Der dunkelblaue Volvo 264 TE, Baujahr 1977, ist noch immer ein echtes Schmuckstück. Dass an den Seiten sowohl die schwedische als auch die einstige DDR-Flagge im Wind flattern, macht die Verbindung deutlich: Zunächst 99 Luxusfahrzeuge dieser Art, später noch zweimal weitere, orderte die ostdeutsche Staatsführung damals bei dem schwedischen Hersteller. Und auch dieses Exemplar, das nun bei den Buckow Classics im Schlosspark bestaunt wurde, gehörte mit zum Fuhrpark von Politbüro und Ministerrat.

Geschichte und Geschichten: Fahrer gaben gern Auskunft

Geschichte und Geschichten – sie verbanden sich beim neugierigen, mitunter faszinierten oder verzückten Blick auf die alten Karossen, auf allerlei chromblitzende Details. Beim Rundgang atmeten die Gäste die von Benzingeruch angereicherte Parkluft ein, drang von nebenan das charakteristische Tuckern eines historischen Motors ins Ohr. Nur zu gern gaben die Besitzer der Oldtimer hier und da persönlich Auskunft zu ihren Schätzchen, andere hatten in Abwesenheit ein Infoblatt an die Scheibe gehängt.
Gern ließ sich auch Buckows Rosenkönigin Friederike I., die zu dem Ereignis nicht fehlen durfte, vor diesem oder jenem besonderen Stück ablichten. Darunter der prächtige Ford, Baujahr 1931, mit dem der Berliner Mathias Fiedler in die Perle der Märkischen Schweiz gekommen war. Bei der Ausfahrt weiter südlich in Bad Saarow sind er und sein Wagen schon mehrfach mitgerollt, in Buckow war er nun erstmals, erzählte er. Technische Daten wie 40 PS und 3000 ccm zu seinem Schätzchen kann er im Schlaf herunterbeten. Aber er ist auch nicht um die Erläuterung verlegen, warum ausgerechnet eine Wachtel die Kühlerfigur ist: „Die ist ausdauernd und stark, wie das Auto“, habe Hersteller Henry Ford einst gesagt. Sein Exemplar hat übrigens einen Kofferraum, in dem durchaus drei Koffer oder sonst einige Utensilien wie eine Sitzgelegenheit für Picknicks Platz finden. „Es gab die aber auch in anderer Variante mit dem sogenannten Schwiegermuttersitz“, so Fiedler.
Mario Peters aus Woltersdorf an seinem Dixi Baujahr 1927, einem der ältesten vertretenen Oldtimer, im Gespräch mit Angelika Schneider aus Buckow, deren Urgroßmutter einst einen ähnlichen Wagen fuhr.
Mario Peters aus Woltersdorf an seinem Dixi Baujahr 1927, einem der ältesten vertretenen Oldtimer, im Gespräch mit Angelika Schneider aus Buckow, deren Urgroßmutter einst einen ähnlichen Wagen fuhr.
© Foto: Thomas Berger

Dixi von Mario Peters aus Woltersdorf 1927 in Eisenach gebaut

Eines der ältesten Fahrzeuge in der Runde, wenn nicht sogar das älteste überhaupt, war der dunkelgrüne Dixi, Baujahr 1927, des Woltersdorfers Mario Peters. In einer alten Garage hatte er das Fahrzeug vor über 20 Jahren gefunden, „das war damals ein Schrotthaufen“, der Wiederaufbau zog sich rund ein Jahrzehnt hin. Zum Oldtimertreffen im Stadtpark führte er nun stolz das blitzende Schmuckstück vor, kam unter anderem mit der Buckowerin Angelika Schneider ins Gespräch. Wohl genau dieses Modell habe seinerzeit wohl auch ihre Urgroßmutter besessen und selbst gefahren, erinnert sie sich an alte Fotos, die sie einst bei ihrer Oma fand. Etwas mehr als 5000 Stück davon, weiß Peters noch zu berichten, hat der Eisenacher Hersteller damals gebaut, bis die Fabrik von BMW übernommen wurde.
Dieser prächtige Volvo (gebaut 1977) gehörte einst zum Fahrdienst von DDR-Politbüro und Ministerrat.
Dieser prächtige Volvo (gebaut 1977) gehörte einst zum Fahrdienst von DDR-Politbüro und Ministerrat.
© Foto: Thomas Berger

Zwei Ford Tudor von 1930 mit internationaler Herkunft

International ist die Vorgeschichte zweier anderer Wagen. Der Ford Modell A Tudor von Andy Köppler, den der Berliner vor vier Jahren erwarb, ist Baujahr 1930 und dereinst in Dänemark gebaut, dann nach Schweden gebracht worden. Zufällig genauso alt ist, mit geringen Variationen in der Ausführung, der in Buckow gleich daneben stehende Ford von Karl-Heinz Steil aus Hönow, der aber wiederum in Kalifornien gebaut wurde und 2019 nach Holland kam, wo er ihn kaufte. Köppler war übrigens schon das dritte Mal in Buckow dabei: „Eine schöne Veranstaltung“, lobte er das, was Cheforganisator Lars Kagel einmal mehr mit Herzblut und reichlich Vorarbeit auf die Beine gestellt hatte. Nicht allein, sondern mithilfe eines fleißigen Teams, das sich auch am Tag um alles kümmerte, wie Kagel den Mitstreitern dankte. Lediglich Ministerpräsident Dietmar Woidke als Schirmherr schaffte es nicht, vorbeizukommen.
Die Oldtimer waren ein beliebtes Fotomotiv – auch für Ilse und Sabine aus Potsdam, die gerade nebenan in Bollersdorf zu Gast waren und nach dem Vorbeifahren der Kolonne den Abstecher machten.
Die Oldtimer waren ein beliebtes Fotomotiv – auch für Ilse und Sabine aus Potsdam, die gerade nebenan in Bollersdorf zu Gast waren und nach dem Vorbeifahren der Kolonne den Abstecher machten.
© Foto: Thomas Berger

Viele blieben noch zu Kultur und Kulinarik bei der Langen Nacht

Dafür gab es andere Gäste aus Potsdam. Ilse und Sabine, die ihre Familiennamen nicht in der Zeitung lesen wollen, waren in Bollersdorf zu Besuch gewesen, als die Oldtimerkolonne auf ihrer Ausfahrt über das Buckower Dreieck, eine Rennstrecke in den 1920er-Jahren, vorbeirollte, und machten nun einen Abstecher in den Schlosspark. Dort posierten sie für ein Foto am 500 offenen Tourenwagen aus dem Hause Daimler-Benz. Lediglich elf Stück dieses besonderen Modells sind einst von 1934 bis 1936 gefertigt worden, verriet die Infotafel davor. Natürlich fehlten unter den etwa 120 Fahrzeugen auf der Wiese an der Felsenbühne auch nicht Ente, Isetta, der Puhdys-Rallyetrabi und ganz viele andere, die von Groß und Klein bewundert wurden. Viele Besucher hielten auch im Anschluss noch zu Kunst, Kultur und Kulinarik bei der Langen Nacht im reizvollen Buckow aus.
Der Erlös der Buckow Classics, so Lars Kagel, geht an die Hannelore-Kohl-Stiftung, die sich um Hilfe für Unfallopfer mit Schäden des Zentralen Nervensystems kümmert.