87 Kandidaten
: Drei Tage Suche nach der AfD-Mannschaft

Die brandenburgische AfD hat ihre Landesliste für die Landtagswahl aufgestellt. Mehr als 500 Mitglieder hatten die Wahl zwischen 87 Kandidaten.
Von
Ulrich Thiessen
Rangsdorf
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Personaldebatte: Andreas Kalbitz (M), Landesvorsitzender der Brandenburger AfD, Bundesvorsitzender Alexander Gauland (l), und Daniel Freiherr von Lützow, stv. Landesvorsitzender (r.).

Bernd Settnik/dpa

Jüngste Umfragen sehen die brandenburgische AfD gleichauf mit der SPD an der Spitze des Parteienspektrums. Statt der aktuell neun Abgeordneten im Landtag will die Opposition ihre Sitze mehr als verdoppeln. Entsprechend groß war die Hoffnung auf gute Plätze bei der Listenaufstellung in Rangsdorf. Allein das komplizierte Verfahren, das jedem der mehr als 520 erschienen Mitglieder bei 87 Kandidaten drei Stimmen zugestand, sorgte für eine Marathonsitzung. Allein die Stimmabgabe dauerte mehr als vier Stunden.

Mehrere Handwerker, ein Mitarbeiter des Landesrechnungshofes, Lehrer, Erzieherinnen und Architekten warfen ihren Hut in den Ring. Besonders stark vertreten war die Lausitz. Neben ehemaligen Landrats- und Bürgermeisterkandidaten aus der Region wurde der Auftritt von Christoph Berndt, Begründer des Vereins „Zukunft Heimat“, der vor allem in Cottbus ausländerfeindliche Demonstrationen organisiert hatte, regelrecht bejubelt.

Die in den vergangenen Jahren immer wieder betonte Distanz zu Pegida und „Zukunft Heimat“ ist kein Thema mehr für die brandenburgische AfD. „Wir stehen zu den Bürgerbewegungen“, erklärte die Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende Birgit Bessin. Eine mögliche Beobachtung durch den Verfassungsschutz dürfe kein Grund sein, Kontakte zu beschränken, hieß es. Die Themen der Kandidaten reichten von kaputten Straßen, fehlenden Polizisten und Klagen über  das Schulsystem („Alles Deutsche und Identitätsprägende wird systematisch aus dem Lehrplan entfernt“) bis zu Warnungen vor der angeblichen Vertreibung der Deutschen durch die „Altparteien“. „Das verdeckte Ziel ist es, uns aus unserer Heimat zu vertreiben“, so der Lausitzer Matthias Stein. Er empfahl, dass die einzelnen Bundesländer aus der Bundesrepublik austreten sollten um den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen.

Der Fürstenwalder Anwalt Axel Fachtan erklärte, dass einige Brandenburger unverständlicherweise immer noch den 8. Mai als Tag der Befreiung begehen. Der Tag der Befreiung stehe erst noch bevor und die AfD ist der Befreier – formulierte Fachtan. Bessin sprach davon, dass die SPD eine Wüste der Zerstörung in Brandenburg hinterlassen habe, die die AfD nun aufräumen müsse. Und Landesvorsitzender Andreas Kalbitz sprach davon, dass die regierenden Parteien Angst davor hätten, dass man alte Akten abstaubt und Dinge findet, „die für 100 Jahre Knast“ reichen. Gleichzeitig sprach er davon, dass seine Partei Verantwortung übernehmen müsse, blieb aber vage, wie das vor sich gehen solle.

Als Ziel wurde immer wieder formuliert, bei der Landtagswahl am 1. September stärkste Kraft zu werden. Einige der Kandidaten rechnen gar mit mehr als 50 Prozent der Stimmen und der Übernahme der Regierung.

Vereinzelt war Kritik an der Landtagsfraktion zu vernehmen. „Die erste Riege der AfD entsprach nicht immer den Wünschen der Basis“, sagte Karin Kind aus dem Barnim. Immer wieder gab es auch Appelle, innerparteiliche Querelen hintanzustellen. Vor allem der Kreisverband Barnim wurde als Problemfall beschrieben. Dort läuft auch ein Parteiausschlussverfahren gegen den stellvertretenden Kreisvorsitzenden Marcel Donsch, der sich trotz einzelner Buhrufe für einen Listenplatz bewarb. Für Applaus sorgte Leyla Bilge. Die Frau mit kurdischen Wurzeln und, wie sie selbst betonte, Ex-Muslima, warnte vor dem Islam, der ihre jetzige Heimat Deutschland bedrohe.

In diese Kerbe hauten auch mehrere Mitarbeiter der Landtagsfraktion, die ein Mandat im nächsten Landtag anstreben. Nicht für die Landesliste kandidierten die  aktuellen Landtagsabgeordnete Christina Schade (Märkisch-Oderland) und Jan-Ulrich Weiß (Uckermark). Schade erklärte, dass Politik nichts für sie ist. Deshalb wird sie sich zurückziehen.