Wahlkampftour: Themenpalette von Bahn bis Kulturhaus
Düstere Aussichten für die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl am 1. September leitete der Regierungschef aus den Gewitterwolken nicht ab, die nahezu die gesamte Zeit am Rande des Geländes standen. Vielmehr wertete er ein Grollen als Zustimmung für seine Kritik am „Rentenskandal“, die immer noch existierende Trennung von Ost und West. Zudem warb er vor knapp 100 Gästen aus dem Rüdersdorf, Strausberg und Petershagen–Eggersdorf umfassenden Wahlkreis von SPD–Direktkandidatin Elske Hildebrandt, zu deren Unterstützung er gekommen war, für eine „vernünftige“ Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung. Davon könnten 240 000 Brandenburger profitieren.
Schließlich hätten viele im Osten „unverschuldete“ beitragsfreie Zeiten, weil viele nach der Wende neue Berufe lernen mussten, Bekanntschaft mit Arbeitslosigkeit und ABM gemacht hätten. Nicht zuletzt deshalb würden Ungerechtigkeiten im Osten weniger ertragen.
Kritik richtete Woidke zudem gegen Pläne der Bundespolitik, Krankenhäuser zu schließen oder eine CO2–Steuer einzuführen, die Leute „bestrafe“, die keine Alternative hätten. Lob gab es hingegen für das 86–Milliarden–Programm für den Bahnausbau. Nur attraktive Verbindungen mit engem Takt seien für Pendler interessant, könnten klimarelevante Effekte bringen. Wie bereits vor Kurzem in Altlandsberg warb Woidke dafür am 1. September wählen zu gehen, damit das Land „in guten Händen bleibt“ und keinen Stempel aufgedrückt bekomme, der ihm Schaden zufüge. Dafür wolle er sich bis zum Wahltermin einsetzen.
Auch Elske Hildebrandt will sich „dem Destruktiven entgegenstellen“, wie sie sagte. „Angst schüren geht schnell, ermutigen dauert lange, ist eine mühselige Arbeit“, erklärte die Tochter der einstigen brandenburgischen Sozialministerin Regine Hildebrandt, die natürlich auch die Familie geprägt habe. In deren Sinne gebe es noch eine Menge zu tun, befand sie.
Im Gegensatz zu vorangegangenen Veranstaltungen ging Woidke nach seinem Monolog nicht an die Tische zu Gesprächen, sondern hörte sich an einem Stehtisch Fragen und Probleme der Gekommenen an. Das Ziel, so Wartezeiten für die Folgenden zu verkürzen, wurde eher nicht erreicht. Die Palette der Themen war groß. Die beiden Rüdersdorfer Bürgermeisterkandidaten machten zum Beispiel auf die Bauschutt–Deponiepläne zwischen Hennickendorf und Herzfelde aufmerksam und deren Ablehnung durch die Gemeinde. Beides war ihm offenbar neu. Allerdings wollte er auch kein Statement in die eine oder andere Richtung abgeben, um nicht das vom Land geführte Verfahren zu gefährden.
Die Bürgerinitiative Gesund leben am Stienitzssee übergab ein Papier für die Reaktivierung der Eisenbahnverbindung nach Rüdersdorf und darüber hinaus für den Personenverkehr. Die DLRG–Gruppe Hennickendorf machte auf Probleme mit Arbeitgebern aufmerksam, Mitstreiter für Einsätze im Katastrophenschutz freigestellt zu bekommen, Verantwortliche von freien Trägern der Jugendhilfe in Märkisch–Oderland auf eine Auseinandersetzung mit dem Landkreis über ambulanten Hilfen.
Rüdersdorfs Gemeindevertreterin Rita Nachtigall versuchte, Unterstützungsquellen für das Kulturhaus auszuloten. Sie erhielt eine Einladung zu einem detaillierten Gespräch in Potsdam. Mit anderen tauschte das Staatskanzlei–Büro zunächst Kontaktdaten aus, um gegebenenfalls Folgeschritte zu vereinbaren.
Nach einem Auftritt der Pelle–Kids, die Teile ihres neuen Programms vorstellten, übergab Seniorin Renate Radoy dem Ministerpräsidenten ein Straußenei, von ihr mit Motiven aus dem Rüdersdorfer Museumspark gestaltet. Eigentlich hatte sie es schon bei einem Bergfest übergeben wollen, aber seinerzeit hatte Woidke wegen der Beerdigung von Altkanzler Helmut Kohl absagen müssen. „Das toppt alles. Es bekommt einen Ehrenplatz“, versprach Woidke. Für den musikalischen Auftakt und Endpunkt sorgte die Rüdersdorfer Bergkapelle. Und vorab hatte der Bergbauverein den Regierungschef bei sich zu Gast.

