Eine sehr emotionale Diskussion um die Vergabe des Hauses der Generationen, zumindest wurde diese so von Gemeindevertretern beschrieben, fand bei einer Sondersitzung einen Abschluss, wenn auch nur mit einer knappen Mehrheit für einen der beiden Anbieter. Zum größten Teil liefen diese Aussprachen der politischen Gremien hinter verschlossenen Türen, da in der Diskussion dazu Details aus dem Vergabeverfahren eine Rolle spielten, die aus verwaltungsrechtlicher Sicht nur nichtöffentlich behandelt werden durften, lautete die Begründung dafür.

Zwei Bewerber melden sich

Am 1. Juli hatte Hoppegarten die Ausschreibung „Betreibung Haus der Generationen als Projekt Mehrgenerationenhaus ab 1. Januar 2021“ gestartet. Zwei Bieter hat es gegeben. Den bisherigen Betreiber von der Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin (SPI) und, das ziemlich überraschend, die Johanniter-Unfall-Hilfe.
„Einiges ist nicht so gelaufen, wie wir uns das gewünscht hatten“, sagt Thomas Scherler, Fraktionsvorsitzender der Hoppegartener CDU, und begründete: „Wir wurden bei der Entscheidung mächtig von der Verwaltung unter Druck gesetzt. Erst jetzt hat es sich aufgeklärt, dass eine Entscheidung für einen Betreiber erst Ende des Jahres notwendig geworden wäre und nicht wie zuerst behauptet zum 30. September.“

Zufrieden mit dem alten Betreiber

Beide Anbieter hatten Zeit, sich vorzustellen, wobei es bei der SPI nicht nötig war. „Wir wissen, was wir haben und sind sehr zufrieden damit. Wir würden gern mit dem bisherigen Betreiber weiter zusammenarbeiten“, sagte Ruth Schaefer (Linke). Auch Scherler war zufrieden mit dem, was die SPI in vier Jahren auf die Beine gestellt hat.
Jedoch spielten dabei auch finanzielle Dinge eine Rolle. So argumentierten die Befürworter der Johanniter, dass bei der SPI 95 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel in Personalkosten (zwei feste Mitarbeiter und Honorare) geflossen sind, dagegen nur fünf Prozent in Projekte. Genannt wurden dabei Mittel im letzten Jahr in Höhe von 129.000 Euro seitens der Gemeinde zuzüglich 40.000 Euro aus dem Bundesförderprogramm Mehrgenerationenhäuser.

Hönower Ortsteilzentrum fließt in Betreibung ein

Bereits am 7. September stand die Vergabe auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. Damals galt die Empfehlung der Verwaltung der SPI mit einem Kostenrahmen für die Gemeinde von gut 470.000 Euro für vier Jahre. Dieser Beschlussantrag wurde von der Verwaltung zurückgezogen. Der Hintergrund war, dass beide Bewerber nochmals angehalten wurden, die Angebote entsprechend den Richtlinien der Ausschreibung zu überarbeiten. Dabei spielte u. a. auch eine Betreibung des Hönower Ortsteilzentrums eine Rolle. Im Ergebnis dieser Überarbeitung bekamen die Johanniter die Empfehlung der Verwaltung, mit einem finanziellen Rahmen seitens der Gemeinde von fast 415.000 Euro.
Mit zwölf zu zehn Stimmen bestätigte die Gemeindevertretung nun die Johanniter als neuen Betreiber des HdG ab 2021 für vier Jahre. Gestrichen wurde vorher noch auf mehrheitlichem Beschluss nach Antrag von Christian Arndt (B90/Grüne) der Passus, dass diese Vergabe nur vorbehaltlich der Erteilung eines Zuwendungsbescheides durch das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben im Förderprogramm Mehrgenerationenhaus erfolgt. Als Begründung wurde genannt, dass man mit dem Anbieter auch ohne Bundesfördermittel eine Betreibung ermöglichen wolle.
Bei einem Treffen dankte Bürgermeister Sven Siebert den beiden Mitarbeitern des HdG: „Sie haben neuen Charme in das Haus gebracht“, und gleichzeitig erwartet er vom neuen Betreiber eine Fortführung der etablierten Angebote.

Johanniter sind für alle Angebote offen

Uwe Kleiner, Regionalvorstand der Johanniter, ist für alles offen. „Von der Krabbelgrupppe bis zu mobilitätseingeschränkten Senioren werden alle ein Dach bei uns finden. Wir werden mit der Verwaltung und den Nutzern Gespräche führen und am Bedarf unsere Angebote orientieren. Dazu gehören natürlich auch kulturelle Veranstaltungen.“
Etwa Ende Oktober will Kleiner schon Genaueres zu den Angeboten sagen können. „Natürlich haben wir ein Konzept erarbeitet, das unsere Richtung vorgibt. Ich denke, vier Wochen und einige Gespräche brauchen wir, bis wir in der Sache konkreter werden können.“