Caritas Berlin mit Nachhaltigkeit
: Nichts wegwerfen – junge Leute können Kleidung tauschen

Youngcaritas zeigt jungen Menschen in Berlin, wie sie sich kreativ und sozial engagieren können und lädt zur Kleidertauschparty ins Museum für Kommunikation.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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  • Kleidertauschpartys finden regelmäßig in Berlin statt. Dabei tauschen die Teilnehmer Mode, die sie aussortiert haben, gegen andere gebrauchte Kleidungsstücke ein. Dazu gibt es DJ-Musik und einen Ort für Begegnungen.

    Kleidertauschpartys finden regelmäßig in Berlin statt. Dabei tauschen die Teilnehmer Mode, die sie aussortiert haben, gegen andere gebrauchte Kleidungsstücke ein. Dazu gibt es DJ-Musik und einen Ort für Begegnungen.

    Angela Kroell
  • Jana Weßling, Projektleiterin von youngcaritas in Berlin, ist unter anderem zuständig für die Organisation von Kleidertauschpartys und Upcycling-Projekten.

    Jana Weßling, Projektleiterin von youngcaritas in Berlin, ist unter anderem zuständig für die Organisation von Kleidertauschpartys und Upcycling-Projekten.

    Walter Wetzler
  • Lena aus Berlin schaut sich bei einer Kleidertauschparty ein kariertes Kleid an.

    Lena aus Berlin schaut sich bei einer Kleidertauschparty ein kariertes Kleid an.

    Angela Kroell
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Die Jugend von heute zeigt sich gerne umweltbewusst und geht auch für den Kampf gegen den Klimawandel auf die Straße. Doch wie kann man sich als Einzelner ganz konkret für eine bessere Welt engagieren und zum Beispiel persönlich etwas gegen die Wegwerfkultur tun?

Ideen und konkrete Angebote unterbreitet youngcaritas, eine Plattform der deutschen Caritasverbände für das soziale Engagement junger Menschen. Am kommenden Sonntag, 28. Januar 2024, organisieren die Mitglieder zum Beispiel im Museum für Kommunikation in Mitte eine Kleidertauschparty. Interessierte junge Leute können in der Zeit von 11 bis 17 Uhr bis zu fünf Kleidungsstücke mitbringen und diese kostenlos gegen andere tauschen.

Nachhaltigkeit und Mode: Bewusster Umgang mit Kleidung

„Bei manchen platzt der Kleiderschrank aus allen Nähten. Andere haben sich an manchem Teil einfach sattgesehen. Kein Problem, bei uns werden sie ihre Altlasten los und beglücken neue Besitzerinnen und Besitzer“, erklärt Projektleiterin Jana Weßling von youngcaritas. Sie selbst hat schon bei einer Kleidertauschparty Ende November in Berlin mitgemacht und für sich eine coole Lederjacke ergattert. „Die konnte ich bei dem Wetter leider noch nicht so oft anziehen, aber sie hängt schon bereit für den Frühling“, erzählt die 26-Jährige.

Die Kleidungsstücke, die keine neuen Besitzer finden, landen aber nicht einfach auf dem Müll, sondern kommen als Spende in die Kleiderkammer der Caritas nach Wedding, wo sich Wohnungslose und Bedürftige kostenlos einkleiden können. Natürlich müssen die Textilien noch in einem guten Zustand, also sauber und ohne Löcher sein.

Ob diese Kriterien gegeben sind, begutachten am Sonntag am Eingang des Museums ehrenamtliche Helfer, die die T-Shirts, Röcke, Hosen und Jacken danach etikettieren und auf Kleiderbügel hängen. Dazu spielt ein DJ .Musik. „Wer selbst keine alte Kleidung mitbringt aber dennoch fündig wird, kann die Stücke gegen eine kleine Spende mit nach Hause nehmen“, erklärt Jana Weßling.

Klimaschutz durch Kreativität und Reparatur

Die Kleidertauschparty ist Teil des Aktionstages „Klimakiller Fashion?!“. Am 28. Januar 2024 öffnet das Museum seine Türen als Ort des Austauschs und der Inspiration. Neben der Kleidertauschparty gibt es im Lichthof des Museums weitere Angebote und Workshops, die zu bewusstem Konsumverhalten und kreativen Lösungsansätzen anregen.

Dazu werden besondere Rundgänge durch die Ausstellung „KLIMA_X. Warum tun wir nicht, was wir wissen?“ angeboten, die ebenfalls laut Kuratoren ermutigen soll, aktiv für den Klimaschutz zu handeln, zum Beispiel mit der Reparatur und dem Upcycling von Dingen auch individuell der Klimakrise entgegen zu wirken.

Vielfältiges Engagement: Von Textilien bis Kultur

Sich persönlich sozial und kreativ zu engagieren, darum geht es auch bei Youngcaritas. Auf der Online-Plattform für Menschen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren werden auch Möglichkeiten offeriert, die nichts mit Textilien-Verwertung zu tun haben. Da gibt es zum Beispiel eine Smartphone-Sprechstunde für Senioren oder die „Kulturbuddys“, die mit gemeinsamen Museums- und Konzert-Besuchen die kulturelle Teilhabe von Menschen aus verschiedenen Kulturen fördern wollen.

Interessierte können sich bei youngcaritas beraten lassen, welches soziale Engagement besonders zu ihnen passen könnte. Bei sogenannten Volunteer Days können sich junge Menschen einen Tag lang als Helfer in Kindergärten, Suppenküchen oder Nachtcafés für Wohnungslose ausprobieren. „Wir wollen aber auch jungen Leuten, die zeitlich eigentlich nicht die Kapazitäten für ein klassisches Ehrenamt haben, Möglichkeiten aufzeigen“.

Upcycling: Neue Produkte aus alter Kleidung

Denn es gibt auch weniger aufwändige Angebote, wie zum Bespiel das Upcycling-Projekt „vergissmeinnicht“. Dabei treffen sich die Teilnehmer immer dienstags ab 18 Uhr im Projektladen „caridoo“ in Prenzlauer Berg, um aus gebrauchten Klamotten und Stoffen neue Produkte zu nähen. „Aus einem Sakko wird beispielsweise ein Rucksack, aus einem alten Hemd ein Kissenbezug oder eine Kochschürze“, berichtet Jana Weßling.

Die Möglichkeiten der Wiederverwertung auszuloten, macht Sinn. Durchschnittlich „verbrauche“ laut youngcaritas jeder Mensch in Deutschland im Jahr circa 14 Kilogramm Bekleidung. Im Schnitt seien das bundesweit mehr als 1.200.000 Tonnen Alttextilien, welche eingesammelt, sortiert und recycelt werden müssten.

Ehrenamtliches Engagement als Bereicherung

Die neuen Dinge, die im „caridoo“ aus alten Textilien entstehen, zum Beispiel stoffumrandete Haargummis und bunte Kulturtaschen, werden dann auf Märkten oder zu bestimmten Zeiten im „caridoo“-Laden verkauft. Der Erlös fließt wiederum in gemeinnützige Caritas-Projekte.

Doch viele junge Leute engagierten sich nicht nur, um etwas Gutes für die Gesellschaft zu tun, sondern auch, weil sie so andere junge Leute kennenlernen, berichtet Jana Weßling. Eine Ehrenamtsbescheinigung mache sich häufig auch gut bei der Job-Bewerbung und gelte zudem als positiver Nachweis bei Einbürgerungs-Verfahren.

Im Laden an der Pappelallee 62 sowie über die youngcaritas-Plattform können Engagierte ebenfalls Projekt-Ideen ins Leben rufen. So sei übrigens die Kleidertauschparty-Reihe entstanden, betont Weßling. „Wir haben 2022 die erste Aktion im Rahmen einer Podium-Diskussion gestartet und schnell festgestellt, wie groß die Nachfrage ist.“

Aktionstag und Projektladen

► Der Aktionstag zum Thema „Klimakiller Fashion“ findet am 28. Februar 2024 von 11 bis 17 Uhr im Museum für Kommunikation an der Leipziger Straße 16 in Berlin-Mitte statt.

► Das Museum ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Kleidertauschparty und Workshops im Erdgeschoss sind kostenfrei.

► Ausstellungen und Rundgänge sowie der Museumseintritt kosten 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Personen unter 18 Jahren haben generell freien Eintritt.

► Der Projektladen „caridoo" im Prenzlauer Berg hat dienstags und donnerstags in der Zeit von 10 bis 16 Uhr zum Verkauf geöffnet.

► Alle Infos zu Veranstaltungen und Mitmachangeboten finden sich online.