Brandenburg-Wahl
: Warnung vor Falschmeldungen und Gerüchten kurz vor der Wahl

Vor der Landtagswahl in Brandenburg warnen Behörden und Experten vor möglichen Manipulationsversuchen. Was ist dran an den Befürchtungen?
Von
Bodo Baumert
Potsdam
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Fake News

Fake News - auch bei der Landtagswahl in Brandenburg könnten sie Verwirrung stiften.

Jens Kalaene/dpa
  • Behörden warnen vor Falschmeldungen und Gerüchten bei der Landtagswahl in Brandenburg.
  • Manipulationsversuche durch KI und Social Media könnten die Wahl beeinflussen.
  • Experten raten zu vorsichtiger Prüfung von Quellen und Inhalten.
  • Plattformen wie GADMO decken Fakenews an Wahltagen auf.
  • Desinformation kann Wähler verunsichern und Entscheidungen beeinflussen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein TikTok-Video aus Potsdam, in dem ein junger Mann berichtet, er sei gerade aus einem Wahllokal geworfen worden, weil er dort Fragen gestellt habe. Wahlhelfer hätten Bürgern davon abgeraten, die AfD zu wählen. Dann seien Schredder verteilt worden.

Ein Social-Media-Post, in dem jemand behauptet: „Ich habe mich mit hunderten ausgefüllten Wahlzetteln in ein sächsisches Wahllokal geschlichen. Morgen wird es wohl ’ne dicke Überraschung geben“.

Ein Video, das angeblich Hunderte von Wählern auf dem Weg zu einem Wahllokal in Dresden zeigen soll.

All das hat es vor den Europawahlen im Juni und den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen Anfang September gegeben – also die Nachrichten und Videos, die darin behaupteten Wahlmanipulationen hingegen nicht.

Der Macher des Videos aus Potsdam hat sich der Polizei gestellt. Tatsächlich war er nie in dem Wahllokal drin. Manipulationen hat es dort laut Wahlleitung auch nicht gegeben. Der Post aus Sachsen war laut Fact-Checkern von Correctiv wohl nur Satire und wurde schnell wieder gelöscht.

Das angebliche Wählervideo zeigt Teilnehmer einer Tanzparade am Tag vor der Wahl.

Wahl in Brandenburg: Behörden waren vor Desinformation und Fakenews

Auch wenn sich solche und andere Nachrichten im Nachhinein als Fälschungen herausstellen. Am Wahltag selbst können sie für Verunsicherung sorgen und möglicherweise den einen oder anderen Wähler in seiner Entscheidung beeinflussen. Deshalb werden sie meist auch erst wenige Stunden vor der Wahl selbst verbreitet.

Droht ähnliches auch an diesem Wochenende vor und während der Landtagswahl in Brandenburg am 22. September? Entsprechende Warnungen gibt es. Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen drohten Desinformationskampagnen, sagte etwa der Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Sinan Selen, bereits im Juli.

Auch das Cyber-Sicherheitsunternehmen McAfee hat in der Woche vor der Wahl in Brandenburg noch einmal gezielt vor möglichen Desinformationskampagnen gewarnt. Und diese könnten noch sehr viel raffinierter sein als die oben aufgeführten recht plumpen Beispiele.

Landtagswahl in Brandenburg: Können KI-Videos die Wahl beeinflussen?

„Mit KI ist es einfach, Stimmen und Bilder zu manipulieren, was bedeutet, dass KI Desinformation betreiben kann. In einem Jahr mit so vielen Wahlen ist das ein Grund zur Sorge“, sagt McAfee-Experte Vonny Gamot.

Ähnlich schätzt der europäische IT-Sicherheitshersteller ESET die Lage ein. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in diesem Jahr Manipulationsversuche durch KI bei Wahlen geben wird, zum Beispiel in Form von gefälschten Politikervideos. Nicht nur politische Parteien im eigenen Land haben ein Interesse daran, dem politischen Gegner zu schaden, auch ausländische Akteure werden versuchen, durch KI in den Wahlkampf einzugreifen“, erklärt Michael Klatte, IT-Sicherheitsexperte bei ESET.

Der Brandenburger Verfassungsschutz kommt zu ähnlichen Analysen der Lage. „Besondere Bedeutung nimmt hierbei das Thema hybride Bedrohungen ein, mit denen Russland versucht, Einfluss in Deutschland und anderen westlichen Ländern zu gewinnen. Hierzu gehören gezielte Desinformationskampagnen über staatlich kontrollierte Medien sowie die Verbreitung von falschen oder irreführenden Informationen über populäre soziale Medien“, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht.

Wahlen in Brandenburg: Fakevideo mit dem Bundeskanzler gab es schon

Ein Video, in dem der Bundeskanzler angeblich erklärt, nun alle Asylbewerber ins Land zu lassen? Audio-Nachrichten, in denen Politiker Wahlmanipulationen zugeben oder dazu aufrufen, nicht zur Wahl zu gehen? All das wäre möglich, mithilfe von KI – sogar relativ leicht herzustellen. Es reichen wenige Sekunden Stimmprobe einer Person, bei Politikern leicht zu organisieren.

Und das hat es in anderen Länder so oder so ähnlich in diesem Jahr auch schon gegeben. Eine KI-Stimme, die wie US-Präsident Joe Biden klang, soll Wähler dazu aufgerufen haben, nicht an den Vorwahlen der Demokraten teilzunehmen. Ein angebliches Eingeständnis von Wahlmanipulationen durch einen Spitzenkandidaten hat in der Slowakei die Präsidentschaftswahl beeinflusst. In Indien ist sogar das Video eines vor Jahren verstorbenen Politikers verbreitet worden, in dem dieser Wahlkampf für die aktuelle Wahl macht.

Ein Deepfake-Video mit Olaf Scholz hat es auch bereits gegeben. Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) hat dieses Ende November 2023 veröffentlicht und den Kanzler darin sagen lassen, er wolle die AfD verbieten lassen. Das Video war eine Fälschung, eine verglichen mit dem Stand der Technik schlechte, die allerdings trotzdem von einigen Menschen geglaubt wurde.

So können Wähler Desinformation erkennen

„Wähler in Deutschland müssen deshalb achtsam sein, wenn sie auf Social Media oder in anderen Quellen Nachrichten konsumieren – die KI-Technik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass selbst Profis gefälschte Bilder und Videos nicht auf den ersten Blick erkennen“, sagt IT-Sicherheitsexperte Klatte.

Was also tun, wenn in den Stunden vor der Wahl brisante Informationen, Videos oder angebliche Ton-Mitschnitte auftauchen? „Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Verbraucher proaktiv Maßnahmen ergreifen können, um sich vor Betrug zu schützen, indem sie sich die folgenden Fragen stellen: Woher stammen diese Inhalte? Wie seriös ist die Quelle? Erscheint das Video oder die Information plausibel?“, rät Vonny Gamot von McAfee.

Wo kommt eine Nachricht her? Wer verbreitet sie? Wie wahrscheinlich ist sie? Und warum wird sie gerade jetzt verbreitet? Oft hilft auch eine schnelle Recherche im Internet. Plattformen wie das German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO) versuchen gerade an Wahltagen, möglichst zeitnah Fakenews aufzudecken. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Faktencheck-Organisationen und Forschungsteams, die es sich zum Ziel gesetzt haben, gemeinsam Des- und Falschinformationen zu bekämpfen.

Jüngstes Ergebnis der Fact-Checker: Ein angebliches Antifa-Schreiben über Wahlfälschungen in Sachsen. Eine Fälschung.