Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) kann sich nun einen Staatsakt nach spanischem Vorbild vorstellen. In der "Bild am Sonntag" sprach er sich dafür aus, ein  "Zeichen" zu setzen, "dass die Verstorbenen nicht vergessen sind". Konkrete Planungen gibt es aber noch nicht. Es sei "zum jetzigen Zeitpunkt keine zentrale Gedenkfeier geplant", sagte eine Regierungssprecherin am Montag. Das könnte sich  womöglich noch ändern. Braun fände nach eigenen Worten ein solches Andenken "ein gutes Zeichen für einen Schlusspunkt der Pandemie". Nur: Ob und wann dieses Corona-Ende kommt und was die Kriterien dafür wären, blieb auch am Montag offen.

Bundespräsident: Wichtige Diskussion

Zuständig für einen Staatsakt wäre der Bundespräsident. Für die Opfer des Tsunami in Südostasien fand vor 15 Jahren eine Gedenkveranstaltung statt. Derzeit gibt es aber keine entsprechenden Pläne im Schloss Bellevue. Dafür sei es noch zu früh, sagte ein Sprecher. Er betonte zugleich, die Trauer um die Toten, das öffentliche Gedenken und auch die Diskussion über die angemessene Form seien wichtig.
Auch der Hamburger Wissenschaftler Norbert Fischer, der sich mit Trauer und Gedächtniskultur beschäftigt, ist der Ansicht, dass es angesichts der Dimen­sion von Corona "auf jeden Fall eine kollektive Reaktion geben muss". Die Pandemie sei ein "Schockerlebnis" für die gesamte Gesellschaft gewesen, daher müsse es nun  "gesamtgesellschaftliche Anteilnahme" geben. "Das zu organisieren, ist ebenso Aufgabe des Staates wie die Anordnung von Hygienemaßnahmen." Bislang sei aber die "emotionale Ebene der Pandemie weitgehend ausgeblendet worden". Der Rahmen sei dabei nicht unbedingt entscheidend: "Es muss nicht die protokollarische Form des Staatsaktes sein."
Der CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich plädiert für einen anderen Schwerpunkt: "Ich würde eine öffentliche Würdigung bestimmter Berufsgruppen wie Pfleger und Ärzte besser finden als einen Trauerakt für die Toten", sagt er. Die Lage in Spanien sei wegen der vielfach höheren Opferzahl und der zwischenzeitlichen Überlastung des Gesundheitssystems dort eine andere.
Lesen Sie hier den Kommentar von Ellen Hasenkamp: Trauer erwünscht