Gut zwei Stunden haben trotz Hitze am Dienstagabend rund 100 Interessierte die Gelegenheit genutzt, vor dem Urnengang am 1. September die vier Bewerber um den Chefposten in der Hoppegartener Verwaltung besser kennenzulernen und ihre Fragen loszuwerden. "Das hat mir die Entscheidung erleichtert", formulierte eine Frau, die beispielsweise nach der Position der Kandidaten zu Großveranstaltungen auf der Rennbahn gefragt hatte.
Da waren sich alle fast einig: Kerstin Dittrich (parteilos/für SPD) bekannte, Kultur dürfe nicht zur Last werden, Sven Siebert (parteilos) sagte, man habe aus Lollapalooza gelernt, dass es so nicht klappe, könne aber Dinge mit der Rennbahn vereinbaren, und auch Thomas Scherler (CDU) lehnte sie ab, weil es nicht funktioniere. Dem Vierten im Bunde, Amtsinhaber Karsten Knobbe (Linke), wäre ein Konzept mit kleineren Veranstaltungen lieber, er könnte aber auch mit einer großen leben, wenn es die einzige Veranstaltung abseits des Pferdesports wäre. Dann gebe es nur einmal eine Belastung. Er machte zugleich deutlich, dass der Einfluss von Bürgermeister und Gemeindevertretung begrenzt sei, wenn sich der Eigentümer an Auflagen für derartige Events halte.
Auch beim Thema Vereinsförderung waren die Kontrahenten nicht sonderlich weit auseinander. Alle machten deutlich, dass sie das ehrenamtliche Engagement stärken wollen. Siebert brachte ins Spiel, gegebenenfalls auch Mitgliedsbeiträge zu übernehmen. Voraussetzung seien in jedem Falle korrekte Anträge und Transparenz. Scherler, der dem betreffenden Fachausschuss vorsitzt, stellte ab Januar eine neue Richtlinie in Aussicht, erinnerte aber auch an einzuhaltende Regularien, um Steuergeld zu bekommen. In der Beziehung habe es mit den SV Dynamo in der Vergangenheit Probleme gegeben, die aber seit 2019 erledigt seien, äußerten er und Knobbe übereinstimmend. Auch Angst um die Halle sei unbegründet, sagte Scherler. Es habe 2017 einen von ihm unterzeichneten Antrag gegeben, die Halle zu veräußern – aber für einen Euro an Dynamo. Da der Verein das nicht wollte, habe man es nicht weiterverfolgt.
Bei fehlenden Geh- oder Radwegstücken will Kerstin Dittrich "unkonventionelle Lösungen" suchen, sah Scherler kurzfristig wenig machbar. Zumindest dort, wo die Gemeinde das Sagen habe, will Siebert "Brände löschen", denn ansonsten gehe ohne Zustimmung der "Baulastträger" nichts, hatte Knobbe verdeutlicht. Auch was schnelles Internet angeht, habe die Kommune kaum Möglichkeiten, sagte er auf Nachfrage. Mit Bundesförderung und Kreisunterstützung sei aber ein Ausbauprogramm angeschoben, mit dem auch jetzt noch nicht versorgte Bereiche erschlossen werden. Umsetzung: 2020/21. Angeschnitten wurden ferner übervolle Mülleimer, Grünpflege, Bürgerkontakte und vieles mehr.
Visionen für Ende der Amtszeit
Befragt, wie sie sich Hoppegarten zum Ende ihrer Amtszeit vorstellen, nannte Knobbe zuerst einen komfortablen Nahverkehr zu jeder Zeit in  jedem Ortsteil, am besten kostenlos, stabile Wirtschaft und Abi-Möglichkeit im Ort, Kerstin Dittrich gleiche Bildungschancen und kostenloses Schul- und Kita-Essen. Siebert setzt auf strukturiertes Wachstum mit Ortsentwicklungskonzept, will attraktivste Gemeinde im Kreis werden und einen Bürgerhaushalt einführen. Scherler hätte gern "höchstens 20 000 Einwohner", fünf statt drei Schulen, genug Kita-Plätze und mehr Ordnung. Und der Fahrschein könnte ruhig einen Euro kosten, wenn es dafür Zehn-Minuten-Takt gebe.