Daniel Queißner ist eigentlich Zimmermann und Bauunternehmer. Er wohnt in der Strausberger Altstadt, und die liegt ihm auch am Herzen. Denn uneigentlich ist er auch ein heimlicher Gastronom. Zweimal schon konnten die Strausberger und Besucher der weihnachtlichen Altstadt seine diesbezüglichen Qualitäten prüfen: In der Adventszeit 2018 und 2019 stand jeweils für vier Wochen eine solide gezimmerte Weihnachtshütte vor der Rossmann-Filiale. Sein Bemühen, sie angesichts der großen Resonanz in diesem Jahr bis Ende Februar als Winterhütte mit ihrem Angebot an Heißgetränken und Speisen aus Topf und Grill weiter zu betreiben, fand in der Stadtverwaltung keine Zustimmung. Die Aufstellung könne nur aus Anlass der Vorweihnachtszeit ausnahmsweise genehmigt werden und müsse damit mit dem Ende der Weihnachtszeit auslaufen, hieß es.

Daran ist das Coronavirus gar nicht schuld

Diesmal werden viele Strausberger das Fehlen der Hütte auf die Corona-Pandemie geschoben haben. Jetzt, wo die Zahlen scheinbar unaufhaltsam steigen und steigen, ist wenigen nach Glühwein und Rostbratwurst. Doch als Daniel Queißner begann, sich um die Erlaubnis für die neuerliche Aufstellung der Hütte zu bemühen, war die Entwicklung so noch gar nicht abzusehen. „Ich habe allerdings auch dem naiven Irrglauben angehangen, dass etwas, das zweimal ohne Zwischenfälle und zur Zufriedenheit aller Beteiligten funktioniert hat, beim dritten Mal schon mit einer gewissen Routine und Selbstverständlichkeit genehmigt wird.“ Er sollte sich gründlich irren.
Die erste mündliche Anfrage bei der zuständigen Sachgebietsleiterin im Ordnungsamt der Stadt datiert vom September. Daniel Queißner bekam die Auskunft, er müsse ein Hygienekonzept vorlegen, eine Anfrage an das Gesundheitsamt des Landkreises stellen, einen Antrag beim Straßenverkehrsamt stellen, außerdem Anträge an das Ordnungsamt (Sondernutzung u. a.), an das Gewerbeamt und an den Denkmalschutz beim Bauordnungsamt des Landkreises. Ende September waren alle Anträge gestellt. Umgehend erhielt er eine gebührenpflichtige Genehmigung des Straßenverkehrsamtes, die ihm aber nichts nützte, weil das Ordnungsamt ihm aufgrund der geltenden Abstandsregeln als neuen Standort einer Weihnachtshütte den Parkplatz Müncheberger Straße zuwies. Damit erklärte er sich einverstanden. Gegen die Absage des Gesundheitsamtes ging er in Widerspruch und stellte alle Anträge neu. „Zusätzlich musste ich wieder eine Zeichnung mit Bemaßung der Hütte, Lageplan des mir von der Stadt vorgegebenen neuen Standortes und ein geändertes Hygienekonzept einreichen. Dies reichte ich Mitte November ein“, berichtet Daniel Queißner.

Wirtschaftsförderung in den Farben Strausbergs

Umgehend bekam er aus dem Rathaus mitgeteilt: „Aufgrund Ihrer beabsichtigten Aufstellung der Weihnachtshütte auf dem Parkplatz Müncheberger Straße sind nachstehende Anträge und Erlaubnisse durch Sie zu beantragen: Beantragung einer denkmalrechtlichen Erlaubnis, einer Baugenehmigung und einer verkehrsrechtlichen Anordnung beim Landkreis Märkisch-Oderland; Antragstellung zur Erteilung einer Sondernutzungserlaubnis und Anzeige eines vorübergehenden Gaststättengewerbes bei der Stadtverwaltung Strausberg. Seitens der Stadt Strausberg wird eine Sondernutzungserlaubnis nur erteilt, wenn oben genannte Erlaubnisse und Genehmigungen seitens des Landkreises Märkisch-Oderland positiv beschieden wurden.“ Daniel Queißner strauchelte, fing sich und marschierte weiter. Bis er vom Bauordnungsamt am 25. November den Nackenschlag empfing: „Auch eine Verkaufseinrichtung, die nur vom Personal betreten werden kann, ist kein baugenehmigungsfreies Vorhaben nach § 61 BbgBO. Ein Ermessensspielraum räumt das Gesetz nicht ein. Die regelmäßige Parkplatznutzung (auch zeitweise) zur Aufstellung von Verkaufseinrichtungen würde meines Erachtens ebenfalls baugenehmigungspflichtig sein und somit eines Bauantrages auf Nutzungsänderung der Parkplatzanlage bedürfen. Denn Ziel des Abstellens der Verkaufseinrichtung ist nicht primär das Parken, sondern primär die Gewerbeausübung.“
Daniel Queißner bemühte sich daraufhin, zwei Weihnachtshütten des Kommunalservice Strausberg mieten zu dürfen, musste aber feststelle, dass die nach den Kriterien des Bauordnungsamtes eigentlich gar nicht wirklich aufgestellt werden dürften, da sie weder eine Baugenehmigung noch ein „Prüfbuch“ besitzen, was aber von seiner Hütte verlangt wird.

Glühweinstand-Betreiber soll Symptome abklären

Ein intensiver Mailverkehr entspann sich mit dem Gesundheitsamt zum Hygienekonzept. „Es wird durch Hinweisschilder/Aushänge darauf hingewiesen, dass das Betreten der Hütte ausschließlich mit Mund-Nasen-Schutz gestattet ist und bei Symptomen der Zutritt nicht gestattet ist“, beantwortete Queißner schon Ende Oktober eine Nachfrage des Gesundheitsamtes. Dass Personen mit Erkältungssymptomen die Hütte nicht betreten dürfen – dieser Hinweis steht auch an vielen anderen Geschäften –, hatte die Nachfrage zur Folge: „Wie genau will der Betreiber nachvollziehen, dass Symptome ärztlich abgeklärt wurden? Welche Verfahren zur Abklärung sollen eingesetzt werden und wer führt sie durch? (fachliche Qualifikation)“
Daniel Queißner beantwortete auch diese Frage sachlich und korrekt: „Der Gast muss die Entscheidung treffen, ob er Symptome hat, da medizinische Entscheidungen nicht von einem Betreiber einer gastronomischen Einrichtung getroffen werden können.“
Die Entwicklung der Pandemie ist längst über das Bestreben, eine Weihnachtshütte aufzustellen, hinweggegangen. Das Problem, dass Daniel Queißner jedes Jahr mehr Anträge stellen und Genehmigungen beibringen muss, um eine Weihnachtshütte aufzustellen, hat damit nichts zu tun. Veranstalter in der Stadt bezeichnen es als die „Strausberger Krankheit“. Daniel Queißner beschreibt sie so: „Es verwundert mich immer wieder, wie einfallsreich die Stadt werden kann und wie sie ständig Wege findet, um etwas zu verhindern, aber nicht in der Lage ist, nur einen Weg zu finden, wie man was möglich machen kann.“ Und er fügt hinzu: „Eins steht fest, die können mir sämtliche Auflagen erteilen, die ihnen so einfallen. Los werden die mich damit nicht.“