Insgesamt 500 Mund-Nasen-Schutze hat das Netzwerk Offenes MOL von der Bad Freienwalder Initiative "Wir packen’s an" bekommen, 100 davon hatte das Grüppchen zum Verteilen an dieser Station dabei. Gemessen an der aktuellen Belegung von 80 bis 90 Menschen.
"Kinder brauchen erst ab sechs Jahren eine Maske", erklärte Christian Raschke einer jungen Frau mit einem kleinen Jungen auf dem Arm, der noch weit von dieser Altersgrenze in der jüngsten Anordnung vom Land entfernt ist. Verteilt wurden an die Geflüchteten, die einzeln zum Empfang herantraten, auch Infozettel zur Maskenpflicht. "Und wenn sie sich selbst eine nähen wollen, gibt es auch Leute, die Nähmaschinen organisieren würden", sagte Heike Krüger, die beim Netzwerk Toleranz und Integration (NTI) arbeitet.
Bereits eine von ihr selbst gefertigte Maske trägt Seran Heidary, eine der wichtigsten Verbindungspersonen zwischen Helfern und Heimbewohnern. "Unter anderem die Sprachkurse fallen jetzt auch aus", verweist sie auf eines der vielen Probleme in Corona-Zeiten. Sie selbst spricht inzwischen relativ gut Deutsch, will sich aber weiter verbessern. "Es gibt zwar einige Online-Angebote, aber ohne Computer nützen die nichts." Und selbst wenn sie sich vielleicht von irgendwo einen Laptop zulegen könnte – durch die alte Elektroanlage dürfe zum Überlastungsschutz pro Zimmer nur ein elektrisches Gerät angeschlossen werden.
Seran Heidary ist aus dem Iran geflüchtete Kurdin, lebt mit ihrem 16-jährigen Sohn zusammen. Der hatte daheim sieben Jahre lang Fußball gespielt, war gut in der Schule. Jetzt sitze er nur rum, erzählt seine Mutter, die zwar dankbar für die erhaltene Zuflucht ist, die generelle Unterbringungsumstände aber äußerst kritisch sieht. "Warum dürfen so starke Männer nicht arbeiten gehen?", fragt sie mit Blick auf einen robust gebauten Afrikaner, der ein Stück entfernt steht. Dass so viele Menschen auf so engem Raum vereint leben müssen, sei ebenfalls nicht gut, noch mehr als zuvor gerade in dieser Zeit: "Ich habe 1000 Fragen, bekomme aber keine Antwort. Und die Situation macht mein Herz krank." Das betreffe auch den Informationsfluss im Heim, der aus ihrer Sicht gar nicht funktioniere.
Immerhin gebe es just seit diesem Tag endlich Desinfektion, erzählt ein anderer Bewohner. Chakar Ahmed stammt aus der pakis-tanischen Provinz Belutschistan, lebt seit rund zwei Jahren in Deutschland, anderthalb davon in Müncheberg. "Küchen und Toiletten für alle – da gibt es keine Abgrenzungen. Und auch die Türgriffe werden von allen angefasst. Heute wurde mal gereinigt, doch das müsste regelmäßig passieren", schildert er die Lage im Haus – und warum es in den Gemeinschaftsunterkünften real eben kaum möglich ist, die Abstandsregeln von mindestens anderthalb Metern und andere Schutzvorkehrungen einzuhalten.
Mit einem offenen Brief haben sich nun verschiedene Vereine und Gruppen an den am Donnerstag per Videokonferenz tagenden Sozialausschuss sowie den Landrat gewandt. Verwiesen wird auf den ersten an Corona gestorbenen Flüchtling in Bayern, der sich als Risikopatient in einem Vierbettzimmer nicht wirksam schützen konnte, ebenso wie auf 413 unter längerer Quarantäne stehende Heimbewohner in Hennigsdorf sowie die in der räumlichen Enge vergleichbaren Pflegeheime, wo es auch schon viele Übertragungsfälle gibt.

Mehr Information angemahnt

Als Sofortmaßnahme wird zumindest für alle Familien (in Müncheberg leben etwa 20 Kinder) und Risikopatienten die Verlegung in alternative Unterkünfte gefordert – Möglichkeiten gebe es mit leer stehenden Einrichtungen wie Drei Eichen und der Jugendherberge Buckow sehr wohl. Für alle anderen müssten zumindest die Mehrbettzimmer aufgelöst werden. Angemahnt wird für Bewohner wie interessierte Öffentlichkeit umfassende Information über Notfallpläne.
Unterzeichner des Briefes sind neben Offenes MOL und NTI der Kreis-, Kinder- und Jugendring, Mitglieder der Willkommensinitiativen Müncheberg und Neuhardenberg, Drei Eichen, der Verein Lernvielfalt in Märkisch-Oderland (LIMO), das Bündnis Solidarisch_Müncheberg sowie Bewohner des Müncheberger Heims. Nicht nur dort wurden Masken verteilt, sondern auch vormittags bereits in Kunersdorf, später in Neuhardenberg – sowie im Randberliner Hoppegarten.