Brand in Berlin
: Feuer im Autobahn-Tunnel A100 – das steckt dahinter

Ein Auto brennt mitten im neuen Tunnel der Autobahn A100 an der Grenzallee in Berlin. Was war der Grund dafür?
Von
Dennis Lloyd Brätsch
Berlin
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Flammen und Rauch in einem Autobahntunnel: Feuerwehr und Autobahn GmbH proben den Ernstfall im neuen Tunnel der Autobahn A100 an der Grenzallee.

Flammen und Rauch aus einem Auto im Autobahntunnel der A100 an der Grenzallee in Berlin.

Dennis Lloyd Brätsch
  • Berliner Feuerwehr probte Pkw-Brand im unbefahrenen A100-Tunnel Grenzallee am 27. Juni.
  • Ziel der Übung: Rettung, Kommunikation und Sicherheitstechnik unter realistischen Bedingungen testen.
  • Brände in Tunneln gelten wegen Hitze, Rauch und Enge als besonders herausfordernd.
  • Von 2012-2023 wurden 439 Tunnelbrände in DACH-Medien gemeldet, 75% in Straßentunneln.
  • Tunnel Grenzallee ist Teil des 16. Bauabschnitts der A100.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mitten im Tunnel brennt ein Auto. Rauch quillt aus dem Fahrzeug, breitet sich schnell in der Röhre aus. Die Sicht wird schlechter, die Hitze steigt – was wie ein dramatischer Unfall aussieht, ist eine großangelegte Notfallübung. Am Freitag, 27. Juni, haben Berliner Feuerwehr und Autobahn GmbH im neuen Tunnel an der Grenzallee auf der Autobahn A100 den Ernstfall geprobt.

Simuliert wurde ein Pkw-Brand im mittleren Bereich der Röhre in Fahrtrichtung Nord. Unter Einsatz von Nebelmaschinen und Dummys entstand ein realistisches Szenario – jedoch ohne reale Gefahr für Einsatzkräfte oder Beteiligte.

Simulierter Brand auf A100 – deshalb ist die Übung wichtig

Ziel der Übung auf dem noch unbefahrenen Tunnel-Teil der A100 ist es, das Zusammenspiel aller beteiligten Stellen zu testen: von der Alarmierung über die Kommunikation bis zur Koordination der Rettung und die anschließenden Löschmaßnahmen. „Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Nur durch gezielte Vorbereitung können wir Leben retten“, sagt Ronald Normann, Direktor der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH.

  • Im dichten Rauch müssen die Einsatzkräfte nach vermissten Personen suchen.

    Im dichten Rauch müssen die Einsatzkräfte nach vermissten Personen suchen.

    Dennis Lloyd Brätsch
  • Weitere Trupps der Berliner Feuerwehr leiten eine Brandbekämpfung ein.

    Weitere Trupps der Berliner Feuerwehr leiten eine Brandbekämpfung ein.

    Dennis Lloyd Brätsch
  • Ein Erkundungstrupp markiert, mit speziellen Leuchten in unterschiedlichen Farben, wo sich Verletzte befinden und wo Brände zu löschen sind.

    Ein Erkundungstrupp markiert, mit speziellen Leuchten in unterschiedlichen Farben, wo sich Verletzte befinden und wo Brände zu löschen sind.

    Dennis Lloyd Brätsch
  • Vor der Einfahrt zum Tunnel Grenzallee stehen Feuerwehrfahrzeuge.

    Vor der Einfahrt zum Tunnel Grenzallee stehen Feuerwehrfahrzeuge.

    Dennis Lloyd Brätsch
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Deshalb gehören solche Übungen zur Routine: Die „Empfehlung für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ (EABT) sieht regelmäßige Vollübungen vor – in Berlin werden sie zweimal pro Jahr durchgeführt. Überprüft werden soll dabei auch die Sicherheitstechnik der Tunnelanlage. Dazu gehören Schranken, die den Tunnel im Brandfall verschließen sollen und die frühzeitige Erkennung von Brand- und Unfallgeschehen.

Gordian Scholz, Pressedienst der Berliner Feuerwehr, erläuterte, dass die Maßnahmen der Menschenrettung und der Brandbekämpfung geübt werden. Gemäß der Aussage des Feuerwehrsprechers werden im Falle eines Brandereignisses in einem Tunnel neben den Kräften, die zum Einsatzort ausrücken, auch ein Führungsdienst in die Tunnelzentrale entsendet. Die in den Tunneln installierte Kameratechnik ermöglicht es den Einsatzkräften, relevante Informationen zu erlangen. Der Feuerwehrmann führte aus, dass derartige Brandereignisse zwar selten auftreten, jedoch die regelmäßige Übung dieser Szenarien von entscheidender Bedeutung ist.

Was tun, wenn es im Tunnel brennt?

Beim Tunnelunfall gelten im Grunde dieselben Regeln wie bei einem Unfall auf der Autobahn, erklärte ein Sprecher der Autobahn GmbH. Kraftfahrer sollten Ruhe bewahren, um besonnen handeln zu können. Nachdem die Rettungsgasse gebildet wurde, müssen die Rettungskräfte alarmiert werden. Bevor das Fahrzeug jedoch verlassen wird, muss stets die Warnweste übergezogen werden. Dies verbessert die Sichtbarkeit und dient somit dem Selbstschutz.

Grüne Markierungen an der Wand zeigen, wo sich Notausgänge befinden.

Grüne Markierungen an der Wand zeigen, wo sich Notausgänge befinden.

Dennis Lloyd Brätsch

„Wenn es in einem Tunnel brennt und es dort zu einer Verrauchung in dem Tunnel kommt, dann bitte entgegen der Windrichtung den Tunnel verlassen“, erklärte Gordian Scholz. Des Weiteren sind in den Tunneln Notausgänge installiert, die in die Tunnelröhre der Gegenfahrtrichtung führen. In diesem Bereich ist man vor dem Rauch geschützt. Gemäß den Angaben der Autobahn GmbH wird der Verkehr in beiden Fahrtrichtungen unterbunden, sobald ein Brandereignis festgestellt wird. Grüne leuchtende Markierungen zeigen den kürzesten Weg zu den Notausgängen, erklärte der Feuerwehrsprecher.

Der Autobahnsprecher betonte, dass es wichtig ist, die Fahrzeugtür zu schließen. Im Falle einer schlechten Sicht durch einen Brand könnten sonst Personen dagegen laufen. Den Zündschlüssel sollte man aber im Wagen stecken lassen und das Fahrzeug nicht abschließen. So hat die Feuerwehr die Möglichkeit, das Fahrzeug bei Bedarf zu verschieben.

Brände in Tunnelanlagen besonders herausfordernd

Besonders bei Bränden stellen Tunnel hohe Anforderungen an Technik und Personal: Hitze, Rauch, Enge und Orientierungslosigkeit erschweren die Rettung. Seit 2022 arbeitet die Berliner Feuerwehr mit einem Einsatzkonzept, das sich an den Standards der Schweizer Fire Academy orientiert und europaweit als vorbildlich gilt. Auch die Tunnelleitzentrale Berlin wurde für solche Szenarien technisch umfassend aufgerüstet. Sie ist rund um die Uhr mit moderner Überwachungstechnik im Einsatz, teilte die Autobahn GmbH mit.

Statistik der International Fire Academy

►Von 2012 bis 2023 wurden in Medienberichten 439 Tunnelbrand-Ereignisse in der Schweiz, Deutschland und Österreich gezählt

►Das entspricht durchschnittlich etwa drei Bränden pro Monat

►Etwa 75 Prozent der Brände ereigneten sich in Straßentunneln, 25 Prozent in Bahn- oder U-Bahn-Tunneln

►In Straßentunneln kamen dabei insgesamt neun Menschen ums Leben 

Diese Zahlen basieren ausschließlich auf Medienberichten, „die tatsächliche Anzahl dürfte höher liegen“, schreibt die International Fire Academy auf ihrer Webseite.

Die Übung findet im 358 Meter langen Tunnel Grenzallee statt, der zwischen Grenzallee und Treptower Park liegt. Der Tunnel ist Teil des 16. Bauabschnitts der A100 und noch nicht für den Verkehr freigegeben – ideale Bedingungen also, um den Notfall realitätsnah und sicher zu trainieren.

In Berlin gibt es 19 Straßentunnel. Der längste davon ist der Tiergartentunnel, der unter dem Tiergarten, dem Regierungsviertel und der Spree verläuft. Er besteht aus einem Straßentunnel, einem Eisenbahntunnel für Fern- und Regionalverkehr sowie einem Tunnel für die U-Bahnlinie 5 und ist mit einer Länge von 2.681 Metern der größte Tunnel Berlins.