Bus in Berlin
: Haltestellen sollen Bienen und andere Insekten anlocken

Bus-Haltestellen in Berlin werden zu Biotopen für Insekten. Das ist gut für das Ökosystem. Aber auch für die Fahrgäste?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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In der Heidestraße in Berlin-Mitte wurden Bus-Haltestellen mit Gründächern ausgestattet.

In der Heidestraße in Berlin-Mitte wurden Bus-Haltestellen mit Gründächern ausgestattet.

Wall AG/Lois Kellner
  • Berliner Bus-Haltestellen werden mit Gründächern ausgestattet, um Insekten zu fördern.
  • Vier Haltestellen in der Heidestraße sind nun Biotope für Bienen und andere Insekten.
  • Pilotprojekt in Hamburg zeigte keine Probleme mit Insektenstichen.
  • Projekt soll Biodiversität in der Europacity unterstützen.
  • Stiftung Naturschutz Berlin lädt zum "Langen Tag der StadtNatur" am 14. und 15. Juni 2025 ein.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die neuen Bus-Haltestellen an der Europa-City nördlich des Hauptbahnhofs in Berlin sind mit blumigen Bildern beklebt. „Hier stehen Sie unter Naturschutz“, ist darauf zu lesen. Gemeint sind aber nicht die Fahrgäste als gefährdete Spezies, die aufgrund des Dauerstresses auf Berliner Straßen auszusterben drohen, sondern die besondere Begrünung auf dem Dach.

Das haben Experten der Deutschen Wildtierstiftung mit Stauden bepflanzt. Glockenblumen, Wiesenmargeriten, Thymian und Katzenminze sollen Insekten anlocken und ernähren. „Getrennt durch ein schlankes Gründach kommen Mensch und Natur im Bezirk Mitte in Zukunft an vier Bus-Haltestellen zusammen“, freut sich Christoph Schriner, Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt, Naturschutz, Straßen und Grünflächen bei der Einweihung am 10. Juni.

Werden Bienen gefährlich für Fahrgäste an den Bus-Haltestellen in Berlin?

Doch da die meisten Menschen die Nähe zu Insekten eher meiden, muss folgende Nachfrage erlaubt sein: „Gehen Fahrgäste, die künftig in der Heidestraße auf den 147er warten, ein erhöhtes Risiko ein, von einer Biene, Wespe oder Hummel gestochen zu werden?“.

„Nein, überhaupt nicht“, versichert Christian Knappe, Sprecher der Wall AG, die die Bus-Wartehäuschen in der Heidestraße betreibt. Er beruft sich auf die guten Erfahrungen aus Hamburg, wo die Firma seit zwei Jahren sieben begrünte Haltestellen testet und dies durch die Deutsche Wildtierstiftung wissenschaftlich begleiten lässt. „Da gab es bisher keine Meldungen zu Stichen oder sonstigen Probleme“, berichtet Knappe.

Dabei scheint der Andrang der Insekten auf die Bus-Biotope recht groß zu sein. In der Hansestadt konnte die Stiftung im vergangenen Jahr 68 Spezies von Wildbienen und Wespen erfassen. Unter den 41 Wildbienenarten habe es sogar einen Erstnachweis gegeben: die Grobpunktierte Maskenbiene (Hylaeus punctatus), die zuvor noch nie in Hamburg gesichtet worden war. Auf einem Gründach auf St. Pauli entdeckten Experten zudem eine 100 Jahre lang verschollene Wespenart.

In der Berliner Europacity, die erst in den vergangenen Jahren im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Mitte und Wedding hochgezogen wurde, sollen die Gründächer auf den Haltestellen nur ein weiterer Baustein für mehr Biodiversität und Artenschutz sein, heißt es von den Initiatoren.

Blick auf das begrünte Dach eines Bus-Wartehäuschens in Hamburg, wo vor zwei Jahren das Pilotprojekt gestartet ist.

Blick auf das begrünte Dach eines Bus-Wartehäuschens in Hamburg, wo vor zwei Jahren das Pilotprojekt startete.

Wall AG/Stephan Wallocha

Die Deutsche Wildtier Stiftung entwickelte und verwaltet mit dem Bezirk Mitte bereits acht ebenerdige Projektflächen, die von Pflanzen-Experten zu Lebensräumen für diverse Insekten umgewandelt wurden.

Auch die Gründächer auf Bus-Haltestellen sollen den Insekten nun als sogenannte Trittstein-Biotope dienen. Die Wartehäuschen befinden sich dabei in unmittelbarer Nähe zu den anderen Wildtier-Projektflächen und sollen in dem neuen urbanen Quartier ohne historisch gewachsenes Stadtgrün eine Art Mosaik aus Lebensräumen speziell für Wildbienen bilden. So können die fleißigen Tiere die Pollen von einer Blüte zur anderen tragen und für die Fortpflanzung vieler Pflanzenarten sorgen.

Für die Begrünung der Bushäuschen-Dächer wurden trockenheitsresistente Wildstauden verwendet. „Im ersten Jahr nach der Bepflanzung muss noch regelmäßig bewässert werden“, erklärt Wall-Sprecher Knappe. Nach sechs Monaten könne die Bewässerung schon reduziert werden, da die Pflanzendecke dichter wird.

Wenn das Gründach voll bewachsen ist, reiche eine einmalige Bewässerung im Jahr. „Das verwendete Pflanzgranulat in den Edelstahlwannen auf den Dächern speichert Wasser“, erläutert Knappe. Die Kosten für alle vier Gründächer trage alleine Wall. Über die Höhe will das Unternehmen, das sein Geld hauptsächliche mit Berliner Citytoiletten und Außenwerbung verdient, aber keine Angaben machen.

Pflanzen in Berlin – noch mehr Grün

„Es ist großartig, dass das Potenzial der Haltestellen-Dächer, das vorher vollkommen ungenutzt war, nun ausgeschöpft wird und dadurch neue artenreiche Nektar- und Pollenquellen für bestäubende Insekten entstehen“, freut sich auch Tom Bluth von der Deutschen Wildtier Stiftung. Er kündigte an, das Projekt auch auf andere Bezirke in Berlin auszuweiten zu wollen.

Das wird nach jetzigem Stand aber nicht so einfach sein. „Wir würden uns natürlich über eine Ausweitung freuen, aber momentan bleibt es auf die Heidestraße beschränkt, da wir nicht Infrastrukturpartner der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für Wartehallen sind“, erklärt Wall-Sprecher Knappe.

Die Bus-Häuschen in der Heidestraße in Nähe zur Wall-Unternehmenszentrale habe man - auch im Interesse der eigenen Mitarbeiter - in Eigenregie neu errichtet. „Deshalb war es in diesem Fall unkompliziert, die erprobten Gründächer aufzubringen und die Wartehallen in Abstimmung mit BVG und Bezirk aufzubauen.“

Die Berliner Verkehrsbetriebe selbst arbeiteten aktuell an einem Konzept für neue, teilweise auch begrünte Wartehallen, heißt es auf Anfrage. „Wir stehen mit den Beteiligten im Austausch.“

Langer Tag der Stadtnatur

Am Wochenende (14. und 15. Juni 2025)  lädt die Stiftung Naturschutz Berlin mit dem Langen Tag der StadtNatur dazu ein, die Vielfalt und verborgenen Seiten der Berliner Stadtnatur zu entdecken. Unter dem Motto „Vielfalt erleben!“ werden zahlreiche Orte - von Naturschutz-Einrichtungen, über Kleingärten bis hin zu Brachflächen - ihre Türen für Besucher öffnen.

Auch in den Parks laden Führungen und Mitmachaktionen dazu ein, die urbane Natur aus neuen Blickwinkeln kennenzulernen – von der Tegeler Stadtheide über das Tempelhofer Feld bis zum Britzer Garten.

Kinder unter 14 Jahren nehmen kostenlos teil. Erwachsene zahlen 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.  Das gesamte Programm, Anmeldung und Ticketverkauf unter: langertagderstadtnatur.de

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