Notfall im U-Bahnhof Berlin
: Notruf-Säulen der BVG – so lief der Live-Test

Unfall, Sturz, Schlägerei, Hindernis auf der Schiene – die BVG hat 573 Notruf-Säulen in ihren U-Bahn-Stationen aufgestellt. Doch was passiert, wenn ich den roten, gelben oder blauen Knopf drücke?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Jeder U-Bahnhof in Berlin wie hier in Stadtmitte hat mindestens zwei Notruf- und Informationssäulen.

Jeder U-Bahnhof in Berlin hat mindestens zwei Notruf- und Informationssäulen. Diese steht in Stadtmitte.

Maria Neuendorff
  • BVG hat 573 Notruf-Säulen in Berliner U-Bahn-Stationen aufgestellt.
  • Roter Knopf ist für Notfälle; gelber für Infos; blauer für Rollstuhlfahrer.
  • Rettungswagen binnen sieben bis neun Minuten vor Ort.
  • 800 Notrufe täglich, meist Verletzungen durch Stürze und Bedrohungen.
  • BVG-Aktionsteams machen die Säulen bis 30. Mai bekannt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Verletzter nach einem Treppensturz, ein Diebstahl, eine Schlägerei oder ein Mensch im Gleisbett: Es gibt viele dramatische Situationen, in die Fahrgäste in der U-Bahn in Berlin geraten können und in denen sie sich schnelle Hilfe wünschen.

Genau für solche Fälle, aber auch für Fragen nach dem Weg, gibt es in Berlin 573 Notruf- und Informationssäulen. Auf jedem U-Bahnhof stehen mindestens zwei. Schilder mit Piktogrammen, die an den Bahnhöfen von der Decke hängen, weisen den Weg zur nächsten Säule. An dieser gibt es drei Knöpfe: rot, gelb und blau.

U-Bahn in Berlin – Direkter Draht zur Notrufzentrale

„Der rote Knopf ist der direkte Draht zu unserer Sicherheitsleitstelle“, erklärt Ingo Tederahn, Bereichsleiter für die Sicherheit der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Wir reagieren sofort, verschaffen uns per Kamera ein Bild vor Ort und schicken Hilfe, wenn sie gebraucht wird.“

Der Missbrauch des Notrufs ist zwar strafbar. Doch der Grundsatz bei der BVG lautet: „Lieber einmal zu viel gedrückt als einmal zu wenig“, betont Tederahn.

Mit einer Aktionswoche will das Verkehrsunternehmen die Säulen bekannter machen. Dafür sind noch bis zum 30. Mai BVG-Aktionsteams in den Nachmittagstunden auf den Linien U2/U12, U5, U6, U7 und U8 unterwegs. Die Mitarbeiter in den gelben BVG-Westen sprechen Fahrgäste an, verteilen Müsli-Riegel mit QR-Codes und animieren sogar zum Ausprobieren der Notrufsäulen.

Das wollen wir auch einmal tun und drücken - natürlich nur im Rahmen der Kampagne - an einer Säule am U-Bahnhof Stadtmitte den roten Knopf neben der Aufschrift „SOS“. Ein schrilles Signal ertönt. „Bitte haben Sie einen Moment Geduld“, sagt eine Frauenstimme vom Band. Aber schon in der nächsten Sekunde fragt eine Männerstimme: „Wird die Feuerwehr oder die Polizei benötigt?“. Nein, zum Glück nicht.

U-Bahn in Berlin – Polizei kommt mit Blaulicht zum Bahnhof

Aber, wenn es so wäre: Wie lange dauert es, bis die Einsatzkräfte vor Ort sind? „Das kommt auf den Notfall an“, erklärt der Mitarbeiter. Der Rettungswagen sollte innerhalb von sieben bis neun Minuten vor Ort sein, laute die Vereinbarung mit dem Senat, die in den meisten Fällen eingehalten werde.

Aber das hänge auch von der Art des Einsatzes ab. „Wenn Sie gerade angegriffen werden und es ganz schnell gehen muss, dann fährt die Polizei mit Blaulicht durch die Stadt und ist innerhalb von wenigen Minuten da“, versichert der BVG-Mitarbeiter.

Rund 800 Mal täglich wird in Berlin der Notruf per BVG-Säule ausgelöst. „Glücklicherweise stellt sich trotzdem ein großer Teil dieser Nutzungen nicht als akuter Notfall heraus“, sagt BVG- Sprecherin Franziska Ellrich.

Typisch seien Verletzungen durch Stürze. Dann werde umgehend ein Rettungswagen entsandt. „Oder ein Fahrgast fühlt sich bedroht. Eine Sofortmaßnahme kann dann sein, dass die Kollegen und Kolleginnen sich direkt auf dem Bahnsteig per Lautsprecher zu Wort melden“, erklärt Franziska Ellrich.

Notfall in Berlin – Rauch im U-Bahnhof

Regelmäßig würden auch Raucherscheinungen gemeldet, wenn etwa eine brennende Zigarette im Mülleimer landete. „Mithilfe unserer Kameras können sich die Kollegen umgehend ein Bild machen, ob die Feuerwehr anrücken muss oder ein BVG-Kollege vor Ort bereits mit einem Eimer Wasser Abhilfe schaffen kann.“

Neben medizinischen Notfällen und Straftaten ist der Notruf für Fälle da, die eine Gefahr für den Verkehr sein könnten, wie Einkaufswagen im Gleisbett. Oder wenn bei einem Familien- oder Kita-Ausflug eines der Kinder es nicht rechtzeitig aus dem Wagen schafft, ehe sich die Zugtüren schließen, dürfe man laut BVG den roten Knopf drücken.

Für Auskünfte zu Fahrplänen, Umsteigemöglichkeiten, Fundsachen, Meldungen zu falschen Aushängen oder kaputten Fahrstühlen müssen Fahrgäste den gelben Knopf drücken. Auch hier machen wir den Test am neuen großen Kreuzungsbahnhof „Unter den Linden“. Alleine auf der oberen Ebene der Linie 6 stehen sechs Notrufsäulen bereit.

Nach dem Drücken des Knopfes, der mit einem gelben „I“ für „Info“ gekennzeichnet ist, meldet sich zügig ein Mitarbeiter aus der Service- und Informationszentrale. Er beantwortet sofort die Frage, ob Fahrgäste von Stadtmitte nach Ruhleben am Gleisdreieck in die provisorische U12 umsteigen müssen. „Ja, die Bauarbeiten dauern noch bis Ende August. Informieren Sie sich regelmäßig an den Aushängen in den betroffenen Bahnhöfen, ob sie sich nicht verlängern“, rät der BVG-Mitarbeiter.

In Berlin gibt es insgesamt 573 Notruf- und Informationssäulen. Sie werden täglich durchschnittlich rund 800 Mal genutzt.

In Berlin gibt es 573 Notruf- und Informationssäulen. Sie werden rund 800 Mal am Tag von Fahrgästen genutzt.

Maria Neuendorff

An der modernen Säule, aus dem seine Stimme ertönt, ist ganz unten noch ein blauer Knopf für Menschen im Rollstuhl. Er werde laut BVG häufig dazu genutzt, um abzufragen, ob der Aufzug am Zielbahnhof funktioniert. Über den tiefergelegten blauen Knopf können sich Rollstuhlfahrer auch mit der Info- und der Notrufzentrale verbinden lassen.

Alle wichtigen Informationen sind auf der Webseite „Notrufsäule #nachgefragtabgehakt“ zusammengefasst.

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