2. Weltkrieg in Brandenburg: Wie jüdische Kinder den Holocaust in Tröbitz überlebten

Die Ausstellung im Landtag in Potsdam „Wer ein Leben rettet...“ zeigt die Lebensgeschichten von acht jüdischen Kindern, die den Holocaust überlebten. Das Dorf Tröbitz in Brandenburg spielt dabei eine bedeutende Rolle.
Karl Baptist- Ausstellung im Brandenburger Landtag zeigt Geschichte von acht jüdischen Kindern, die den Holocaust überlebten.
- Tröbitz spielte eine wichtige Rolle bei der Befreiung des "Verlorenen Transports".
- Über 300 der befreiten Häftlinge starben trotz Rettung an Krankheiten.
- Projektleiter Günter Morsch betont die Bedeutung der Erinnerungskultur.
- Ausstellung läuft bis zum 27. Februar in Potsdam.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit dem Titel "Wer ein Leben rettet..." zeigt eine aktuelle Ausstellung die Lebensgeschichten von acht jüdischen Kindern und Jugendlichen, die Teil des sogenannten „Verlorenen Transports“ waren. Sie wurden aus dem Konzentrationslager Bergen Belsen deportiert und im April 1945 in Tröbitz in der Lausitz befreit. Dieser Transport bestand aus etwa 2500 KZ-Häftlingen. Die Geschichte dieser Menschen wird nun in einer wandernden Ausstellung für Besucher sichtbar und erlebbar gemacht. Derzeit ist sie im Landtag in Potsdam zu sehen und zeigt diesen Teil Brandenburger Geschichte.
Die Ausstellung zeigt das Leben dieser Menschen, ihre Deportation in die Konzentrationslager, ihre Lebenswege nach der Befreiung, ihr Umgang mit den traumatischen Erlebnissen und die Bewältigung ihrer Familiengeschichten. Dabei ist die Ausstellung multimedial aufbereitet, mit Fotos, Illustrationen und Videos verteilt auf 27 Tafeln. Es wird ein Einblick in die Geschichte und die Folgen des Holocaust gegeben und erinnert dabei eindringlich an die Schrecken dieser Zeit. Die gezeigten Bilder und Zitate machen diese Ausstellung um so eindrücklicher.
Warum die Kinder in Brandenburg überlebten
„Ich war Experte, ob jemand schon tot ist...“, heißt es beispielsweise auf einer der Tafeln von Moshe Nordheim, der als Kind mit seiner Familie im KZ Bergen-Belsen inhaftiert war. Er beschreibt damit das Grauen, das er als Kind in dem Lager sehen musste, als der Tod um ihn herum ist. Nach der Befreiung in Tröbitz stirbt sein Vater an Typhus. „Wir hatten den Krieg als ganze Familie überlebt, und plötzlich, im letzten Moment, waren wir ,gescheitert’ – dieses Gefühl verließ mich erst viele Jahre später“, heißt es in einem Zitat von Nordheim über den Tod seines Vaters.
Was war der "Verlorene Transport"?
Im April 1945 startet die SS, das Konzentrationslager Bergen-Belsen zu räumen. Sie planten, die Häftlinge in drei Zügen nach Theresienstadt bei Prag zu bringen. Nur einer dieser Züge kommt dort an. Ein anderer Zug wird von amerikanischen Truppen befreit. Der dritte Zug verschwindet zunächst und wird als „Verlorener Transport“ bekannt.
Um den 20. April 1945 kam dieser Zug in der Nähe des Lausitzer Dorfes Tröbitz zum Stehen, da eine Eisenbahnbrücke zerstört war. Die SS ergriff kurz darauf die Flucht vor der vorrückenden Roten Armee. Als sowjetische Soldaten den Zug finden, sorgen sie dafür, dass die Überlebenden in den Häusern der Dorfbewohner untergebracht werden. Trotz der Befreiung erliegen mehr als 300 Juden den Folgen der Haft oder Krankheiten.
Im Jahr 1944, als Micha Gelber acht Jahre alt war, wird er zusammen mit seinen Eltern sowie seinem Bruder in das Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt. Dort ist der Tod allgegenwärtig. Inmitten dieser schrecklichen Umstände erlebt Micha seinen 9. Geburtstag. "Als ein jüdischer Junge wäre ich normalerweise für die Gaskammer ausgewählt worden", heißt es in einem Zitat von ihm. Auch er ist einer derjenigen, die in Tröbitz befreit wurden.
Ausstellung läuft bis zum 27. Februar im Brandenburger Landtag
„Die Geschichte des „Verlorenen Transportes“ ist in vielerlei Hinsicht einzigartig“, erklärt Günter Morsch, Projektleiter der Ausstellung und ehemaliger Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Für Morsch ist die Ausstellung und das Aufzeigen dieser Lebensgeschichten ein Teil eines fortwährenden gesellschaftlichen Prozesses. „Es wird in der Zukunft vor allem darauf ankommen, ob es gelingt, in der Zivilgesellschaft das Erinnern lebendig zu halten“, sagt Morsch. Die Ausstellung sehe er daher als Bestandteil der Erinnerung an diese Zeit und ihre Schrecken.
Morsch sieht in der Ausstellung eine Möglichkeit, die Wichtigkeit des Einzelnen in der Geschichten hervorzuheben. „Es muss deutlich werden, dass Geschichte nicht nur Prozesse sind, die über das Individuum hinweggehen“, sagt der Projektleiter. Günter Morsch hofft, dass dies unter anderem bei den Besuchern der Ausstellung hängen bleibt. Wer die Geschichten der Menschen des „Verlorenen Transportes“ selbst erfahren möchte, kann noch bis zum 27. Februar die Ausstellung im Brandenburger Landtag in Potsdam sehen.


