäftsführer Stephen Ruebsam erklärt, wie in Altlandsberg zukünftig Open-Air-Filme gezeigt werden können.
Herr Ruebsam, wie kamen Sie auf die Idee, am Schlossgut ein Autokino zu machen?
Vor vier Wochen hatten wir überlegt, was wohl als erste Veranstaltung wieder möglich wäre. Da wir schon von Autokinos in Nordrhein-Westfalen gehört haben, wollten wir es für uns auch ausprobieren und haben die Genehmigungen eingeholt. Der erste Weg war, eine UKW-Frequenz zu besorgen. Es ist ja nicht mehr wie früher, dass man Lautsprecher ins Auto hängt, sondern dann im Autoradio den Ton des Kinofilms hört. Es gibt zwei Behörden, die darüber entscheiden: die Bundesnetzagentur für die Zuteilung der Frequenz, von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg kam die Unbedenklichkeitsbescheinigung.
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Der Landkreis musste nicht zustimmen?
Es brauchte keine Genehmigung vom Landkreis, da es ja weder Lärm- noch Umweltschutz tangiert. Es ist ja keine Messe oder Großveranstaltung. Wir nehmen Eintritt und kontrollieren, wer kommt. Als Kinoveranstalter verlegen wir nur auf unseren Hof. Wenn wir konkrete Termine haben, melden wir die natürlich beim Gesundheitsamt. Zu laut kann es bei uns auch nicht werden, da der Ton ja im Autoradio läuft. Die Autos stehen nicht auf einer Wiese, so ist auch der Umweltschutz nicht betroffen.
War es dennoch schwierig, alle amtlichen Wege zu gehen?
Nein, es dauert nur seine Zeit wegen vermehrter Anfragen für Autokino-Frequenzen. Für uns war es aber relativ leicht. Als Kinobetreiber hatten wir beides schon: Die Vorführlizenz und die Leinwandnummer. Wenn wir als Kino in der Schlosskirche die Leinwand von innen nach außen tragen, müssen wir nicht von ganz vorn anfangen.
Ab wann soll der erste Film gezeigt werden?
Wir wollen im Juni starten. Der Tag steht noch nicht fest. Erst einmal wird geprüft, wie das alles funktionieren kann. Wegen der Corona-Abstandsregeln müssen wir nicht nur die sanitären Bedingungen einhalten. Es muss jemand dafür sorgen, dass nur vereinzelt Leute die Toiletten benutzen und desinfiziert wird. Wir müssen auch auf die Autos achten. Wenn die Türen geöffnet sind und Menschen aussteigen, dürfen diese sich nur in einem Mindestabstand von 1,5 Metern begegnen. Bei Cabrios muss das Dach geschlossen bleiben. Die Leute dürfen sich nicht zu nah kommen.
Gibt es dazu ein passendes gastronomisches Angebot?
Es ist nicht so, dass wir an den Autos bedienen dürfen. Wir können nur eine To-Go-Variante machen. Man wird sich in der Stadtinformation etwas kaufen können, da hilft uns der Kulturverein K hoch 3. Alles andere wäre zu kompliziert, um die Vorschriften einzuhalten.
Gibt es Beschränkungen bei der Personenanzahl im Auto?
Von mir aus könnten die Leute auch zu fünft drin sitzen. Sie werden aber nicht alle etwas sehen können, weil die Leinwand erhöht angebracht wird. Wenn man hinten sitzt, sieht man so gut wie gar nichts mehr. Unser Preis orientiert sich an zwei Personen pro Auto. Wir zählen die Anzahl der Autokinogäste bei jeder Vorstellung und übermitteln diese der Filmförderanstalt.
Wie teuer ist das Autokino, um die Kosten einzuspielen?
Wir rechnen das gerade durch. Momentan gehen wir von 20 Euro pro Auto aus. Dadurch, dass die Autos weit voneinander entfernt stehen müssen, passen nur ungefähr 50 Autos auf den Hof. Wir haben auch Lizenzgebühren und Kosten für Personal. Manche Autokinos sind sogar teurer. Es kann trotzdem funktionieren. Wir haben erst am Wochenende über Facebook als Rückmeldung bekommen: Die Leute wollen das unbedingt!
Für welchen Zeitraum ist das Autokino geplant?
Wir machen das nur in der Sommersaison. Wegen Konzerten und anderen Veranstaltungen mussten wir einmal im Monat in der Schlosskirche umbauen. Aber jetzt wollen wir das ganze Wochenende durchgängig jeden Tag (Freitag, Sonnabend, Sonntag) eine wöchentlich wechselnde Vorstellung machen, damit die Leute diesen Ort erleben können. Wie lange wir es anbieten, hängt von der aktuellen Eindämmungsverordnung ab.
Wo genau wird die Leinwand installiert?
Auf dem Domänenhof wird die Zufahrt von zwei Seiten gewährleistet. Entweder die Leinwand wird am Gutshaus angebracht und die Autos sind auf das Gutshaus gerichtet, oder sie wird am Brau- und Brennhaus sein. Dort stehen die Autos dichter dran, aber es passen auch weniger hintereinander. Wir probieren die Sicht darauf gerade noch aus.
Ist das Programm schon geplant oder können sich die Zuschauer Filme wünschen?
„Booksmart“ (2019, von Olivia Wilde) wollen wir nach vorne ziehen. Ansonsten haben wir einige, die wir noch nicht zeigen konnten. Zum Spätsommer ist ein Ost-Special mit Defa-Filmen geplant. Vielleicht kommen dann auch nur Ost-Autos zu uns. Das ist aber nur eine Idee. Die Zuschauer könnten sich theoretisch etwas wünschen. Wir müssen nur schauen, ob es möglich ist, dafür Lizenzen zu bekommen.
Wer stellt die Filme zusammen?
Die künstlerische Auswahl treffe ich im Team. Bei Bedarf ziehen wir Ferdinand Niedlich und seine Frau Hanna hinzu. Ganz aktuell sind wir nicht. Wir würden auf jeden Fall spielen, was in den vergangenen anderthalb Jahren erfolgreich in den Kinos lief, aber dazu auch ältere Filme. Blockbuster möchten wir nicht zeigen, weil wir hier keinen riesengroßen Zulauf gebrauchen können. Irgendwie muss das ja alles gemäß der Verordnungen auch durchführbar sein.
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