Bahn in Brandenburg: Ersatzbus für Berlin-Warschau-Express lässt Fahrgäste stehen

Der Berlin-Warszawa-Express ist als Direktverbindung zwischen der deutschen und der polnischen Hauptstadt gedacht. Doch auf der Strecke gibt es immer wieder Probleme.
dpa/Fernando Gutierrez-Juarez- Berlin–Warschau-Express fällt zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin auf IC-Busse um.
- Bauarbeiten verlängern die Fahrt um etwa 90 Minuten – aktuell seit dem 10. Juli bis 24. August.
- Am 22. Juli wartete der letzte SEV-Bus nicht – etwa 100 Fahrgäste strandeten in Frankfurt (Oder).
- Reisende mussten über Fürstenwalde, Erkner und die S-Bahn ausweichen, Ankunft nach 1 Uhr nachts.
- Deutsche Bahn bedauert den Vorfall und will Informationsketten nachschärfen – Kritik von Pro Bahn.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eigentlich dauert die Fahrt von Berlin-Hauptbahnhof nach Warschau und umgekehrt rund fünf Stunden. Doch die wichtige Direkt-Verbindung zwischen den zwei Hauptstädten, die neben Touristen auch viele Pendler benutzen, hält gerade zur Hauptreisezeit im Sommer seit Jahren nicht, was sie verspricht.
Wegen Bauarbeiten in Berlin und Brandenburg müssen Reisende regelmäßig in Frankfurt (Oder) in den Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen umsteigen und werden dann über die Autobahn ins Berliner Zentrum gebracht, was die Reisezeit um anderthalb Stunden verlängert, wenn es nicht noch Stau gibt.
Das ist auch momentan der Fall. Vom 10. Juli bis zum 24. August wird der Warschau-Express zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin-Hauptbahnhof durch sogenannte IC-Busse ersetzt. Dass selbst die nicht immer fahren, zeigt ein Fall am 22. Juli.
Letzter SEV-Bus wartet nicht auf Bahn
Der Berlin-Warszawa Express, der von der polnischen PKP Intercity betrieben wird und derzeit zwischen Frankfurt (Oder) und Polen pendelt, hatte schon beim Start in Warschau rund eine halbe Stunde Verspätung. Kurz hinter der Grenze bekamen Fahrgäste, die ihre Tickets online auf der Webseite der Deutschen Bahn gebucht hatten, die Nachricht: „Ihr Anschluss wird voraussichtlich nicht erreicht“. Eine Zusatz-Info lautete, dass damit auch die Sitzplatzreservierung verfällt. Sollte man eine neue buchen, könne man sich diese von der Deutschen Bahn erstatten lassen.
Doch es gab weder einen Zug noch einen weiteren Bus. Ratlos standen an die hundert Fahrgäste gegen 22 Uhr auf dem dunklen Bahnhofsvorplatz an der verwaisten Ersatz-Bushaltestelle und warteten. Darunter viele polnische Fahrgäste, die gar keine E-Mail erhalten hatten. Am Bahnhof Frankfurt (Oder) gab es kein Personal, das aufklären konnte.
Zum Beispiel darüber, dass man nun mit einem Regionalzug nach Fürstenwalde (Oder-Spree) fahren musste. Dort ging es erneut über den dunklen Bahnhofsvorplatz zu einer Haltestelle des Schienenersatzverkehrs für den RE1. SEV-Busse fuhren weitere 45 Minuten mit Zwischenhalten über die Dörfer bis nach Erkner.
Von dort wiederum fährt die S-Bahn wegen Bauarbeiten in Köpenick nur im 20-Minuten-Takt. Nach 16 Stationen kamen die Fahrgäste nach 1 Uhr nachts am Hauptbahnhof an, als auch schon die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Feierabend hatten.
Die Ankunftszeit mit dem IC-Ersatz-Bus wäre 23.20 Uhr gewesen. Die Fahrgäste mussten aber nicht nur eine rund zweistünde Verspätung und dreimaliges Umsteigen auf der „Direktverbindung“ hinnehmen. Einige strandeten regelrecht in Brandenburg, weil sie mit viel Gepäck und ohne Information die nötigen Anschlüsse gar nicht mehr rechtzeitig erreichten.
Frage an die Deutsche Bahn: Wie kann es sein, dass ein Bus, der extra als SEV für einen Zug eingesetzt wird, nicht auf den entsprechenden Zug wartet? Vor allem, wenn danach kein weiterer mehr fährt?
„Die Deutsche Bahn bedauert den Einzelvorfall vom 22. Juli außerordentlich“, heißt es auf Anfrage. Die Ersatzbusse seien auf die Ankunftszeiten der Züge abgestimmt und beinhalteten ausreichend Umsteigezeit. „Insbesondere bei der letzten Verbindung des Tages sind die Busse angehalten, bei einer verspäteten Ankunft des EC aus Warschau auf die Fahrgäste zu warten“, erklärt ein Bahn-Sprecher. An diesem Tag hat die Abstimmung nicht funktioniert. Die Bahn habe den Vorfall zum Anlass genommen, die Informationsketten nachzuschärfen.
„Gerade der Ersatzverkehr für einen Eurocity muss warten, zumal er an Zwischenhalten keine weiteren Fahrgäste aufnehmen muss“, findet Martin Pogatzki, Vorsitzender des Landesverbandes Berlin/Brandenburg Pro Bahn. Beschwerden über den Schienenersatzverkehr kennt der Fahrgastverband zur Genüge. „Gerade die polnischen Anbindungen werden vernachlässigt, und beim Schienenersatzverkehr wird nicht wirklich an den Fahrgast gedacht.“
Regelmäßig SEV in Frankfurt (Oder)
Generell kritisiert der Verband, dass die Deutsche Bahn internationale Reisende auf der einzigen deutsch-polnischen Fernverkehrsstrecke regelmäßig auf die Autobahn verfrachtet. „Die Ostbahn als Ersatzstrecke wird nicht gebaut“, sagt Pogatzki. „Dafür wird auf der Hauptstrecke ständig gebaut.“
Dabei zählt das Nachbarland zu den wichtigsten europäischen Herkunftsmärkten für den Tourismus in der Region. „Bei den Gästezahlen in Berlin liegt Polen auf Platz drei“, heißt es in einer aktuellen Presseerklärung von visitBerlin zum Jubiläum „35 Jahre Städtepartnerschaft Berlin – Warschau“.
Die Tourismusagentur zählte in Berlin 270.000 Gäste aus Polen und 580.000 Übernachtungen. Zur engen touristischen Verbindung trage vor allem die gute Erreichbarkeit bei, betont visitBerlin und lobt die „umsteigefreie“ EuroCity-Verbindung zwischen Berlin und Warschau.



