Was jetzt als sogenannter "Knuff" bezeichnet werde, dürfe nicht verharmlost werden.

Angeblich nicht der erste Vorfall

Andreas Kalbitz hatte seinem Nachfolger im Amt des Fraktionsvorsitzenden Dennis Hohloch einen Hieb in die Seite versetzt, der 31-Jährige erlitt einen Milzriss und musste mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden. Kalbitz stand deshalb so unter Druck, dass er am Dienstag verkündete, dass er sein Amt endgültig aufgebe. Parteiintern hatten sich Kritiker aus der Deckung gewagt, nachdem der Vorfall bekannt geworden war. "Andreas, bitte geh!", war ein Pamphlet in den Sozialen Netzwerken überschrieben, das Kai Laubach veröffentlichte. Dieser bezeichnete Kalbitz als "charakterlosen Mistkerl ohne jegliche menschliche Größe" und behauptete, es sei nicht der erste körperliche Angriff gegenüber Parteifreunden gewesen.
"Ich war da nie dabei", erklärte Franz-Josef Wiese, auf die Frage, ob er davon wisse. Auch das Klima der Angst, das Kai Laubach beschreibt, habe er nicht so empfunden. Laubach selbst ist auch kein Kind von Traurigkeit. Er war einst ein enger Mitarbeiter von Andreas Kalbitz und wird der sogenannten Identitären Bewegung zugerechnet, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und beobachtet wird. Er trat 2016 in einem Video der Identitären auf, das zu einer Demonstration mobilisieren wollte. Heute arbeitet Laubach für den Landtagsabgeordneten Lars Hünich aus Potsdam-Mittelmark. Gegenüber dieser Zeitung wollte sich Laubach nicht äußern.
Mit den Vorwürfen konfrontiert, reagierte Andreas Kalbitz gegenüber dieser Zeitung. Manche Vorwürfe, die andere AfD-Mitglieder über die Sozialen Netzwerke verbreiten, sieht er als "Hass-Attacke in unakzeptablem Niveau auf persönlicher Ebene, die ich nicht weiter kommentieren werde". Die Verletzung von Dennis Hohloch bedauere er: "Persönlich kann ich mich für ein so folgenreiches Missgeschick nur aufrichtig entschuldigen."

Freitag entscheidet das Gericht

Über die Parteimitgliedschaft von Kalbitz entscheidet am Freitag das Landgericht Berlin.  Der AfD-Bundesvorstand hatte im Mai seine Parteimitgliedschaft mit knapper Mehrheit für nichtig erklärt.  Der 47-Jährige bleibt zuversichtlich, dass das Gericht zu seinen Gunsten entscheidet. Wie es mit der AfD Brandenburg weitergeht, bleibt offen. "Manchmal türmen sich Dinge auf, die sich entladen", erklärte der Hennigsdorfer Landtagsabgeordnete Andreas Galau gegenüber dieser Zeitung. Die Partei sei handlungsfähig, sie habe gewählte Vorstände in Fraktion und Partei, so der Vizepräsident des Landtages.  Auch die Landtagsabgeordnete Birgit Bessin aus Rangsdorf sieht keinen Grund zur Eile für eine Neuwahl. Und Franz-Josef Wiese meint, dass die Fraktion jetzt enger zusammenwachsen werde. Er sieht keine Auflösungs- oder Abspaltungserscheinungen.

RBB schafft Sommerinterview-Reihe ab

Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird es künftig keine Sommerinterviews mehr geben. Die Gesprächsreihe "Politik am See" mit brandenburgischen Spitzenpolitikern werde im kommenden Jahr eingestellt, sagte RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein der Wochenzeitung "Die Zeit". Der Sender stand zuletzt wegen eines unkritischen Interviews mit Brandenburgs früherem AfD-Chef Andreas Kalbitz in der Kritik, das im Juli in der Gesprächsreihe gesendet worden war.
Das Gespräch mit Andreas Kalbitz hätte laut Christoph Singelnstein besser vorbereitet werden müssen. Der RBB habe enorme Expertise im Bereich Rechtsextremismus und erfahrene Rechercheure, dieses Wissen sei nicht genutzt worden. epd