Ein farbenfrohes Spektakel gegen Rechts, ein breit gefächertes Bekenntnis gegen um sich greifende Tendenzen der Intoleranz, des Rassismus, Angriffe gegen Minderheiten unterschiedlichster Facetten. Das war das Ziel der Organisatoren von #Wannwennnichtjetzt, die am Sonnabend zu einem zehnstündigen Aktionstag auf die Festwiese am Müncheberger Schützenhaus geladen hatten. Und tatsächlich hätte die Vielfalt, die da auf dem Platz mit Infoständen und Angeboten vereint war, sich auch als Botschaft durch alle Punkte des Bühnenprogramms zog, kaum größer sein können. Als sichtbar nicht erwünscht zog, ohne dass es zu einer Konfrontation kam, gleich zu Anfang ein kleines Trüppchen Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) wieder ab, nachdem es sich kurz umgeschaut hatte.
Aufstehen für eine tolerante Gesellschaft, in der niemand Angst haben muss, weil er oder sie scheinbar nicht der "Norm" entspricht, eine andere Hautfarbe hat, nicht heterosexuell liebt oder als Geflüchteter hierzulande Schutz gefunden hat. Dieses Anliegen vereinte die Mitwirkenden, die so vielfältig sonst selten bei einer Veranstaltung zusammengefunden hätten. "Natürlich sind wir hier dabei", stand für Nathalie Richter vom Verein Limo außer Frage, der in Müncheberg eine freie Schule gründen will. "Eine freie, demokratische Schule" ausdrücklich, und das Team rief an seinem Stand dazu auf, auf Zetteln Träume zu notieren.
Ganz ähnlich sah der Anstoß bei der Willkommensinitiative Müncheberg, stark angedockt an die evangelisch-freikirchliche Gemeinde, an deren Stand aus. Dort wuchs ein Holzturm mit Wünschen für die Gesellschaft in die Höhe, Stichworte wie Rücksicht, Verständnis, Liebe, Respekt, Würde und Visionen. Wenige Meter weiter gab es Siebdruck als Angebot gerade an die Kinder, die noch bei zahlreichen anderen Offerten auf ihre Kosten kamen und sich ganz hinten mit allen Regenbogenfarben unter Anleitung von Falk Wieland auch an der Graffiti-Wand austoben konnten.
"Eine tolle Idee, super organisiert und ganz wichtig", lobte die Linken-Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato, die wie ihre SPD-Kollegin Simona Koß vorbeischaute. "Ich denke, dass wir da im Landkreis auch mit dem Lokalen Aktionsplan eine gute Basis gelegt haben, für das Thema zu sensibilisieren", setzte sie hinzu. Linke und Bündnis 90/Grüne waren auch als Parteien mit Ständen vertreten, ebenso als Mitorganisator des Tages das Alternative Jugendprojekt alias Horte aus Strausberg, der VVN-Bund der Antifaschisten, United Against Racism oder etwa, kurz jenseits der Kreisgrenze im  südlichen Nachbarort, das Haus des Wandels aus Heinersdorf. Eine junge, etwa seit einem Jahr bestehende Initiative, die die schon traditionsreiche Nähgruppe mitgebracht hatte und sich ebenso  in das Bekenntnis einreihte wie ein in Gründung befindliches Hausprojekt aus Münchehofe. Brigitte Schulze aus Hermersdorf schwang sich bei diesem Team aufs Fahrrad und trat in die Pedale, damit über einen speziellen Dynamo im Gefäß hinten der Mixer für ein Fruchtgetränk angetrieben wurde.
Musik prägte den Abend
Die zentrale Botschaft Vielfalt wurde auf ganz unterschiedliche Weise buchstabiert, so auch am Gemeinschaftsstand von Apfeltraum aus Eggersdorf, Waldpferdehof Dahmsdorf und Hofkollektiv Bienenwerder, die eine immense Palette unterschiedlicher Möhren-, Tomatensorten und andere Gemüse mitgebracht hatten. "Zeigen, wie bunt das sein kann und was da in der Region erzeugt wird", wie es Jan Sommer von dem Dahmsdorfer Familienbetrieb, zugleich grüner Landtagskandidat, erklärte.
Während im Schützenhaus ein Workshop zum Reagieren auf Stammtischparolen lief, wechselten sich auf der Bühne eine Lesung mit Karsten Krampitz, das Liedermacher-Duo Sack und Asche aus Ruhrgebiet und Schöneiche (u. a. mit dem starken Song "Erde, wir sind deine Kinder") und die unter die Haut gehenden "Asyl-Monologe" der Bühne für Menschenrechte ab. Im Gespräch von Moderator Marcus Staiger mit Jabora Speder von der Initiative Seebrücke und Andreas Steinert von Seaeye ging es um die Seenotrettung im Mittelmeer und Europas gemeinschaftliche Verantwortung, das dortige Massensterben zu beenden. Der Abend gehörte dann schwerpunktmäßig der Musik, neben der Band PC-Toys und dem regionalen Rapper-Bündnis Büro 21 auch der schwarze Berliner Matondo, der familiäre Wurzeln im Kongo hat und seine Antirassismusbotschaften in starken, auch sehr melodischen Rap-Songs verarbeitet.