Einige Brandenburger haben kürzlich peinliche Post erhalten. In dem Schreiben wird ihnen vorgeworfen, Pornos im Internet verteilt zu haben, berichtete die Verbraucherzentrale Brandenburg am Donnerstag (24.11.). Absender ist die Kanzlei Duvenhoff, Lombardi & Cie, die im Auftrag der Firma MG Premium aus Zypern den Adressaten abmahnt, Erotikfilme öffentlich zum Download angeboten und somit das Urheberrecht verletzt zu haben.
Die Anwälte fordern daher 747,60 Euro ein. Der Betrag soll auf ein Konto in Irland überwiesen werden, die IBAN beginnt mit dem Kürzel „IE“. Möglicherweise könnten die Empfänger aus Scham dazu bewogen werden, das Geld tatsächlich zu überweisen.

Fake-Abmahnung in Brandenburg – ausländisches Konto ist Indiz

„Die Abmahnungen sind frei erfunden. Die Kanzlei, die die Verbraucherinnen und Verbraucher anschreibt, existiert nach unseren Recherchen nicht unter der angegebenen Berliner Adresse“, erklärt Stefanie Kahnert, Juristin bei der VZB. Man solle sich nicht unter Druck setzen lassen und „auf keinen Fall zahlen“.
Ein Indiz für den Betrug sei die Aufforderung, Geld auf ein Konto aus dem Ausland zu überweisen. „Zu erkennen sind ausländische Bankverbindungen daran, dass die IBAN nicht mit den Buchstaben DE für Deutschland beginnt“, so die Verbraucherschützerin. Grundsätzlich gelte jedoch, Abmahnungen zu prüfen, am besten sogar juristisch, da nicht jeder Vorwurf der Urheberrechtsverletzung frei erfunden sei. Wichtig ist, schnell zu reagieren, sonst könnte es noch teurer werden.

Urheberrecht gilt auch im Internet

Tatsächlich sind viele Dateien im Internet – auch Erotikfilme – urheberrechtlich geschützt. Wer Videos, Audiodateien oder Bilder im Internet zum Download anbietet oder herunterlädt, jedoch nicht Rechtsinhaber ist oder dessen Zustimmung besitzt, macht sich strafbar. Inhalte, die Urheberrechtsschutz genießen, seien nicht immer leicht von den freien zu unterscheiden, warnt das Portal Stiftung Warentest. Ein Hinweis sei Aktualität. Filme, die noch im Kino laufen, oder häufig im Radio gespielte Musik genießen mit hoher Wahrscheinlichkeit Copyright – auch wenn dieses nicht zwingend vermerkt sein muss.

Vorsicht vor Filesharing und Tauschbörsen im Internet

In der Realität würde vor allem das Hochladen von Dateien von Rechtsanwälten verfolgt. Selbst jene, die vermeintlich „nur“ Videos oder Bilder herunterladen, können davon betroffen sein. Das liegt an den Tauschbörsen wie Bittorrent im Internet, die tückisch sein können, da sie die Nutzer auch zu Anbietern machten. Wer sich dort eine Datei zieht, löse gleichzeitig einen Upload aus und stellt den Inhalt anderen zur Verfügung, heißt es bei Stiftung Warentest weiter.
Die Bereitstellung werde häufiger geahndet, weil es sich einfacher nachweisen lasse und ein höherer Schadenersatz gefordert werden könne. Schließlich werde durch die Nutzung der Tauschbörse eine Datei hundertfach anderen Usern angeboten.

Illegales Streaming ist keine Grauzone mehr

Abmahnungen hagelte es vor einigen Jahren bundesweit auch für das reine Streaming von Pornos. Allerdings hielt das Amtsgericht Potsdam die Forderungen für unberechtigt. Im Anschluss verlor der Rechtsanwalt, der für eine Schweizer Firma die Schreiben verschickte, seine Anwaltszulassung.
Dennoch ist das Streaming illegal eingestellter Filme im Internet eine Urheberrechtsverletzung, entschied der Europäische Gerichtshof 2017. Die Rechtsexpertin Britta Beate Schön schreibt auf dem Portal Finanztip, dass Abmahnungen eher unwahrscheinlich seien – nicht zuletzt wegen des geringen Streitwerts.
Wer eine Abmahnung erhalten hat und sich über dessen Echtheit unsicher sei, kann sich von der Verbraucherzentrale beraten lassen – entweder telefonisch oder per Email.