Eine außergewöhnliche Entdeckung hat ein Strausberger Paar vor wenigen Tagen gemacht. Beim Öffnen des Briefkastens am Otto-Grotewohl-Ring vermuteten die beiden zunächst, jemand habe ihnen eine Heuschrecke hineingesetzt. Doch bei näherem Hinsehen erwies sich das Tier als eine Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa), teilte Uwe Spranger, Sprecher der Stadtverwaltung Strausberg, mit.
Die Fangschrecke hat ihren Namen bekommen, weil sie ihre Fangarme faltet, als ob sie betet. Sie ernährt sich vor allem von Insekten und Spinnen und tarnt sich gut, ist deshalb in der Regel schwierig zu entdecken. Am ehesten kann das von August bis in den Oktober hinein gelingen.

Woher kommt diese Fangschrecken-Art?

Ursprünglich kommt das Insekt aus Afrika, ist aber auch in Europa heimisch geworden. Die Europäische Gottesanbeterin ist aber die einzige von etwa 2400 Fangschrecken-Arten, die in Deutschland vorkommt. Sie liebt Wärme, verträgt Trockenheit und breitet sich derzeit gerade in Berlin-Brandenburg von Süden nach Norden aus.
Beim Potsdamer Naturkundemuseum ist dazu ein Bürgerwissenschaftsprojekt mit dem Titel „Gottesanbeterin gesucht!“ gestartet worden. Im Zuge der aktuellen klimatischen Veränderungen gebe es hier die Chance, die Ausbreitung einer Art mitzuerleben, sagt Dirk Berger, Biologe im Naturkundemuseum. Er gehört zum Team von Museum und Entomologen des Freundeskreises Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg, das mit Bürgerinnen und Bürgern die Ausbreitung der Europäischen Gottesanbeterin in der Region erforscht. Auslöser war deren Wahl zum Insekt des Jahres 2017.

Bereits mehr als 2500 Funde registriert

Nach dem ersten Aufruf zum Mitmachen kamen laut Sprangers Information zunächst knapp 100 Meldungen aus dem ganzen Bundesgebiet, inzwischen ist man bei mehreren hundert pro Jahr. Insgesamt sind etwa 2500 Funde in der Datenbank, überwiegend aus Berlin und Brandenburg.
Mit den Daten werden Verbreitungskarten erstellt. Anhand derer kann die Ausbreitung der Art über die Jahre hinweg nachverfolgt werden. Auch das Strausberger Exemplar ist nun dafür registriert. Wichtig ist, dass Fundort mit Straße und Hausnummer oder Standort-Koordinaten vom Handy, das Funddatum und ein Bild per Mail (dirk.berger@rathaus.potsdam.de oder post@manfred-keller.de) an die Forscher geschickt werden. Man beantworte alle Mails, und mit den kompletten Angaben könnten unnötige Rückfragen vermieden werden, hieß es.
Vom Strausberger Bild haben die Experten laut Spranger abgelesen, dass es sich wohl um ein Weibchen handelt. Die legen ab September bis in den Oktober hinein die Eierpakete ab, aus denen im kommenden Frühjahr die neue Generation schlüpft. Das sind bis zu 200 etwa fünf Millimeter große Nymphen, die dann bis August/September heranwachsen. Mit den ersten Frösten endet ihr Lebenszyklus. Für manches Männchen schon eher: Es wird nach der Paarung vom Weibchen verspeist.

Petershagen-Eggersdorf

Die Strausberger Entdecker haben ihr Exemplar zunächst in der Nähe des Hauseingangs abgesetzt, später aber mit auf den Balkon genommen, damit es nicht von den Krähen gefressen wird, wie sie erklärten. Bisweilen ließ es sich das Tier auf einer Holzbank in der Sonne gut gehen, ist dann aber verschwunden. Die Experten sagen, man könne die Gottesanbeterin getrost sich selbst überlassen. Und es gehe keine Gefahr von ihr aus. Momentan ist die Art ist vor allem im Süden Brandenburgs verbreitet. Aus OberspreewaldLausitz, Spree-Neiße, Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Cottbus lägen bislang die meisten Sichtungen vor. Aber auch in Potsdam und Berlin sowie dem Umland werde die Art immer häufiger nachgewiesen, hieß es. Nur aus der Uckermark gebe es bislang nur einzelne Meldungen. Die erste Gottesanbeterin wurde in Brandenburg übrigens 2007 gefunden, in Berlin bereits 1998.