Teqball: Hightech für die Kicker aus Neuenhagens Talentschmiede

Tischtennis per Fuß in Neuenhagen: Die Siebtklässler Yona (13 Jahre), Vivien (13) und Jason (12) haben den Dreh beim Teqball raus.
Dirk SchaalTatsächlich sieht das brandneue Teqball der dortigen Oberschule so aus, doch es verbirgt sich Hightech dahinter, weiß Massimo Artioli, der in Deutschland diese Sportgeräte vertreibt. „Es ist tatsächlich ein hervorragendes Trainingselement, bei dem gleich mehrere wichtige Dinge im Fußball trainiert werden. Zum einen ist es natürlich die Technik. Dazu kommen die Reaktionsgeschwindigkeit sowie koordinative Fähigkeiten“, erklärte Sven Griebel, Sportlehrer und Fußballtrainer an der Neuenhagener Oberschule. Beim Teqball muss der Ball mit dem Fuß ähnlich wie beim Tischtennis über einen nach außen hin gekrümmten Tisch gespielt werden.
Erst im September war die erste Fußballklasse eingeschult worden. "Wir sind zusammen zwei Runden über den Hof gegangen, haben uns dabei unterhalten, und dann stand fest, wir machen es“, erklärte Falko Böhme, Bereichsleiter Schulen vom Internationalen Bund. Dabei waren die fußballverrückten Sven Griebel (DFB–Stützpunkttrainer) und Daniel Becker. „Wir wollten, dass Kinder, die durch die Förderung des DFB fallen, trotzdem ihren Traum leben und vielleicht mal Fußballprofis werden können. So entstand die Idee einer Fußballklasse, die dank des IB in die Tat umgesetzt werden konnte“, sagte Griebel zur Grundidee. Obwohl er gleich Feuer und Flamme bei der Idee war, kamen Böhme bei der heißen Phase Bedenken: „Da hat man gebangt, ob es überhaupt Anmeldungen gibt. Bei zwölf hätten wir sofort losgelegt, aber nachher wurden es über 20“, berichtete Böhme von den Anfängen. Auf die Frage, ob er alles noch mal genauso gemacht hätte, antwortete er mit einem Lachen: "Natürlich.“
Mittlerweile kann die Neuenhagener Fußballklasse aus den Bewerbern auswählen. „Wir hatten für die neue Klasse ab September 2020 über 60 Anmeldungen. Doch nur 20 können wir aufnehmen“, berichtete Schulleiterin Claudia Brünner. In mehreren Sichtungen wurden die Bewerber fußballerisch auf Herz und Nieren geprüft. "Es sind schon gewisse Voraussetzungen notwendig. In etwa müssen die Schüler ein ähnliches Niveau aufweisen, damit man auch im Lehrplan konstant arbeiten kann. Auch wenn es natürlich bei jedem Einzelnen unterschiedlich ausgeprägte Fähigkeiten gibt“, erklärte Griebel.
Ganz normalen Unterricht haben die Fußballer in Neuenhagen. Vier Stunden vom Wahlfachkontingent gehen für die Arbeit mit dem Ball in der Woche drauf, dazu kommen zwei AG–Stunden. Dreimal in der Woche kicken die Schüler, jeweils gleich früh zu Schulbeginn. „So sind sie zum Nachmittagstraining bei ihren Vereinen wieder körperlich regeneriert“, erklärte Böhme das Konzept.
Im gewohnten Umfeld bleiben
„Mir macht es total Spaß hier. Ich kann das neben der Schule machen, was mir am meisten Spaß macht. Ich möchte mal Fußballerin werden“, erklärte die 13–jährige Vivien. Bei einigen Sichtungstrainings war sie bereits, ihr fußballerisches Talent ist bestätigt. Auch auf eine spezielle Sportschule hätte die Neuenhagenerin gehen können, doch der Gedanke an ein Internat, die dann nur sporadisch folgenden Besuche zu Hause, haben ihr diesen Bildungsweg vermiest.
„Das ist unser Ansatz, dass die Kinder in der gewohnten Umgebung und bei ihren Vereinen bleiben, sich aber trotzdem fußballerisch weiterqualifizieren können“, sagte Griebel. Neben den bereits tätigen Union Berlin und der SG Rot–Weiß Neuenhagen haben weitere Fußballvereine der Region Interesse an einer Zusammenarbeit angemeldet.
„Genau das wollen wir fördern, den Fußballnachwuchs und den Spaß am Sport“, sagte Steffen Eckert, Leiter Marketing bei Mineralölkonzern Total, bevor er das Teqball an die Schule übergab. Etwa 1000 Euro kostet so ein Gerät, wofür sich auch Proficlubs wie Bayern München oder Eintracht Frankfurt interessieren.
Sofort nahmen die Neuenhagener Schüler Besitz vom gesponserten Sportgerät. „Die haben schon was drauf, vielleicht werden sie ja mal interessant für uns“, sagte der Leiter Sportbeziehungen von Union Berlin, Markus Heim, mit Kennerblick über die Talente in der Halle.
